Ist Sebastian Kurz ein Lügner? JA!

Die Wahl ist in Riechweite. Der Gestank der Lügen ist allgegenwärtig. Die Nerven liegen blank. Wären sie Eis, würden alle „Bundeskanzler-Bewerber“ einbrechen und im See versinken. Kerns dahinstolpernder Wahlkampf, seine eklatanten Fehler (Berater Silberstein, halbherziger Slogan usw.) und seine offensichtliche Dünnhäutigkeit und operative Hektik wurden hier en detail zerdröselt: mit Recht.

Soeben trat auch der Wahlmanager Niedermühlbichler zurück. Gerade mal 2 Wochen vor den Wahlen – ein Fiasko.

Kurz präsentierte indessen sein Programm, ein Melange aus Krone-Zeitungs-Überschriften ohne Substanz, so peu à peu. Sein letztes Duell mit Lunacek vom Donnerstag im ORF ließ jedoch Lügen aufblitzen, wie man sie bei uns noch nie von einem altgedienten Minister erlebte. Dies kann nicht ohne Widerspruch bleiben. Ein Abgleiten in spitze Satire und bizarrem Sarkasmus ergiebt sich aus Kurz‘ Auftritt per se: dem stehen alle Wähler völlig machtlos gegenüber – ich inklusive.

Der Reihe nach:

1.) verschlimmbesserte Kindergartenstudie

Der Falter veröffentlichte Anfang Juli Informationen, die eine „Nachbearbeitung“ der ohnehin umstrittenen Studie des Islamwissenschaftlers Ednan Aslan über islamische Kindergärten in Wien beweisen. Zuerst distanzierte sich Aslan gegenüber dem Falter, dass diese nicht von ihm stammen – um dann innerhalb einiger Stunden seine Meinung um 180 Grad zu ändern. Alle Zuspitzungen würden doch aus seiner Feder stammen, schob er rasch nach. Muna Duzdar forderte zu Recht ein Disziplinarverfahren gegen Beamte des Außenressorts, die vermutlich daran beteiligt waren.

Obwohl die wissenschaftliche Methodik von Aslan unter starker Kritik stand, delegierte die UNI-Wien die wissenschaftliche Überprüfung an ausländische Experten, was angesichts der engen Verwobenheit vieler Universitätsprofessoren mit der ÖVP – Stichwort: Cartellbrüderschaften – ein Eingeständnis darstellt, wie heiß diese „Kartoffel“ geworden ist. Natürlich wird das Ergebnis erst nach den Wahlen vorliegen – was haben Sie denn erwartet?

2.) Achterlwahrheiten über die „eigenen Strategie-Papiere“

Dass Kurz den Machtwechsel von langer Hand schon 2016 geplant haben soll, ging aus einem strategischen Papier hervor, das an einige Medien verbreitet wurde. Als die FPÖ darauf hinwies, leugnete man vehement, dass daran irgendwer aus dem inneren Führungskreis rund um Kurz beteiligt wäre. Nur kurze Zeit später tauchten die Namen von drei Personen aus dem Aussenministerium auf – das Kurz seit 4 Jahren leitet – die eine Involvierung bestätigten. Es blieb der Volkspartei in Türkis nichts anderes übrig, als schwarz auf weiss zuzugeben, dass man sehr wohl davon gewusst haben muss und Teile dieses Putsches gegen Mitterlehner „direkt dem inneren Kreis um Kurz zuzurechnen sind“.

3.) Gericht verbietet schamlose Kurz-Lüge über SPÖ-Spenden

Die Verbreitung der Lüge von Kurz – Haselsteiner habe 100.000 Euro an die SPÖ gespendet – wurde ihm vom Gericht per einstweiliger Verfügung verboten. Dies ist eine klare Zensur für den von allen Raiffeisenmedien und Mainstreamblättern gehypten „Heilsbringer“ der reaktionären Konservativen, auch für seinen Berater Schüssel. Die Türkis_ÖVP verkündete vollmundig, man werde dagegen „juristisch vorgehen“. Nachdem aber sowohl Haselsteiner als auch der Verein, über den die Spenden angeblich an die SPÖ geflossen sein sollen, ihre Spenden veröffentlichten, wird dies ein sehr aussichtsloses Unterfangen werden. Die juristische Niederlage und damit eine „amtliche Bestätigung der Kurz-Lüge“ wäre wohl einzigartig für einen Bundeskanzler in Österreich!

4.a.) DER SKANDAL: Kurz fälscht OECD-Statistik!

Ja – es ist wohl ein Skandal ersten Ranges, den der Bundeskanzler-Kandidat Kurz auf seiner eigenen Website verursachte. Lunacek wies ihn auf seine – offensichtlich – gefälschte Grafik der OECD über die Ausgaben für Entwicklungshilfe im internationalen Vergleich hin.

– Fake-News der Marke „Trump“.

Nachdem Lunacek die manipulierte Darstellung der offiziellen OECD-Statistik Kurz nachwies, stellt sie fest (Min. 1:02): „Sie manipulieren hier die Darstellung…das ist Ihre Website…das ist eine Form einen Wahlkampf zu führen, der einem Fake News von Herrn Trump ziemlich ähnlich ist. Sie haben das weggeschnitten“ … (verkürzt zitiert).

Kurz:„Lassen Sie mich kurz dazu was sagen. Wir diskutieren fast täglich irgendetwas …jetzt waren wir vor ein paar Tagen bei Puls4 …ich hab dort gesagt wir lieben im europäischen Mittelfeld …“

Frau Reiterer, Moderatorin (Min:2:13): „Aber Herr Kurz … ist die Manipulation …die stimmt nicht?“

Kurz: „Ich kenn die Darstellung nicht einmal“…

Lunacek: „Das ist auf Ihrer Website“…

Kurz: „Ich kanns mit gerne anschauen, aber es zählt, was ich sag“.

– Kurz-Lüge: Österreich liegt im europäischen Spitzenfeld!

Lange Rede – kurzer Sinn:

– Auf der Homepage wurden 7 Länder, die alle weit vor Österreich bei den Entwicklungsausgaben liegen, einfach weggeschnitten.

– der Titel der Website: „Österreich liege im europäischen SPITZENFELD“ ist eine Lüge, die auf bewusste Manipulation der offiziellen OECD-Grafik zurückzuführen ist.

Die Grafik war unmitelbar nach der Sendung nicht mehr auf der Website von Kurz verfügbar.

 


4.b.) ORF – Faktencheck beweist Manipulation.

Nach den Debatten werden die Diskutanten analysiert und Fakten aus den Gesprächen verifiziert. Ich zitiere verkürzt:

– Min. 3:56: Frau Dittelbacher – ZiB2: „Manipulationen – Fake News das sind sehr schwere Vorwürfe – das schreit nach einem Faktencheck … was ist denn nun wahr“?

– Ulla Kramar-Schmid: „Das war tatsächlich ein schwerer Vorwurf von Frau Lunacek. Tatsächlich ist die Grafik auf der Internetseite von Sebastian Kurz „u n v o l l s t ä n d i g“ … jene Länder mit der höchsten Entwicklungshilfe … fehlen, wie man hier anhand des Originals der OECD sieht. (Anmerkung: die rot umrandeten Länder hat Minister Kurz einfach unter den Tisch fallen lassen. Die Vermutung, dass dies seiner „eigenen Performance“ als Wunderwuzzi widersprochen hätte, drängt sich ob der plumpen Manipulation offizieller Daten auf.)

Ahm … die Länder mit der höchsten Entwicklungshilfe sind Norwegen, Luxemburg, Schweden, Dänemark, Deutschland Grossbritannien und die Niederlande. Und die fehlen tatsächlich auf der Grafik von Sebastian Kurz … ahm … das Bild, das er auf seiner Homepage vermittelt ist jetzt tatsächlich ein falsches … ahm … er hat ja gesagt, er wird sich das jetzt noch anschauen. „

Kurz behauptete weiter … dass ER das bilaterale Budget der Entwicklungshilfeagentur verdoppelt hat“.

– Min 5:45 – Kramer-Schmid: „die Behauptung, dass die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit seit Sebastian Kurz Aussenminister ist, verdoppelt wurde, stimmt so laut UNI-Wien nicht … es wird nämlich nur das Basisbudget , dass das Aussenamt jedes Jahr der österreichischen Entwicklungshilfeagentur überweist, verdoppelt – und zwar verdoppelt bis 2021 … und den ersten Erhöhungsschritt gab es, wie uns die österreichische Entwicklungshilfeagentur kurz vor der Sendung in einem Mail mitgeteilt hat – den ersten Erhöhungsschritt gab es erst heuer. Sebastian Kurz ist seit 2013 Aussenminister … und die Behauptung… dass die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit seit er Aussenminister ist, gerade verdoppelt wurde … ist also … eher … nicht richtig“.

Dittelbachers Frage an Filzmeier (politischer Analyst), ob Kurz seiner Favoritenrolle gerecht wurde – antwortete dieser wie folgt

– Min. 6:54: „Nein, er konnte eher die Erwartungen nicht erfüllen … weniger, weil er offensichtlich – wie die Frau Kramer-Schmid gerade gut ausgeführt hat – bei Statistiken ein bisschen eine hohe Irrtumswahrscheinlichkeit hat … sondern weil dieses Erwartungsspiel nicht gewinnbar ist für ihn“… usw.

 

5.) Eklat nach dem ORF-Duell

Unmittelbar nach dem TV-Duell zwischen Kurz und Lunacek soll es im ORF-Zentrum zu lautstarken Auseinandersetzungen gekommen sein, berichtet die Kleine Zeitung in der Samstagausgabe.

„Mitarbeiter der grünen Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek trauten ihren Ohren nicht. Unmittelbar nach dem TV-Duell zwischen Lunacek und ÖVP-Chef Sebastian Kurz kam es im ORF-Zentrum zu einem Eklat, wie die Kleinen Zeitung bereits in der Samstagausgabe berichtet hat. Der Außenminister und sein Team beschwerten sich lautstark bei den ORF-Verantwortlichen über die Fragen von ORF-Redakteurin Claudia Reiterer, diese hätten eine grüne Schlagseite gehabt.

Stimmt nicht, heißt es in der Umgebung des Außenministers, man habe einfach inhaltliche Punkte diskutiert, jedem Journalisten sei es unbenommen, jene Fragen zu stellen, die ihm wichtig erscheinen. Andere Augen- und Ohrzeugen bestätigen allerdings die erste Version.

Lunacek und ihr Team seien von der Heftigkeit der Auseinandersetzung so überrascht gewesen, dass sie das Weite gesucht hätten. Ein erfahrener ORF-Redakteur, der zufällig das Geschehen beobachtete, dazu: „Das habe ich noch nie erlebt“.

Auch die Tiroler Tageszeitung schrieb darüber.

„Die heftige Fernsehkonfrontation zwischen Kurz und Lunacek auf dem Wiener Küniglberg hat ein Nachspiel. Es geht um die Themenauswahl. Über diese habe sich der ÖVP-Obmann sofort nach der Sendung bei der Redaktion beschwert, berichten Ohrenzeugen der TT. Hochrangige ORF-Mitarbeiter bestätigen das. Öffentlich wollen sie dazu allerdings nichts sagen“ … und… „die ÖVP wollte sich der TT gegenüber zu diesem kolportierten Vorfall nicht äußern.“

Die Nerven liegen ob der Lügen und Achterlwahrheiten, als auch einem Programm, das nur aus Kronenzeitungs-Überschriften besteht und keiner ernsthaften Prüfung standhält, total blank. Dass bei Kurz nun auch in den ersten Duellen der türkise Lack abfällt, war zu erwarten: dass dies aber so explosiv passiert, überrascht doch – ein bisserl halt…

6.) Kurier/diePresse: die „Propagandaorgeln“ laufen heiss!

Wie rasch mein die Lüge und Manipulation von Kurz auf seiner eigenen Homepage in der medialen Versenkung verschwinden lassen will, erstaunt nicht wirklich.

Da kommt der Abgang des SPÖ-Wahlbosses, Niedermühlbichler, wie eine nur alle 1000 Jahre herabfallende Sternschnuppe gerade zur rechten Zeit – sodass man aus allen Rohren auf Kern und seine SPÖ drauflosfeuert. Ein kleiner Auszug lädt zum Staunen ein…

a.) Kurier – Berichte zur SPÖ und Silberstein:

b.) diePresse – auch hier herrscht Hektik pur:

– – – – –

„Man achtet kleiner Hunde Murren nicht, doch großes Zittern, wenn der Löwe brüllt.“ (William Shakespeare)

– – – – –

F a z i t:

– 2 Wochen und im Endspurt der Wahl entpuppt sich der von allen Medien seit Jahren so hochgejubelte „Heilsbringer für eh olles“, Kurz, als Lügner, der auch vor der Manipulation internationaler Daten nicht zurückschreckt, nur um an die Macht zu gelangen;

– wie sehr die Nerven blank liegen, bestätigen die Berichte der Kleinen Zeitung und der Tiroler Tageszeitung, wo von Schreiduellen und Massregelungen der ORF-Journalistinnen berichtet wird;

– angesichts dieser Entwicklung stellt sich die Frage, wie sehr auch die Meinungsforschungen „gezinkt“ sind, denn dass alle Flops gerade bei einem Kandidaten, der weder über eine abgeschlossene Berusausbildung oder Studium, als auch nur über eine rudimentäre Erfahrung im „Leben da draussen“ verfügt, gar keine Spuren hinterlässt, ist ziemlich unwahrscheinlich;

– entscheidend aber ist der Tatbestand der Lüge und Manipulation, denn allen Österreicherinnen ist klar, dass man damit bei jeder Matura mit Bomben und Granaten durchrasselt! Wieso dieselben Massstäbe und Qualifikationskriterien der Ehrlichkeit und der Orientierung an den Fakten gerade für einen Bundeskanzler nicht gelten sollen … ist wohl niemandem mehr vermittelbar.

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