Kurz, der 3-Wörter-Kanzler: Migranten, Migranten, Migranten!

Die Wahl ist vorbei, das Ergebnis haben wir zur Kenntnis genommen. Das verbietet nicht, dass man(N)/frau sich Gedanken zu diesem inszenierten Hype um einen Wunderwuzzi macht, der keinen einzigen Tag „da draußen“, wo die echten Menschen leben, arbeitete, der über keinen Beruf verfügt, keine Berufsausbildung hat… und der den Menschen mit seiner Kritik an der Integration grosse Denkleistungen im Wahlkampf abverlangte,…

…zumal er sich als zuständiger Integrations-Minister seit 6 Jahren damit selbst harsch kritisierte …

B i z a r r.

Frau Rohrer, von der Presse, sagte treffend: „Kurz sagt allen anderen Ressorts, was sie zu tun haben, aber in der Integration bleibt er das meiste schuldig. Er hat noch nicht gezeigt, was er tatsächlich zu leisten imstande ist“ (sinngemäß zitiert).

Herr Grossnigg, Paradesanierer, wurde mal vom Kurier ob des Reformstaus in der Politik befragt und er meinte: „Politiker ist ein Beruf, der keiner Qualifikation bedarf. Damit ist auch schon alles gesagt“. Nun, nichts Neues und diese Tatsache trifft auf sämtliche Politiker zu – nicht nur auf Sebastian Kurz.

Was der Ösi-Boulevard und die Raiffeisen-Medien so zusammenschrieben und – dichteten, haben wir alle gelesen. Die Propagandaorgeln haben toll funktioniert – der Messias hat gewonnen. Zumindest die Wahl. Die Menschen wurden dort abgeholt, wo sie nicht waren, sondern wo man ihnen sagte, dass sie sich dort gefälligst aufzuhalten haben. Und die Menschen sind der Propaganda gefolgt. Toll!

War`s das?

Zeit einen Blick zurück zu werfen, die Ergebnisse noch einmal Revue passieren zu lassen und zu analysieren. Sprache ist Politik – wenn „Political-Frames“ die Menschen manipulieren und die Fakten, so scheint es, total negiert werden, dann ist ein Eintauchen in die Zusammenhänge angesagt. Eine Woche nach der Wahl hat sich die erste Aufgeregtheit gelegt: eine nüchterne #Politik #Kurz #NRW2017 Betrachtung aus gesunder Distanz ist notwendig, mehr denn je.

Ergebnisse – Wahlstromanalyse

Das meiste wurde erschöpfend in den Medien erklärt, deshalb kurz:

  • die Wahlbeteiligung stieg von 75 auf 80%, was um die 400.000 neue Wähler bedeutete: von diesen konnte die ÖVP am meisten (151.000), die SPÖ schon viel weniger (89000), die FPÖ 62000 für sich buchen; für die Liste Pilz entschieden sich immer noch 47000 Neuwähler – fast das 4-fache als die Grünen auf sich vereinen konnten (sehr magere 13000), was ein wichtiges Indiz für deren stark gesunkene Attraktivität ist;
  • die SPÖ rinnt, immer noch, massiv gegen die FPÖ aus (107.000) und 47000 wanderten zu den Nichtwählern; dass sie nicht auf 22-23% abstürzte ist (fast) allein der Zunahme aus dem grünen Lager (190000) zu verdanken – insgesamt hat Kern mit viel Bauchweh das Faymann-Ergebnis von bescheidenen 27% halten können;
  • die FPÖ legte 6%punkte zu, wobei überraschend war, dass sie fast das doppelte von der ÖVP absog, als sie an diese an Wähler verlor; nach wie vor nimmt sie der SPÖ viele Stimmen ab;
  • die Liste Pilz konnte von allen Stimmen gewinnen, wobei aber nur ca. 15% der Grünen Stimmen (75000) sich für seine Liste entschieden; überraschend ist, dass mehr von den Neos als der SPÖ zu ihm wanderten;
  • die Grünen bluteten regelrecht aus: 40% der Stimmen von 2013 gingen zum „Schmied“ SPÖ (als Bollwerk gegen die FPÖ), und fast gleich viel zur Liste Pilz, wie zur ÖVP und den NEOS – was eher überraschte.
  • Hohes Stadt-Land-Gefälle: im urbanen Raum (Wien und den Landeshauptstädten) liegt die SPÖ weit voran – am Land haben die FP_Ö_VP eine zwei Drittelmehrheit;
  • SPÖ – historischer Einbruch bei den Arbeitern: die FPÖ wählten 59% der Arbeiter- Die Zunahme betrug 26%punkte, was fast einer Verdoppelung entspricht: unglaublich! Gelingt der Sozialdemokratie nicht bald eine Rückholung ihrer wichtigsten Wähler, wird sie auch bei der kommenden Wien-Wahl kaum als Sieger herauskommen.

Der Stronach-BZÖ-Effekt.

Ich gestehe es ein: ich habe auch nicht an die Wähler gedacht, die durch den Wegfall des Team-Stronach und des BZÖ (das 2013 nicht in das Parlament kam)“frei“ wurden – immerhin knappe 10% der Wähler. Ungefähr 2 Drittel davon wählten die ÖVP, der Rest ging zur FPÖ und die anderen Parteien konnten keine Wähler davon gewinnen, was wesentlich zum Sieg von Kurz und dem Zuwachs der FPÖ beitrug.

Wozu wurde Kärnten „gerettet“?

In Kärnten wurde die FPÖ mit 33% wieder die stimmenstärkste Partei, vor der SPÖ mit 29%. Dies ist eine faustdicke Überraschung, zumal die FPÖ Haiders die Hauptverantwortung für das Hypo-Desaster (die Kosten für den Steuerzahler liegen um die 15 Mrd. Euro!) trägt, als auch die Korruption der „Buberlpartie mit der Lichtgestalt KHG“ seit Jahren DAS Dauerthema der Medien ist. (Anmerkung: erst vor einigen Tagen hat der Verfassungsgerichtshof die Anklage gegen Karl-Heinz Grasser, ex-Finanzminister, zugelassen und damit den 8-jährigen Ermittlungen die Türe zur Anklage geöffnet hat).

Schelling hatte wohl Recht, als er Kärnten unter Sachwalterschaft stellen wollte, zumal ein Verhältnis von Schulden zu Steuereinnahmen von 10:1 (per 2009) nicht mehr Menschen mit Hausverstand als „Politik“ zu erklären ist. Es kam nicht dazu und alle anderen Bürger müssen nun die Zeche für diese kriminellen Politiker tragen. Ein solches Wahlverhalten, wo man gerade jene Gruppe wieder als Nummer 1 sehen will, die nachweislich alle Menschen irre schädigte, erinnert an das Sprichwort:

„Nur die dümmsten Kälber … wählen ihre Metzger selber“.

(Brecht)

Hat Kurz einen fulminanten Sieg errungen? Mitnichten.

Las man die Kommentare, so klangen die Lobeshymnen so, als ob es ein Erdrutschsieg gewesen wäre – dem ist nicht so:

  • mit 31.5% blieb die ÖVP einiges hinter den Prognosen von 33-35% zurück; erdrutschartig war die Zunahme der ÖVP unter Schüssel, der über 40% erreichte und die FPÖ zerbröselte;
  • der Zufluss der Neos (nur 41000) und der FPÖ (42000) kompensierte gerade den Abfluss an H.C. Strache (80000);
  • mehr als 1 Drittel der ÖVP-Stimmen kommen aus Niederösterreich, wo es auch Zunahmen gab;
  • interessant ist, dass es zu keinem nennenswerten Austausch zwischen ÖVP und SPÖ kommt – was auch die ideologische Distanz ausdrückt,

Der Anstieg von ca. 7%punkten ist auf 4 Faktoren zurückzuführen:

  1. dem Nichtantritt von Stronach/BZÖ (dies erklärt mehr als die Hälfte des Zuwachses)
  2. den neuen Wählern,
  3. dem ländlichen Raum, wo die ÖVP mit der FPÖ über eine satte Mehrheit von um die 67% verfügt – und
  4. einer „irren Propaganda“, wie es sie in Österreich noch nie gab: die Boulevard_Orgeln – „Krone und Österreich“ – und die selbsternannten „Qualitäts- und Raiffeisenmedien“ (diePresse, Kleine Zeitung, die die grösste Reichweite in Kärnten und der Steiermark hat, Salzburger- und Oberösterreichische Nachrichten und nicht zu vergessen die Wochenzeitung „Profil“ uam.):

alle trommelten sie den Messias in den 7. Himmel, egal ob er im ORF Lügen um Spenden Haselsteiners für die SPÖ verbreitete … Islamstudien politisch zurecht „gebogen“ wurden… nachweislich offizielle Statistiken der OECD auf seiner Homepage manipuliert wurden (dies würde in Deutschland kein Minister mehr als 3 Tage überleben). Alles zählte nicht, war den Medien kaum mehr als eine kleine Spaltennachricht wert. Es galt einen Kanzler nach eigenem Gutdünken zu „machen“ und ob Kurz nur der so erschaffene Hampelmann der Geld und Industrielobby sein wird, werden wir bald erleben.

Tja …

Jeremy Corbyn, Labour: ein historisches Ergebnis 2017.

Gegen Corbyns fast Sieg über Theresa May von den Konservativen (er scheiterte im Mehrheitswahlrecht knapp um läppische 6000 Stimmen) wirkt die Zunahme Kurz`trotz des Stronach-Effekts sehr bescheiden, denn in nur 2 Monaten explodierte Labour von 26% auf 40%! Und dies trotz einer Propaganda der RWMM (right_wing_mainstream_media), die Corbyn über 2 (!) Jahre in einer irren Denunzierungskampagne diffamierte (Stichwörter: not electable, no leadership competence).

By the way … Jeremy Corbyn hat mehr als 500 mal gegen Tony Blairs neoliberale Politik gestimmt…hat gegen alle Kriege und das atomare Aufrüstungsprogramm votiert…will British Railways reverstaatlichen…und die hohen Tuition-Fees (Studiengebühren) abschaffen…als auch das englische Gesundheitssystem auf solide Finanzierung stellen.

Es gelang ihm, in nur 2 Jahren seit er die Labour anführt, mehr als 350.000 Menschen neu zu gewinnen und seine Partei zur grössten Europas mit ungefähr 630.000 Mitgliedern zu machen:

Das ist Leadership vom Feinsten !

Übrigens – Jeremy Corbyn ist 66 Jahre alt und er begeistert 10000e bei seinen Reden – er ist bereits K.U.L.T: dies nur, um die Werbelüge des Jugendwahns ins rechte Licht zu rücken.

 

1.) Kurz: die Migranten, die Migranten, die Migranten sind schuld!

Der Mono Themenwahlkampf hat sich ausgezahlt und zum Gewinn der Mehrheit geführt. Kein Unternehmen, kein KMU könnte auf diese Weise auch nur 1 Monat überleben, weil

  • die Asylsuchenden, auf deren Rücken die Wahl entschieden wurde, nur etwas mehr als 1% der Bevölkerung ausmachen,
  • die Kosten der Grund- und Mindestsicherung ca. 0,7% der Staatsausgaben betragen,

und kein echter Unternehmer/Manager auf 1% des Umsatzes oder Gewinnbeitrages soviel an Energie und/oder gar Werbekosten verwenden würde. Jeder Eigentümer/Aufsichtsrat würde solch einen Manager fragen, wieso er sich nicht mit den anderen 99% der Unternehmensprobleme beschäftigt um damit die Performance der Firma voranzutreiben.

Aber – in der Politik ist alles anders: es reicht, wie wir alle erlebten, ein einziges Meta-Thema verbunden mit hetzerisch-angstmachenden, gebetsmühlenartig heruntergeleierten Sprechblasen aus, um eine Parlamentswahl zu gewinnen. Erinnern wir uns an Haider, der dieses Rezept in allen Facetten erschuf und vorlebte. Slogans wie: „Kärnten muss einsprachig bleiben“ uam. kommen für ein Land, das seinen Wohlstand wesentlich den Touristen – also den Fremden – zu verdanken hat, sehr armselig über die Rampe…

Natürlich wurden alle anderen Problembereiche völlig ausgeblendet, denn es galt den so einfachen „Sündenbock“ als übergrosse Gefahr für das Land, die Menschen darzustellen – da war jedes Mittel recht.

„Im Kern ist Kurz ein Strache“, lautete ein genialer Slogan der Grünen. Leider haben sie ihn zu wenig ins Rampenlicht gestellt, denn er trifft alle Nägel Österreichs auf den Kopf: Kurz gelang es, höflich und so unscheinbar in seinem jugendlichen Auftritt verpackt, die FPÖ rechts zu überholen – ja, und das Thema der Migration mit viel Angstparolen aufzuladen und zuzuspitzen. Dies ist ua. auch deshalb eine „besondere Leistung“, weil alle noch halbwegs als christlich zu bezeichnenden Institutionen, die der ÖVP nahestehen, keinen Pieps … von sich gaben oder gar wagten, den Heilsbringer in Türkis dafür zu kritisieren.

So beachtlich – wie erschreckend!

Diese unsachliche Zuspitzung weitete Kurz dahingehend aus, dass Migranten „für eh olles“… von ihm verantwortlich gemacht wurden, was die Politik, insbesondere die ÖVP total verbockte, wie die Integrationspolitik, für die der „Messias himself“ zuständig war/ist. Jede Kritik traf Kurz selbst und es ist schon sehr erstaunlich, dass es ihm gelang, alle anderen Minister und das Land Wien in Geiselhaft für sein persönliches Versagen zu nehmen.

Ja, es ist korrekt, dass mehr als die Hälfte in Wien eine Mindestsicherung erhalten (Im Schnitt etwas mehr als 500 Euro/Monat über eine Dauer von ca. 10 Monaten) – aber auf Österreich bezogen – und das ist entscheidend – beziehen ca. 75% der Österreicher diese Unterstützung für die Ärmsten. Ergo dessen trifft jede Kürzung überwiegend Inländer – aber niemand kritisierte die totale und banale „Verkürzung“ der Kurz-Propaganda.

Seine Ziffern über die Kosten für Fluchtsuchende waren um 30-40% locker überhöht, selbst das Finanzministerium kam nur auf 2 Mrd., wobei extra 430 Mio vom Verteidigungsministerium, immerhin 20% des gesamten Verteidigungsetats, hineingerechnet wurden und selbst die EU diesen Betrug nicht anerkannte!

Kurz zusammengefasst:

A – Sozial ist, wer bei den Armen spart!

Kurzer Nachschlag:

Laut einem „On_dit“ wurde Kurz von einem Wirtschaftsmagazin gefragt, was die Gründe für den Anstieg des Butterpreises um 40% sind und er antwortete schlüssig und stringent: „Also…, die Österreicher kaufen eigentlich immer weniger Butter, weil wir ihnen Reallohnverluste verordnet haben, damit die Unternehmer mehr Profit erzielen – ganz nach meinem Credo: MEHR FÜR DIE FLEISSIGEN TUN! Diese Nachfragelücke wurde durch die Migranten – es sind ja immer die Migranten, die an allem Schuld sind – gefüllt. Und genau dies führte zum hohen Anstieg des Butterpreises. Ganz einfach“.

Die Quelle ist leider online nicht mehr verfügbar…

Der kindliche Kanzler und die Flüchtlinge

Diesen „einzigartigen Fokus“ haben auch andere erkannt, u.a. der politische Kommentator im ORF, Herr Filzmeier. Zwar wundert es mich immer wieder, dass es in Österreich nur ihn gibt, der vom ORF beauftragt wird, aber hier hat er wirklich Recht wenn er meint: (Min: 2:40ff) „Sebastian Kurz ist es nicht nur gelungen, das Thema Zuwanderung in allen Facetten in den Mittelpunkt zu stellen, sondern alle Themen damit zu verknüpfen. Wenn man z.B. den Arbeitsmarkt diskutiert wurde auch darüber gesprochen, ob es schwieriger ist Jobs zu finden, wenn anerkannte Flüchtlinge auch Jobs suchen“ …

A l s o: wer ist an allem schuld?

An wirklich allem?

Na der Flüchtling! Wie man mit dieser politischen Weisheit eine Wahl gewinnen kann, haben wir gerade in Österreich gesehen.

2.) War da noch was? Ah-ja: Kurz bringt DIE Veränderung…

Völlig d`accord: die Österreicher brauchen Veränderung, weil

  • fast 1,5 Mio, also 18% der Bevölkerung armutsgefährdet ist, sagt die amtliche Statistik,
  • in Wien 500.000 Menschen an der Armutsschwelle leben, das sind mehr als Graz und Linz zusammen an Einwohner haben – ob dies Häupl schon bemerkt hat, darüber werden Wetten abgeschlossen;
  • ca. 350.000 Kinder nicht in die Ferien gehen können: ihre Eltern verdienen zu wenig,
  • für mehr als 160.000 Kinder der Schulanfang ein grosses finanzielles Problem ist: das Haushaltseinkommen ist zu gering,

Und das im 7. reichsten Land dieses Planeten?

Aber diese Veränderung hat Kurz nicht gemeint, denn er redet zwar immer sehr blumig von einem „sozialen Ausgleich“, liest man aber seine Programme – und es soll Menschen geben, die das taten – wird die Österreicher eine ganz andere Realität erwarten, z.B.

  • werden all jene, die bisher keine Lohnsteuer bezahlten, immerhin um die 1,4 Mio Menschen, nichts von der grossen Reform bekommen,
  • auch die x-fach angekündigte Verbesserung von 1.500 Euro für Alleinerzieherinnen kann nur von 25% lukriert werden – die Hälfte hat davon nichts, weil das Einkommen zu klein ist, um von der so stolz verkündeten Lohnsteuerersparnis zu profitieren,
  • dafür werden alle Millionäre von der irren Angst befreit, die kommenden 5 Jahre so was A-Soziales wie Erbschafts- oder gar Vermögenssteuern bezahlen zu müssen,
  •  und jene Vorstandsdirektoren, wie Pierer – Großspender von Kurz und Einkommensmillionär – dürfen weiter ihre Gehalt über eine GmbH in irgendeiner Steueroase abrechen damit die „Leistungsträger“ ja keinen Beitrag zu unseren sozialen Sicherungssystemen leisten müssen.

Ja – das ist die Realität!

Da stellt sich jeder vernunftbegabte Mensch nur mehr 1 Frage:

wenn nur 4 % der 7 Mio Steuerpflichtigen (davon 2,5 Mio Pensionisten) über 5.000 Euro je Monat (also 70.000 im Jahr) verdienen – wer… hat dann wirklich Sebastian Kurz gewählt?

Es ist Zeit! Zeit für Neues! Jetzt oder nie!

Erinnern Sie sich noch? Damit wurden die Österreicher hin- und hergerissen, um den türkisen Weg der Veränderung einzuschlagen. Aber niemand weiss so recht, wohin der Weg gehen soll (siehe meine Beispiele von zuvor).

Zugegeben – die Werbung war niedlich anzugucken und sie hat, offensichtlich, gewirkt. Nur, dass gerade die ÖVP, die

  • seit 31 Jahren durchgehend in der Regierung ist und bestimmt,
  • mit ihren Bünden, Kammern bis hin zur Industriellenvereinigung diese irre ARMUT mit-verschuldete,
  • unter Haider/Schüssel weder das Hypo-Desaster „kommen sah“, noch die uferlose Korruption – Stichwort: Buberlpartie – bemerkte usw.,
  • sich noch immer als DIE Wirtschaftspartei sieht, obwohl allein Schüssel die doppelten Schulden als Kreisky je Jahr machte,
  • über Generationengerechtigkeit so treffliche Reden schwingt – aber zuletzt keine Skrupel hatte, eine 100jährige Anleihe zur Finanzierung des Defizites auszugeben – also die heutigen Schulden den UR-Enkeln aufhalst und dabei nicht mal mit der Wimper zuckt – genau diese umgefärbte Partei soll für Veränderung stehen?!

W i r k l i c h …?

Politcal-Framing: wie Sprache unser Denken manipuliert!

Politisches Framing: wie die Politik den von ihr gewünschten „Deutungsrahmen“ setzt und mit Sprache die Menschen manipuliert – darüber schrieb Elisabeth Wehling, Linguistin und Kognitionsforscherin, die an der Universität Berkeley, Californien, lehrt, ein sehr lesenswertes Buch.

Gerade diese Nationalratswahl bestätigt, was Frau Wehling sagt:

die Sprache der Politik ist nicht rational, bewusst und objektiv – im Gegenteil: nicht die „Realität“, also das was wirklich ist, die Fakten und unbestrittenen Tatsachen, bedingt die Meinung der Wähler (Kunden usw.), sondern „Frames“. Diese in Sprache zementierten Deutungsmuster, die (fast) nie auf der „klassischen Vernunft“ beruhen, sind immer ideologisch untermauert und selektiv. Sie bestimmen, was wir als wichtige Information annehmen – oder unter den Tisch fallen lassen.

Durch die Sprache, öffentliche Debatten und immer wiederkehrende „Slogans“ und Schlüsselwörter, werden die Entscheidungen der Wähler stark beeinflusst – ja: manipuliert!

Es geht um die Positionierung – „The Battle in your Mind“ – und die dauerhafte Vernetzung und öffentlichen Debatten mit den gewünschten „Welten“ der Parteien, dem nachhaltigen Einfluss auf die Wahrnehmung, das Handeln der umworbenen Zielgruppe.

Kurz gesagt: Sprache ist Politik.

Es ist unabdingbar, die Wirkkraft und beeinflussenden Mechanismen der Frames und Metapher sowohl der eigenen, als auch der Mitbewerber, zu verstehen und zu analysieren. Nur dann kann man eine Angleichung der eigenen Werte und Überzeugungen – oft im Gegensatz zu den anderen – vollziehen und das eigene Weltbild, die eigene Vorstellung von einer „sozialen Gesellschaft“ zum Beispiel, auch den Wählern plausibel vermitteln. Dieser Prozess betrifft alle Politikfelder, also Steuern, Sozialstaat, Gesellschaft, Justiz, Bildung, Islam, Terrorismus und selbstverständlich auch die Immigration und Umwelt.

Unser Denken sei nur zu 2% ein bewusster Prozess und die Sprache, nicht Fakten, bestimmt unser Denken, meint Wehling. Die Sprache beeinflusst und manipuliert unsere Wahrnehmung und Entscheidung, Sprache aktiviert unsere Erfahrung im Gehirn und hilft uns, die Fakten zu verstehen.

Das Schaffung eines politischen „Frames“ ist ein mühsamer und langfristiger Prozess, wobei es darum geht, die eigenen moralischen Wertvorstellungen und Deutungsrahmen sprachlich zu vermitteln, sodass diese rasch und ohne großes Nachdenken Assoziationen abrufen.

Im oa. Artikel der Tiroler Tageszeitung erwähnt Wehling die Sozialdemokratie, die sich dieser Analyse nicht stellt. Tut sie das nicht, vernachlässigt sie die Neudefinition ihrer „Frames“ und sie wird langfristig unbedeutend werden. (Anmerkung: gerade Jeremy Corbyn und Labour haben diese Sprache als gesellschaftliches Wertemuster neu definiert. Sie ist einfach und thematisiert in allen politischen Bereichen die soziale Frage als DIE wesentliche der britischen Gesellschaft. Nicht umsonst, fußt der enorme Erfolg von Labour auf dieser sprachlichen Neu-Positionierung, die sich völlig vom neoliberalen, kapitalistischen „Neusprech“ abhebt).

Obama als auch Trump haben sich viel in ihren Kampagnen mit Framing beschäftigt – und Erfolg gehabt.

Ob sich das Team um Kurz damit professionell auseinandersetzte, kann ich nicht sagen. Aber, die ganz Kampagne war ungleich gefestigter, durchdachter, nichts wurde dem Zufall überlassen. Dies betraf sowohl die Sprache, Slogans, als auch die unterlegten Bilder, die rasche Assoziationen hervorrufen und festigen sollen.

Dagegen wirkten die anderen eher plump, kaum Konsistenz in den Aussagen, dadurch eher verwirrend für Wähler (insbesondere die Kampagne der SPÖ) und konnten dadurch weniger durch die eigenen „Frames“ die Wähler von sich überzeugen. Dass aber auch Fakten, wie das desolate Bild, das die Grünen über Monate abgaben, die Entscheidung beeinflusst haben, ist evident.

Kurz zentrale Aussage: die Migranten sind an allem schuld, die Migranten, die Migranten – wer sonst – hat sohin gewirkt, denn die Menschen haben alle Fakten um die Fluchtsuchenden einfach ausgeblendet und türkis zum Sieg verholfen.

Aber – es gibt immer ein nächstes Mal!

„Die Bürger demokratischer Gesellschaften sollten Kurse für geistige Selbstverteidigung besuchen, um sich gegen Manipulation und Kontrolle wehren zu können.“ (Noam Chomsky)

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