Der vierte Weltkrieg – Der Krieg der USA gegen die ganze Welt

Diego Fusaro:  Teil 17

Du sprichst oft vom vierten Weltkrieg: Was meinst du damit? Den Begriff „vierter Weltkrieg“ habe ich von Costanzi Preve entlehnt, der ein Buch mit dem Titel „La quarta guerra mondiale“ (nämlich „Der vierte Weltkrieg“) geschrieben hat. Alle wissen, dass es im 20. Jahrhundert zwei große Weltkriege gab, welche diese Epoche tief geschüttelt haben: Der Erste und der Zweite.

Weniger gekannt ist die Tatsache, dass es auch einen dritten Weltkrieg gegeben hat, der sogenannte „Kalte Krieg“, welcher zwei nach dem Prinzip „cuius regio, eius oeconimia“ entgegengesetzte Blöcke involviert hat. Fast niemand weiß, dass wir eine Phase erleben, die ich als vierten Weltkrieg bezeichne. Worauf basiert dieser vierte Weltkrieg?

Das Prinzip, worauf sicher der heutige Weltkrieg basiert, ist grundsätzlich folgender: Die siegende Macht des dritten Weltkrieges, das heißt die U.S.A. beziehungsweise, dass, nach der kantischen Formel[1] sogenannte „Universale Königreich“ (Universalmonarchie), hat sofort nach dem Sieg des zweiten Weltkrieges den dritten Weltkrieg ausgelöst. Kurz gesagt, handelt es sich bei dem vierten Weltkrieg um den Krieg, der seit dem Jahr 1989 beziehungsweise 1991, mit dem Konflikt im Irak, von den U.S.A. an die Länder erklärt wurde, welche sich nicht ihrer Macht unterstellten.

Seit 1989, mit dem bekannten Panama-Krieg, und bis zum irakischen Konflikt, durchleben wir eine neue Kriegsphase bestehend aus inneren Auseinandersetzungen, die zusammen den vierten Weltkrieg darstellen. Die Logik dieses Krieges ist ganz neu und unbekannt, doch sie ermöglicht es, die Natur aller Kriegsereignisse der letzten 20 Jahre zu verstehen. Ihr Ablauf ist grundsätzlich immer derselbe, und es wäre lächerlich, wenn es nicht so traurig wäre: Der schnurbärtige Diktator im Einsatz, der nach der Formel von Leo Strauss „reductio ad Hitlerum“ mit Hitler verglichen wird…

So entstehen neue Hitlerfiguren wie Saddam, Milosevic, Gaddafi, Assad… Dann eine Bevölkerung, die im widersteht, und auf den Medien wie eine einheitliche Macht gegen den Diktator dargestellt wird, doch nicht imstande ist, ihn zu besiegen…. Und letztlich kommt der amerikanische Eingriff hinzu, immer im Namen der Menschenrechte, der als großes Feigenblatt für die schlimmsten Schändlichkeiten des amerikanischen Kaisertums zur Schau gestellt wird. Die Amerikaner griffen also ein, um den Diktator um zu stürzen und in jene Länder die Demokratie, das heißt den neoliberalistischen Kapitalismus amerikanischer Art zu exportieren.

Diese Komödie wiederholt sich immer auf die die gleiche Art und Weise und ermöglicht es zu verstehen, dass solche Ereignisse anscheinend als Versuch, die Demokratie zu exportieren, beurteilt werden, und zwar immer in einem neoliberalistischen Rahmen, wo auch die Demokratie eine zu exportierende Ware geworden ist. Genauso wie es auch in den italienischen Schulen passiert, wo die Studenten nicht mehr stehen bleiben, sondern sogenannte Bildungsschulden zu tilgen haben, oder im Zug, wo die Leute keine Passagiere mehr sind, sondern Kundschaft… Aber vor allem handelt es sich immer um innere Ereignisse eines Weltkrieges imperialistischer Art, wo das Kapital, laut Marx, „… Von Kopf bis Zeh, aus allen Poren, blut- und schmutztriefend“ entgegengesetzte Kräfte bekämpft.

All diese Länder haben mehr oder weniger gegen das amerikanische Kaisertum gekämpft, deshalb müssen sie, die USA, ständig umstürzen lassen, indem sie gute Gründe wie die Menschenrechte oder die Freiheit und die Demokratie ausnutzen.

Die Tatsache ist, dass ab 1989, aber vor allem im Jahre 2001 mit den Twin Towers die alte Rhetorik des Kommunismus als zu vernichtende Schande durch die neue Rhetorik des Terrorismus abgelöst wurde. Mit einem Terroristen kennt man keine Kompromisse, er muss zerstört werden. In seiner „Theorie des Politikers“ hatte Carl Smith klar dargestellt, wie die Ideologie der Menschenrechte und die Menschheit selbst ständig ausgenutzt werden, um diese Kriege zu rechtfertigen. Dies hat eine wesentliche strategische Funktion, wo die Menschheit gegen etwas kämpft, das nicht menschlich ist, wo es Menschrechte gegen jemanden gibt, der die Menschenrechte nicht berücksichtigt. In diesem Fall wird der Krieg zu einem globalen Feindschaftskrieg, so Carl Smith.

In dieser Kriegsart muss man den Anderen neutralisieren, es gibt keine Verhandlungsmöglichkeit, man muss den Feind vernichten wie bei den conquistadores, die jenseits des Ozeans Bevölkerungen getroffen haben, welche anscheinend genauso wie sie selbst waren. Und genauso wie sie diese Bevölkerungen nicht als menschliche Wesen anerkannt haben, um sie zu vernichten, wird heute der Status von Menschen bei Leuten nicht anerkannt, die in den sogenannten Schurkenländern wohnen. Und dies nicht als Zufall, sondern um die imperialistischen Bombardierungen zu rechtfertigen und nicht zu Gunsten der Menschenrechte.

Dass dies eine echte Schande ist, wird durch viele Ereignisse bestätigt, ich erinnere mich zum Beispiel an den Philosophen Jürgen Habermas, der 1999 über den Milosevic-Fall einen schändlichen Artikel mit dem Titel „Bestialität und Humanität“ schrieb, wo er tatsächlich die Bestialität der Bombenwerfer und die Humanität der Bombenopfer (Milosevic und Co.) entgegensetzte. In dem heutigen Szenario nutzt die Rhetorik der herrschenden organisierten Manipulation immer ein rhetorisch bedingtes Lexikon aus, und dies seit dem Bush-Zeitalter, um diese sogenannten Schurkenländer darzustellen. Nicht zufällig gibt es eine globale Proskriptionsliste zur Identifizierung solcher Länder und zu Negation ihres legitimen Widerstandes. Seit dem Bush-Zeitalter herrscht die Rhetorik der „Bösenachse“ alias „axis of evil“, wo all diese Länder sich befinden, wo auch die alten Instanzen des alten bösen kommunistischen Kaisertums, die Rhetorik der 70er Jahre, mit der Rom-Berlin-Tokio-Achse, der Nazismus und der Kommunismus sich kreuzen: es sind zwei mephistophelische Gesichter, die sich in der heute herrschenden amerikanischen Propaganda nochmals widerspiegeln.

Das ist eine abscheuliche Darstellung und das Grauenvollste dabei ist die totale Untergebenheit der westlichen Intellektuellen gegenüber dieser grausamen Logik. Man sollte dagegen Stellung nehmen, gegen diese imperialistischen Kriegsereignisse, welche die Menschenrechte oder die Freiheit überhaupt nicht schützen. Man sollte diese Situation öffentlich anklagen, auch weil diese Kriege immer einen wirtschaftlichen oder geopolitischen Hintergrund haben, wie der irakische Krieg (1991 dann 2003 und 2004), dessen Ziel nicht der Export der Menschenrechte war, sondern die geopolitische Besetzung von Gebieten in Richtung Nahosten. Genau wie in Afghanistan und Syrien… Zielsetzung sind immer die geopolitische Herrschaft und die imperialistische Angriffspolitik.

Man muss sich darüber im Klaren werden, dass wir uns inmitten des vierten Weltkrieges befinden. Was tun also? Ich glaube die Lösung für dieses Dilemma liegt mehr in Emmanuel Kant und in seinem „Zum ewigen Frieden“ (1975) als in Marx oder Lenin:

„…obgleich ein solcher Zustand an sich schon ein Zustand des Krieges ist… ist doch selbst dieser, nach der Vernunftidee, besser als die Zusammenschmelzung derselben, durch eine die andere überwachsende, und in eine Universalmonarchie übergehende Macht“. Die Kantische Theorie ist ein Aktionsplan zur Unterstützung aller Länder, welche gegen den amerikanischen Imperialismus von heute kämpfen, einschließlich Europa, wo 50 Jahre nach dem Ende des Faschismus und 20 Jahre nach dem Ende des Kommunismus immer noch durch amerikanische Militärbasen besetzt ist.

Durch diese Basen soll hauptsächlich vermieden werden, dass Europa zu einem Bund aus brüderlichen, souveränen, freien und gleichen Staaten wird und dass sich die amerikanische Ideologie der „special mission“ nicht? etabliert.

Europa lebt heute in derselben Situation wie Deutschland in der Zeit von Fichte, besetzt durch die Napoleons Truppen… Wir brauchen heute einen neuen Fichte, der in Europa sein Wort zum Ausdruck bringt und die Befreiung von der amerikanischen Unterdrückung militärischer und finanzieller Natur (Euro) als Grundlage eines wirtschaftlich-finanziellen Unsinnes befürwortet.

Transkript: Werner Nosko

[1] Kategorische Imerative (Kantische Formel)



DIEGO FUSARO ist politischer Kommentator; Journalist; Gegner des Kapitalismus; Gegen das europäische Bankensystem und des globalisierten Einheitsdenkens Er widmet sich dem Studium der Philosophie aller Zeiten, vor allem Marx und Gramsci, um ein soziales Projekt zu verwirklichen, um folglich die Aufmerksamkeit der Politiker auf spezifische Programme zu lenken, wo die Priorität das erniedrigte Volk der Erde sein wird, sowie die Berücksichtigung der verschiedenen Kulturen und deren Ausdruck – möglicherweise, wo sie sich entwickelt haben.

Die weltweite Verbreitung, und Übersetzung seiner Botschaften ist ausdrücklich erwünscht.


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