Friede ? Das Nein der englisch-französischen Regierungsmänner

Briand und Lloyd George haben gesprochen, sie haben in schwulstigen Reden das Friedensangebot der Mittelmächte beantwortet. Mit Gift uns Geifer, mit Spott und Hohn sprachen sie ein kaltes Nein, die zum ehrlichen Frieden gereichte Hand wiesen sie roh zurück, die Friedenshoffnung der Völker und deren Weihnachtsglück schlugen sie unbarmherzig in Trümmer, der Krieg geht weiter.

 


 

Friede?

Das Nein der englisch-französischen Regierungsmänner. — Noch keine amtliche Antwort.­ – Eine amerikanische und schweizerische Friedensnote.

Frankreichs Ministerpräsident verhöhnt unsere Friedensnote als einen „Schrei der Schwäche“ und erblickt in ihr nichts weiter als die Ankündigung unseres Zusammenbruches und eine Bürgschaft des baldigen Vierverbandssieges, er bezeichnet sie schließlich als eine Herausforderung, auf die eben hei Verdun die verdiente Antwort gegeben wird. Das ist die Rede Briands und leider auch die Sprache Frankreichs, mit Wutgeheul und Spottworten wird dort auf Friede und Versöhnung erwidert.

Lloyd George rast womöglich noch toller, auch ihm ist unser Friedensvorschlag nur das Zwangsergebnis unserer militärischen und wirtschaftlichen Notlage, er will auf keinen Fall eine Vereinbarung, er fordert Genugtuung, als wäre er der Sieger und wir die völlig Niedergeworfenen. Und unter einer Flut von Schmähungen erläutert er, was er unter Genugtuung und Bürgschaften versteht: Vernichtung jeder deutschen Wehrfähigkeit und die muß erreicht werden, mag der Krieg noch so lange dauern.

Das ist der Reden tiefer Sinn, die von den ersten Regierungsmännern in Paris und London gehalten wurden. Die offizielle Antwort auf die Friedensnote der Mittelmächte steht noch aus. Nach dem Vorspiel der französisch-englischen Ministerreden kann über ihren Inhalt kaum mehr ein Zweifel bestehen, auch sie wird wahrscheinlich ein schroffes Nein sein. Allerdings ist jede Hoffnung aus Frieden noch nicht aufgegeben. Neutrale Blätter und Börsenleute lesen aus der Rede des englischen Ministerpräsidenten immer noch Friedensmöglichkeiten und meinen, der vorläufig etwas roh ausgesprochene Gedanke könne zu freundlicherer Form abgeschliffen werden und Verhandlungen seien trotz der ausgeprägten Kriegswillen bekundenden Rede Lloyd Georges nicht ausgeschlossen. Andere neigen freilich der Ansicht zu, daß der Vierverband mit starken Mitteln zur Fortführung des Krieges und zum entscheidenden Schlage im Frühjahre rüste.

Während unsere Feinde noch immer beraten, wie sie die Antwort auf unseren Fiedensantrag abfassen sollen, ist der amerikanische Präsident Wilson, wie er beteuert, ohne von den Mittelmächten angeregt worden zu sein, auf den Plan getreten, um die kriegführenden Mächte zu ermahnen, einen Gedankenaustausch über den Frieden unter sich anzubahnen. Auch diesen Schritt zu Gunsten des Friedens hat die Entente oder richtiger ihre Presse sehr ungnädig aufgenommen, die Mahnung zum Frieden wird geradezu als Beleidigung aufgefaßt, man verlangt sogar, sie ganz unbeantwortet zu lassen. Die Mittelmächte dagegen haben Wilson freundlich und entgegenkommend geantwortet und schlagen den Zusammentritt von Vertretern der kriegführenden Mächte an einem neutralen Orte vor. Desgleichen hat sich auch der Schweizer Bundesrat zur Förderung von Friedensverhandlungen erbötig gemacht. Nach den bisherigen Erfahrungen dürste da« Vierverbandsecho auch für die Schweiz gerade nicht besonders freundlich lauten.

Der Vierverband will also vom Frieden noch nichts wissen, oder höchstens von einem solchen, in dem der siegreiche Vierbund sich der geschlagenen Entente unterwirft. So komisch das klingt, so ernst scheint das den Herrschaften in Paris und London, in Petersburg und Rom zu sein. Sie wollen die Tatsache ihrer Niederlage nicht anerkennen, sie muß erst noch größer werden, bis sie daran glauben. Wenn sie nicht anders wollen, so wird es eben so kommen müssen; allerdings wird die Fortsetzung des Krieges nach Zurückweisung unseres Anbotes eines ehrenvollen Friedens sie und ihre Verbündeten hübsch etwas kosten, an Geld, an Gut und an Land. Dem Wollenden geschieht kein Unrecht!

Friede?

Fraktur

Transkript: Werner Nosko

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