Über das Unglück auf der Nordbahn

Immer wieder gab bei der „Kaiser Ferdinand-Nordbahn“ des Wiener Rothschilds, Salomon,  zu schweren Zugunglücken. So auch auch unter anderem 1846 in Frankreich bei dem 14 Menschen den tod fanden. Die Regierung verschwieg, die Verwaltung „bestach“ ein Opfer und die Zeitungen machten die Personaleinstellungspolitik der „Compagnie“ verantwortlich.

 

Deutsche Allgemeine Zeitung – 18.07.1846 – Seite 1816

— Über das Unglück auf der Nordbahn enthalten die Zeitungen einen neuen Bericht der Compagnie, welcher die frühen bestätigt und die Zahl der Verunglückten auf 14 Todte, 5 schwer und 20 leichter Verwundete feststellt. Sämmtliche Wagen sind aus dem außerdem sorgfältig durchsuchten Wasser herausgezogen. An keinem ist ein zerbrochenes Rad gefunden worden, und die Veranlassung des Unglücks bleibt noch immer unbekannt. Vom königl. Gerichtshofe zu Douai sind der Rath Wanderwallen und der Generalanwalt zur Untersuchung des Thatbestandes bestellt worden, und der Oberingenieur Busche ist bereits weitläufig vernommen.

Brüssel, 13. Jul. Über die schaudervolle Eisenbahnkatastrophe vom 8. Jul. läßt sich noch immer nichts Sicheres im Zusammenhange berichten; die Gerüchte über die Ursache derselben und über die Anzahl der dabei verunglückten Personen widersprechen sich im höchsten Grade. Von namhaften Personen wird unter den Verwundeten und Todten Niemand genannt. Der bekannte holländische Minister van Gobbelschroy, der bis Arras in einem der zertrümmerten Wagen gesessen hatte, wurde durch das Unwohlsein seiner Frau veranlaßt, in jener Stadt zurückzubleiben, und dadurch gerettet.

Der Pariser Correspondent der Independance beklagt sich bitter, daß 30 Stunden nach dem Unglücke die pariser Abendzeitungen vom 9. Jul. noch nichts Sicheres über das während des ganzen Tages besprochene und außerordentlich vergrößerte Ereigniß mitzutheilen wußten. Das Abendblatt Patrie habe sogar in den Bureaux der Nordeisenbahnverwaltung auf geschehene Erkundigung zur Antwort erhalten, „es sei gar nichts vorgefallen“. Wenn sich auch das absichtliche Stillschweigen der Verwaltung wo nicht entschuldigen, doch begreifen lasse, müsse man umso strenger die Fahrlässigkeit der Regierung rügen, die wenige Stunden nach der Katastrophe durch den Telegraphen officielle Kenntniß von der Sache haben mußte und durch eine schnelle Bekanntmachung der wahren Sachlage die allgemeine Bestürzung hätte beschwichtigen können.

Es werden zugleich der Verwaltung der Nordbahn bittere Vorwürfe gemacht. Hr. v. Rothschild soll unter den 42.500 Bewerbern eben nur Diejenigen in das Dienstpersonal aufgenommen haben, deren Bittschriften durch Männer von Einfluß empfohlen worden waren; so läßt sich zwar nicht über den guten Ton der mit Eisenbahnstellen Beglückten, wohl aber über ihre Ungeschicklichkeit klagen, und in dieser Beziehung liefern die mannichfaltiqen Reklamationen, womit die Zeitungen von Valenciennes, Douai, Lille und Arras täglich angefüllt sind, den besten Beleg. …

Grässliches Unglück

Leipziger Zeitung – 6. Oktober 1847 – Seite 6715

Paris, 24. December. Das hiesige Civilgericht entschied gestern eine Episode des gräßlichen Unglücks auf der Nordbahn bei Fampoux (Arras). Eine Frau, Eugenie Leonard, fand sich mit ihren beiden Kindern, einem Knaben und einem Mädchen, so wie mit ihrer ganzen Habe in einem der verunglückten Wagen. Ihre Schulter war zerschmettert und aus breiten Kopfwunden strömte das Blut, so daß sie bewußtlos in ein Wirthshaus nach Fampoux gebracht wurde. Ihre Tochter war an vielen Stellen ebenfalls schwer verwundet und ihr Sohn war leider in dem Moraste erstickt.

Während die unglückliche Frau in diesem Zustande im Bette in Fampoux lag und weitaus nicht die ganze Größe ihres Unglücks kannte, trat ein Agent der Nordbahn-Compagnie, an deren Spitze bekanntlich Rothschild steht, in Begleitung des Maire an ihr Bett, zählte 400 Franken auf den Tisch und ließ sie ein Document unterzeichnen, aus welchem hervorging, daß sie sich aller Klagen gegen die Nordbahn-Compagnie für jene geringe Summe begeben habe. Jetzt erst, nachdem sie wieder ganz hergestellt ist, begehrt sie von den Gerichten, nach der wirklichen Größe ihres Unglücks entschädigt zu werden, und die Gerichte haben dies Begehr begründet befunden und die Compagnie zu neuer Entschädigung von 600 Frs. und einer Jahresrente von 300 Frs. verurtheilt.

Transkript: Werner Nosko

Über das Unglück auf der Nordbahn

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