Der Mythos des Unternehmers seiner selbst

Die neoliberale Ideologie, die seit 1989 auf globaler Ebene ihre Vorherrschaft ausübt, ist unter anderem auf dem Mythos des Unternehmers seiner selbst gegründet. „Sei Unternehmer deiner selbst“ wiederholen immer wieder die abgenutzten neoliberalen Ideologien, und zwar mit dem schlecht verhohlenen Ziel, den Arbeiter mit der Illusion zu manipulieren, er sei auf der gleichen Ebene wie die Unternehmer und die Kapitalisten, oder sogar auch ihn zu überzeugen,…

…er selbst sei potenziell ein Unternehmer und ein sich entwickelnder Kapitalist.

Durch die Ideologien und die Täuschungen der Macht verschwindet der Herr/Knecht Konflikt, oder vielmehr dieser Konflikt an sich existiert noch, denn die Klassengesellschaft ist immer noch auf der Gegenüberstellung zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten gegründet, auf der Spannung zwischen dem Pol des Herrn und dem Pol des Knechts, doch für den Knecht verschwindet die Möglichkeit ein Selbstbewusstsein dieser Verhältnisse zu entwickeln. Der Knecht hört auf, sich als Knecht zu begreifen und ein Bewusstsein der Opposition zu erreichen, er fängt stattdessen im Gegenteil an, in einer Illusion gefangen, sich auch als Unternehmer seiner selbst zu verstehen.

Die neoliberale Rationalität, die von einer wichtigen kontemporären Studie als neue Weltvernunft definiert wurde, verdinglicht alles, indem sie es unter der Kalkulierenden und ökonomischen Ratio zusammenbringt, die zum sinnesgebenden Faktor wird, infolgedessen es keine menschlichen Subjekte mehr gibt, sondern nur noch Verbraucher, keine Herren und Knechte, sondern nur noch Unternehmer ihrer selbst.

Hiermit wird die ungleiche und konfliktvolle Beziehung zwischen Herrn und dem Knecht ideologisch verformt und in das Verhältnis zwischen zwei Unternehmern ihrer selbst verwandelt, die vom Ziele der Maximierung des Gewinns und von einer finanzorientierten Weltvorstellung verbunden sind.

Dies stellt also das Meisterwerk der Ideologie dar: Es geht um eine scheinbare und absolut ideologische Verneinung des Konfliktes, der eben dazu dient, die konfliktvolle Gegenüberstellung des Herrn und des Knechtes zu verbergen.

Der Knecht verneint sein eigenes oppositives Bewusstsein, indem er sich durch einer Selbsttäuschung überzeugt, ein Herr seiner selbst zu sein, mit der vorhersehbaren Folge, dass als Unternehmer deiner selbst du für Misserfolge, Fehlschläge und Unglücksfälle auf deinem Weg selbst verantwortlich bist und dass diese Misserfolge kein von der Ungerechtigkeit der Klassengesellschaft verursachtes Scheitern darstellen:  Es geht hier um deine mangelhafte Kapazität , Unternehmer deiner selbst zu sein.

In diesem Szenarium verwirklicht sich das Meisterwerk der Macht, das Meisterwerk der neoliberalen Logik, die die Seelen beherrscht und die Herzen verzehrt, indem sie durch eine listige Illusion die Überzeugung verbreitet, alle seien Unternehmer ihrer selbst, Knechte mit eingeschlossen, und dementsprechend Bestandteile eines scheinbar friedlichen Systems, in welchem alle um das Ziel des universellen Unternehmens kämpfen und in dem das Bewusstsein verschwindet wodurch der Knecht seine Gefangenschaft in einem konfliktreichen Netz begreift, eine Spannung die wir (siehe Hegel) weiterhin als Herr/Knecht Dialektik definieren werden.

Dies ist das Zeitalter der Vorherrschaft von Orwells Vorstellungen, die alle Beziehungen fälschen. Die Ausgebeuteten gibt es gar nicht mehr,  es gibt nur noch die Ausgeschlossenen – wenn man ausgebeutet wird, dann ist man einem Ausbeuter unterworfen, wenn man ausgeschlossen wird, dann ist man selber dran schuld; Klassenverhältnisse gibt es nicht mehr, es gibt nur noch allgemeine Ungleichheiten, deren Ursprung unklar bleibt, obwohl sie selbstverständlich die Folge einer Herr/Knecht Dynamik sind; doch den Herrn und den Knecht gibt es nicht mehr, es gibt nur noch kompetitive Atome, Unternehmer ihrer selbst, die mit einer identischen Weltvorstellung verbunden sind. Bist du der Unternehmer deiner selbst, dann ist derjenige der dir gegenübersteht, also der Herr, nicht mehr dein Feind, sondern es entsteht ein Paradoxon infolgedessen du mit dem Herrn Gemeinsamkeiten hast, darunter auch eine Weltvorstellung, die aus unternehmerischen Atomen zusammengesetzt ist.

Transkript: Werner Nosko


DIEGO FUSARO ist politischer Kommentator; Journalist; Gegner des Kapitalismus; Gegen das europäische Bankensystem und des globalisierten Einheitsdenkens Er widmet sich dem Studium der Philosophie aller Zeiten, vor allem Marx und Gramsci, um ein soziales Projekt zu verwirklichen, um folglich die Aufmerksamkeit der Politiker auf spezifische Programme zu lenken, wo die Priorität das erniedrigte Volk der Erde sein wird, sowie die Berücksichtigung der verschiedenen Kulturen und deren Ausdruck – möglicherweise, wo sie sich entwickelt haben.

Die weltweite Verbreitung, und Übersetzung seiner Botschaften ist ausdrücklich erwünscht.


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