Rothschild und das spanische Quecksilber

Als sich Spaniens Regierung  gewahr wurde, das die Quecksilbermine (Zinnoberabbau) der Almaden eine „Goldgrube“ ist,  saß diese bereits in der Falle. Nachdem im März 1835, das Haus Rothschild den befristeten Zuschlag zur Ausbeutung erhielt, begann ein feilschen der Gier um Verlängerung, Meistbieter und politischen Verwerfungen. Es entbrannte ein regelrechter Jahrzehnte langer Krieg, um Geld, um sehr viel Geld! Spanien verlor!


Lemberger Zeitung – Mi, 11. März 1835 – Seite 119(3)

Am 15. Februar fand zu Madrid die Adjudication, der Quecksilbergruben von Almaden Statt. Diese umfassende Ausbeutung ward den HH. Rothschild von Paris und London, in Verbindung mit den HH. Inigo und Espeleta von Berdeaur zugeschlagen, die über ihre Concurrenten den Sieg davon trugen. Dazu mußten sie aber 57 ¼  für das bieten, was bisher nur mit 30 bezahlt wurde. Das höchste Angebot, nach dem der HH. von Rothschild,war das des Hrn. Zulnetta von London mit 54.

Brünner Zeitung – 15. Mai 1837 – Seite 604(2)

… Mexico muß bekanntlich einen großen Theil seiner Bergwerke unausgebeutet lassen, weil es diesem jungen Freistaate an Quecksilber mangelt.

Spanien dagegen besitzt in Almaden die reichsten Quecksilbergruben Europas, ist aber durch den mit dem Londoner Hause Rothschild eingegangenen Vertrag verpflichtet, die ganze Ausbeute desselben auf eine Reihe von drei Jahren für einen bestimmte« Preis (54¼ Piaster den Centner) zu überlassen. Spanien kann also aus feinem Quecksilber bis dahin keinen höheren Gewinn ziehen. Dieser Umstand hat zur Folge gehabt, daß die Handelsjunten von Cadir, Malaga und ganz kürzlich auch die von Sevilla an die Cortes Vorstellungen eingereicht haben, in denen sie die für den spanischen Handelsstand aus jenem Vertrag entspringenden Nachtheile auseinandersetzen, und darauf dringen, den Contract nach Ablauf der ersten drei Jahre nicht wieder zu erneuern, sondern vielmehr aus den mit den südamerikanischen Staaten angeknüpften Verhältnissen rücksichtlich der Ausfuhr des Quecksilbers Nutzen zu ziehen. Diese Eingaben wurden an die Gesetzgebungs-und Finanzcommission verwiesen, und von dem Beschlüsse der Cortes wird es alsdann abhängen, ob jener Contract, wie unter gewissen Bedingungen und in besondern Artikeln festgesetzt seyn soll, noch auf zwei Jahre verlängert werden wird. Der Deputirte Ferrer ist von der Regierung und den Cortes ermächtigt worden, den Handelstractat mit den mexicanischen Bevollmächtigten auszuarbeiten, und scheint gegenwärtig damit beschäftigt zu seyn, die Interessen des spanischen Handelsstandes mit den wohlbegründeten Rechten des Rothschildschen Hauses in Einklang zu bringen. Da aber der hiesige mexicanische Gesandte, Santa Maria, seit längerer Zeit gefährlich krank und fast ohne Hoffnung, darnieder liegt, so ziehen sich natürlich jene Unterhandlungen sehr in die Länge. (Beob.) …

Brünner Zeitung – 22. August 1837 – Seite 1042(4)

… Sichere Handelsberichte widersprechen der vor einiger Zeit von einem Correspondenten der allgemeinen Zeitung aus Madrid mitgetheilten Nachricht, daß das Haus Rothschild der spanischen Regierung kürzlich wieder sieben Millionen Realen gegen Anweisungen auf die Quecksilberbergwerke in Almaden vorgeschossen habe. Eben so wenig soll es auch gegründet seyn, daß Hr. Anthony von Rothschild sich nach Madrid begeben werde; das genannte Haus soll vielmehr mit dem jetzigen Zustande der spanischen Finanzen durchaus nichts mehr zu thun haben wollen. (Beob.) …

Österreichischer Beobachter – 11. November 1837 Seite 1503(3)

… Die Cortes haben vorgezogen, anstatt die Discussion über die Denkschrift des Finanzministers und über das Project der Consolidirung der Staatsschuld zu eröffnen, zur Debatte über den mit dem Hause Rothschild abgeschlossenen Contract hinsichtlich der Ausbeute der Quecksilberbergwerke von Almaden zu schreiten. Die Wuth, mit der man darauf dringt, daß dieses Geschäft dem Hause Rothschild nach Ablauf der im ursprünglichen Contracte vom Jahre 1835 stipulirten Frist von drei Jahren (also am 2l. Februar 1838) entzogen und die von der Madrider Regierung zugestandene Verlängerung auf weitere zwei Jahre annullirt werde, rührt von der Geldgier gewisser Verwaltungsbeamten her, welche, wenn die Regierung die Sache wieder in die Hände bekommt, ihren Privatvortheil daraus zu ziehen hoffen. Der Justizminister (Hr. Matavigil) will, daß diese Frage, als das Eigenthum betreffend, von den Gerichten entschieden werden solle; allein die Cortes, aus Oppositionsgeist, behaupten ihre Competenz. …

Österreichischer Beobachter – 14. November 1837 – Seite 1523(3)

… Die ungünstige Lösung der Quecksilberfrage für Herrn von Rothschild könnte für das ganze Land höchst nachtheilig werden, wenn dieser reiche Capitalist eine Art von Repressalien ausüben wollte, und der Regierung die versprochenen Zuschüsse verweigerte. Es scheint, man besorge etwas dieser Art. Dieß würde dann eine weitere Verlegenheit für das ohnehin in seinem Gange so sehr gehinderte Ministerium seyn. Der Agent des Hauses Rothschild hat, wie man versichert, schon angekündigt, daß er die Vorschüsse zur weitern Ausbeutung der Quecksilbergruben von Almaden suspendiren werde. Dann könnte man gar nichts aus ihnen beziehen. Man glaubt übrigens allgemein, daß alle Acte der Cortes ungültig bleiben und nicht vollzogen werde« sollen. Die Eröffnung der neuen Cortes, die am 19. November Statt finden soll, wird wohl die Folge haben, mehrere parlamentarische Männer ins Ministerium zu berufen. …

Berliner Politisches Wochenblatt – 18. November 1837 – Seite 1

 … Die spanischen Cortez erklären dem Hause Rothschild den Krieg. Dem unzweifelhaften Rechte und einer niemals angefochtenen Königl. Bestimmung zuwider, beschlossen sie, den mit jenem Handelshause wegen der Quecksilber Bergwerke zu Almaden eingegangenen Cortrakt zwei Jahre vor dessen Ablaufe aufzukündigen. Uns befremdet dabei nichts, als das naive Erstaunen und die tugendliche Entrüstung der zahmen Revolution darüber, daß die angeblichen Vertreter des spanischen Volkes die bekannte ;,Theilung der Gewalten“ so wenig respektiren, und eigenmächtig in das Gebiet der „exekutiven“ übergreifen. Nachgerade könnte doch Jeder, der nicht geradezu blödsinnig, begriffen haben, daß in der Praxis nur beim Beginn der Revolutionen von einer Theilung der Gewalten die Rede sey, wenn nämlich der Monarch mit seinen Unterthanen theilt, was er bisher besaß, — später wird das Ganze wieder vereinigt, aber freilich in andern Händen. …

Österreichischer Beobachter – 27. Januar 1838 – Seite 128(2)

… An der Spitze der Finanzen steht der Graf Toreno, denn Mon ist sein Werkzeug. Er erfreut sich der Freundschaft Ludwig Philipps, des Herrn von Rothschild und der einflußreichsten politischen und Finanzpersonen Europa’s. Von einer Anleihe kann nicht die Rede seyn, aber aus den Minen von Almaden und den Einkünften von Euba kann eine geschickte Hand hinreichende Hülfsmittel schöpfen, um Esparteros Militärcassen für den Feldzug zu versorgen. Der Graf Toreno hat in der That keine Entschuldigung, da unter dem vorhergehenden Cabinet in Bezug auf die Minen von Almaden Anerbietungen gemacht worden sind, die völlig zu dem obenbesagten Bedarf hinreichen. Wenn der spanische Finanzminister die Wiederbewilligung dieser Bergwerke an Herrn von Rothschild durchsetzt, so muß Herr von Rothschild mindestens eine eben so große Summe zahlen,  als sein Nebenbuhler geboten hat.…

Berliner Politisches Wochenblatt – 8. September 1838 – Seite 1

… Die finanzielle Bedrängniß zu Madrid scheint dem Gipfel ganz nahe zu seyn. Soweit ist die Monarchie Philipps II. herabgekommen, daß man mit Ängstlichkeit erwartet, ob das Haus Rothschild den Vertrag seines Abgesandten zu ratisiciren geneigt sey, wodurch der Regierung ein Vorschuß von nicht vollen 3 ½  Millionen Thaler auf die Erträgniße der Quecksilber-Minen von Almaden bewilligt werden; ferner betrachtet man als einen bedeutenden Glücksfall, daß der Geschicklichkeit der Minister gelungen, die Lieferanten für das Heer zu einer viermonatlichen Verlängerung ihrer, am 1. d. M. abgelaufenen Contrakte zu bestimmen. …

Wiener Zeitung – 11. Oktober 1842 – Seite 1

Spanien.

Aus Madrid vom 27. September wird geschrieben: Das Wort Pronunciamento ist in Aller Mund und es wärt sonach eine abermahlige politische Bewegung zu erwarten; aber gerade, weil man soviel davon spricht, wird wohl nichts geschehen; wenigstens ist die Regierung genugsam gewarnt, um auf ihrer Huth zu seyn.  Die Zuschlagung des Anlehens von 40 Millionen, angewiesen auf die Quecksilberminen von Almaden soll heute Statt finden. Der Agent des Hauses Rothschild, Hr. Weisweiler, ist hier angekommen und bereits dem Regenten vorgestellt worden.

Leipziger Zeitung – 18. Juni 1847 – Seite 2281 (5)

Spanien.

…Madrid, 8. Juni. – Nächsten Donnerstag, den 10., soll der Zuschlag der Quecksilberminen von Almaden auf fünf Jahre erfolgen; man glaubt, Herr von Rothschild werde sie erhalten. …

Leipziger Zeitung – 21. Juni 1847 – Seite 2928 (4)

Gestern wurden hier im Finanzministerium die Quecksilbergruben von Almaden versteigerungsweise verpachtet. Von den eingereichten Anerbietungen ward die der Bankgesellschaften del Fomento und della Probidad, welche 86 Pesos (450Fr.) für 100 Pfund boten, als die beste befunden und der Pacht ihnen zugesprochen. Herr Weiswiller, der Agent des Hauses Rothschild, das bis jetzt Pächter dieser Bergwerke war, soll gegen die Form der Versteigerung Protest eingelegt haben.

Deutsche Allgemeine Zeitung – 11. Juli 1847 – Seite 1698 (2)

Die Fomentobank hat bereits die ersten 15 Mill. Realen auf die 6« Mill. eingezahlt, welche von ihr als Pacht der Quecksilbergruben von Almaden im voraus erlegt werden müssen. ES spricht sich viel Zufriedenheit darüber aus, das einträgliche Geschäft, bei welchem das Haus Rothschild einen Reingewinn von 350,000 schweren spanischen Thalern jährlich machte, in nationale Hände übergegangen zu sehen. Mit dem 1. Jul. hören die bisherigen Abschlagszahlungen der Fernandobank auf, die für ihr Guthaben von 200 Mill. Realen bei der Regierung durch den Finanzminister Hrn. Salamanca wirklich gedeckt worden ist, und die demselben zu Gebote stehenden Hilfsquellen müssen sonach bedeutend sein, wenn er die Bank entbehren kann. Die von ihm wegen des neuen Münzsystem getroffenen Anordnungen haben jedoch bei der Direktion der Fernandobank vielfachen Widerspruch gefunden, welcher aber zeither nur ,in Form von Privatmittheilungen an den Minister geltend gemacht worden ist, indem auf seinen Wunsch auffallendere Schritte noch unterlassen wurden.

Wiener Zeitung – 17. Januar 1850 – Seite 20

Die Quecksilber⸗Minen von Almaden sind Hrn. von Rothschild (zu 70 Piaster) wieder zuerkannt worden.

Neuigkeiten – 12. Februar 1856 – Seite 2 12.02.1856

Spanien.

Aus Madrid verlautet abermals von einer Ministerkrisis; nach einer Mittheilung der „K. Z.“ hätte O’Donnell seine Entlassung nachgesucht. In der Finanzwelt unterhält man sich viel von einem Vorfalle zwischen dem Hause Rothschild und dem Finanzminister. Jenes Haus schloß vor 2 Jahren einen sehr vortheilhaften Vertrag ab, kraft dessen es dem Schatze gegen Verpfändung der Erträgnisse der Quecksilbergruben von Almaden ansehnliche Vorschüsse machte. Es hat jetzt, wahrscheinlich weil es die Regierung in Verlegenheit zu setzen glaubte, plötzlich die rückständigen Zahlungen vom Schatze gefordert; der Finanzminister soll aber seinem Agenten zu dessen Überraschung erklärt haben, der Schatz sei zur Rückzahlung im Stande. Der Minister fügte bei, daß sämmtliche Vorschüsse demnächst zurückgestellt werden sollten, damit der Schatz seiner lästigen Verpflichtungen gegen das Haus Rothschild enthoben werde. Aus Madrid wird telegraphisch berichtet, daß der Finanzminister Herr Bruil seine Entlassung eingereicht habe und durch Herrn Santa⸗Cruz ersetzt werde.

Neues Wiener Journal – 15. Dezember 1901 – Seite 4

Schon die Römer hatten in Spanien den unschätzbaren Reichthum an kostbaren Erzen zu entdecken verstanden, welche der Erde noch heute aus unzähligen Schachten entzogen werden und täglich neue Capitalisten in dieses sonnige Land locken. Rio Tinto, Almaden, Linares u.s.w. sind wahre Fundgruben für die europäischen Unternehmer, und selbst der König aller Geldleute, Rothschild, hat manche seiner Millionen in den Eingeweiden des spanischen Bodens stecken. Almaden mit seinen reichen Quecksilberminen gehört ihm ausschließlich.

Transkript: Werner Nosko

Rothschild und das spanische Quecksilber

Fraktur

Fakten: Von 1835 bis 1921 gehörten die Erzgruben der jüdischen Familie Rothschild, anschließend wurden sie verstaatlicht.

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