Der Thronverzicht Kaiser Wilhelms und andere Meldungen

Abdankung in einer staatsrechtlich einwandfreien Urkunde, erfolgt. Berlin, 29. Nov. Um aufgetauchten Mißverständnissen über seine Abdankung zu begegnen, hat Kaiser Wilhelm II. in einer staatsrechtlich einwandfreien Urkunde auf die Rechte an der Krone Preußens und der damit verbundenen deutschen Kaiserkrone verzichtet.

Die Urkunde hat folgenden Wortlaut:…

 


 

Der Thronverzicht Kaiser Wilhelms und andere Meldungen

Ich verzichte hierdurch für alle Zukunft auf die Rechte an der Krone Preußens und der damit verbundenen Rechte an der deutschen Kaiserkrone. Zugleich entbinde ich alle Beamten des Deutschen Reiches und Preußens sowie alle Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Marine, des preußischen Heeres und der Truppen der Bundeskontingente des Treueides, den sie mir als ihrem Kaiser, König und obersten Befehlshaber geleistet haben. Ich erwarte von ihnen, daß sie bis zur Neuordnung des Deutschen Reiches den Inhabern der tatsächlichen Gewalt in Deutschland helfen, das deutsche Volk gegen die drohenden Gefahren der Anarchie, der Hungersnot und der Fremdherrschaft zu schützen. Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrücktem kaiserlichen In-Siegel, gegeben zu Amerong, 28. Nov. 1918. Gez. Wilhelm.“

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Kaiser Wilhelms Abdankung wurde am 9. d. in einer Mitteilung des damaligen Reichskanzlers Prinzen Max von Baden bekannt gemacht. Es hieß darin, der Kaiser und König habe „sich entschlossen, dem Thron zu entsagen“, und zugleich wurde auch der „Thronverzicht“ des Kronprinzen bekanntgegeben.

Da der deutsche Reichstag nicht einberufen wurde, war keine Möglichkeit geboten, diese Tatsache in der verfassungsmäßigen Form festzustellen. In Deutschland hat man sich indes mit der vorliegenden Form der Thronentsagung begnügt. Im feindlichen Ausland jedoch ist in letzter Zeit wiederholt eine persönliche Erklärung Kaiser Wilhelms über die Thron Thronentsagung gefordert und im Zusammenhang mit dem Auslieferungsbegehren darauf hingewiesen worden, daß Kaiser Wilhelm vorläufig noch keine Privatperson sei, daher auch das Asylrecht Hollands nicht in Anspruch nehmen dürfe. Durch den jetzt erfolgten Verzicht des Kaisers sind wohl alle Zweifel behoben und auch jene Schwierigkeiten beseitigt, die Holland aus der Gewährung des Asyls, hätten allenfalls er erwachsen können.

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Die Schuldigen am Weltkriege Berlin, 29. November.(Privattelegramm.)

Die Reichsregierung hat auf dem Wege über die Schweiz eine Note an die Vereinigten Staaten und die Ententemächte gerichtet, worin vorgeschlagen wird, eine neutrale Kommission mit der Untersuchung der Frage nach der Schuld am Kriege zu beauftragen. Zugleich wird vorgeschlagen, daß dieser Kommission alle auf den Krieg bezüglichen Akten übergeben werden sollen. Deutschland erklärte sich bereit, sämtliche Akten ohne Auswahl vorzulegen, wobei aber die verständliche Voraussetzung ist, daß auch die andern Staaten alle Akten ohne Vorbehalt zur Verfügung stellen.

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Die Salzburger Wacht schreibt am Sonntag, den 1. Dezember noch: Die Auslieferung des Exkaisers nicht angängig. Aus Rotterdam, 28. Nov., wird gemeldet: Dem „Nieuwen iRotterdamschen Courant“ zufolge erklärte die bekannte Autorität auf dem Gebiete des Völkerrechts, der derzeitige Vorsitzende des Instituts für Völkerrecht Sir Thomas Barely, daß die Auslieferung von Verbrechern nur in sehr, beschränktem Umfange zulässig und im Falle des Deutschen Kaisers nicht anwendbar sei. Auch die Exkaiserin in Holland. Aus Amsterdam, 29. Nov., wird gemeldet: Die frühere Deutsche Kaiserin ist heute morgens in Maarsbergen bei Utrecht eingetroffen. Sie wurde am Bahnhofe vom Grafen Bentinck empfangen und fuhr mittels Automobil nach Amerlongen.

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Zuguterletzt schreibt das Blatt:

Ein englischen Blatt verlangt die Anheimstellung der
Justifizierung an das deutsche Volk.

London, 27. Nov. (Reuter) Die „Morning Post“ ist der Ansicht, daß es ein Fehler wäre, wenn die Alliierten das Urteil über den früheren Deutschen Kaiser fällen sollten, weil dadurch die Sühne der Schuld in ein Märtyrium vewandelt würde. Die Alliierten dürften nur einen Weg einschlagen: Sie müssen darauf bestehen, daß der frühere Deutsche Kaiser nach Deutschland zurückgeschickt werde, damit das Deutsche Volk mit ihm verfahre, wie es wolle.


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