Der Friedensvertrag von Versailles, der Keim für den Zweiten Weltkrieg

Als am 10. November 1918 der deutsche Kaiser Wilhelm in die Niederlande ins Exil flüchtete, war der „Erste Weltkrieg“ bereits verloren. 18 Tage später musste der Kaiser, unter Druck gesetzt, seine Abdankung erklären. Genau sechs Monate später wurde der 440 Artikel und 455 Seiten[1] umfassende Friedensvertrag am 28. Juni 1919 unterzeichnet. Ein Vertrag der den Keim für den „Zweiten Weltkrieg“ in sich trug.

 

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Kaum ein Lebensbereich scheint ausgelassen, was auf und für Deutschland restriktiv, beengend wirken musste. Dass sich dieses „Design“ des Vertrages propagandistisch in Deutschland als „Buch der Sieger“ vorzüglich instrumentalisieren ließ, liegt ganz auf der Hand.[2]

Es darf nicht verwundern das die erstgenannte Partei bei den Verhandlungen die Vereinigten Staaten von Amerika, vertreten von Präsident Woodrow Wilson warensowie das Britische Reich, Frankreich, Italien und Japan, die in dem gegenseitigen Vertrag als die alliierten Hauptmächte bezeichnet werden.

Man kann hier „nur“ auf wenige „wesentliche“ Punkte eingehen die zum einen Bereits aus dem WK II. bekannt sind.  Wie da wäre die „SCHULDFRAGE“!  So wird von Deutschland unter

Teil VIII. Wiedergutmachungen.
Abschnitt I. Allgemeine Bestimmungen.
Artikel 231.

folgendes verlangt:

„Die alliierten und assoziierten Regierungen erklären, und Deutschland erkennt an, dass Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Verluste und Schäden verantwortlich sind, die die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staatsangehörigen infolge des ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungenen Krieges erlitten haben.“

Zum andern wird In Artikel 235 wird Deutschland, vorerst zu Reparationszahlungen (Wiedergutmachung) mittels Gütern zum Beispiel in Gold, Waren, Schiffen, Wertpapieren oder anderswie im Gegenwert von

20.000.000.000 (20 Milliarden in Mark Gold)

in Raten 1919, 1920 und der ersten vier Monate von 1921, verdonnert.

Auch alle Kosten von Bekleidung bis zum Sold der alliierten und assoziierten Heere in den besetzten deutschen Gebieten von der Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrags vom 11. November 1918 an, trägt Deutschland (249)

Des Weiteren musste Deutschland zugunsten der alliierten und assoziierten Hauptmächte auf alle seine Rechte und Ansprüche bezüglich seiner überseeischen Besitzungen, verzichten.

Soweit so schlecht für die Deutschen aber es kommt noch schlimmer, denn Deutschland wurde auch an seinen Grenzen regelrecht filetiert. Folgende Gebiete Darunter auch die freie Stadt Danzig die über einen Korridor mit Deutschland verbunden war. Diese wird vor Kriegsausbruch des Zweiten Weltkriegs noch eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

Folgendes verlor Deutschland:

  • Elsass-Lothringen an Frankreich
  • Posen und Westpreußen an Polen
  • Memelland an Litauen
  • Hultschiner Ländchen an Tschechoslowakei
  • Eupen-Malmedy an Belgien
  • Nordschleswig an Dänemark
  • Danzig freie Stadt, Völkerbund (umzingelt von Polen)
  • Saargebiet, 15 Jahre unter Völkerbundverwaltung, frz. besetzt
  • alle Kolonien, Umwandlung in Mandatsgebiete verschiedener alliierter Staaten unter Völkerbundkontrolle
  • Rheinprovinz und Rheinpfalz fal­len unter alliierte Kontrolle

Gebietsverlust: 13 % – 72 068 km²
Bevölkerungsverlust: 10 % – 6,451 Mio.

Alle Gegenvorschläge von Deutschland die am 29.05. 1919 eingebracht wurden, wurden: ABGELEHNT.

Hier noch eine Bemerkung: Schaut man sich die Zeitfolge

28.09.1918 – Waffenstillstandsgesuch der deutschen Heeresleitung
11.11.1918 – Unterzeichnung des Waffenstillstandes
18.01.1919 – Eröffnung des Pariser Friedenskongresses
07.05.1919 – die deutsche Delegation erhält das fertige Vertragswerk
29.05.1919 – Deutsche Regierung bringt Gegenvorschläge
28.06.1919 – Vertragsunterzeichnung

an ist es mehr als unwahrscheinlich, dass ein derartiges Konvolut binnen fünfeinhalb Monaten unterschriftsreif sein kann, wenn nicht schon länger vorher Vorbereitungsarbeiten begannen. Dies ist allerdings reine Spekulation.

Deutsche Äußerungen zum Versailler Vertrag

Philipp Scheidemann (SPD, Reichskanzler) (Mai 1919)

„Wer kann als ehrlicher Mann – ich will gar nicht sagen als Deutscher – nur als ehrlicher, vertragstreuer Mann solche Bedingungen eingehen? Welche Hand müßte nicht verdorren, die sich und uns in diese Fesseln legt? (Lebhafter Beifall) Und dabei sollen wir die Hände regen, sollen arbeiten, die Sklavenschichten für das internationale Kapital, Frondienste für die ganze Welt leisten? Den Handel im Ausland, die einstige Quelle unseres Wohlstandes, zerschlägt man und macht man uns unmöglich.“

Graf Borckdorff-Rantzau (Außenminister) (Mai 1919):

„Ein ganzes Volk soll seine eigene Ächtung, ja sein Todesurteil unterschreiben.“

 

 

Von dem Borne (General der Infanterie) (Juni

„Die Unterzeichnung des Friedensvertrages hat eine ungeheure Entrüstung in der Armee hervorgerufen. Das Offizierskorps empfindet besonders das Eingehen auf die Schmachparagraphen als bitterste Ehrenkränkung […] Das Vertrauen in eine Regierung, die der Armee und dem Volke eine derartige Schmach angetan hat, hat das Offizierskorps[…] verloren.“

 

[1] Buchausgabe vom Auswärtigen Amt 1919
[2] März, Peter: Der Erste Weltkrieg, Studien zu Politik und Geschichte, München 2004, S. 255

Der Friedensvertrag von Versailles (30 MB)

10 Jahre Versailles – Band 1/3

„Dieser Vertrag ist unannehmbar!“Von Philipp Scheidemann
Deutsches Dokumenarchiv – Vetrag von Versailles
Der traurige Kaiser Wilhelm II im Exil


Hier veröffentlichen wir in chronologischer Reihenfolge Dokumente (Originalfaksimile) und Übersetzungen die mittelbar oder unmittelbar zum Zweiten Weltkrieg führten. So weit als möglich werden wir diese nicht kommentieren. Es soll sich der Leser selbst seine Meinung bilden. Im Verlauf dieser Serie veröffentlichen  wir damals „Geheime“ und „Streng Geheime“ „Beutedokumente“ online.


 

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