Der „menschengemachte Klimawandel“ bereits 1892 – 1928? – TEIL 2

TEIL 2 – Seit Menschengedenken hat eine so große Hitze, wie sie heuer schon seit circa 14 Tagen herrscht, noch nicht stattgefunden. Von allen Ländern werden Todesfälle in großer Zahl gemeldet, hat ja doch das Thermometer in den letzten Tagen 35—40 Grad Celsius erreicht, in Sevilla in Spanien gar 44.


Die Hitze

Neue Warte am Inn – 27. August 1892 – Seite 2

Das italienische 36. Infanterie Regiment wurde auf dem Marsche von Venedig nach Monselice durch die Hitze furchtbar mitgenommen. Unweit Dolo war kein Halten mehr; ganze Colonnen lösten sich auf, da die Soldaten umfielen wie Fliegen. Nach der „Gazette die Venezia“ blieben mehr als 100 Soldaten auf dem Wege liegen, etwa 20 Soldaten wurden mit Sonnenstich in das Spital von Dolo aufgenommen.

Aus dem Venetianischen liegen ebensolche Nachrichten über Unglücksfälle bei den Truppen infolge der Hitze vor. Ein Theil des 36. Regiments wurde bei Padua arg mitgenommen; von 400 Mann kamen, wie der Corriere della Sera meldet, kaum 150 Mann an. Die anderen waren auf dem Wege liegen geblieben und mußten mit Wagen abgeholt werden. Bei Novara fielen 70 Soldaten der 51. Regiment- um, 30 erlitten Hitzschläge, darunter mehrere Offiziere, ein Hauptmann und ein Arzt.

In Mailand wurden 20 Soldaten nach anstrengendem Marsche vom Sonnenstich befallen, drei davon befinden sich in Lebensgefahr. In Chiari erschoß sich ein Corporal, der durch die Hitze plötzlich sinnlos geworden war.

Aus Tours (Frankreich) wird gemeldet, daß während der Manöver fünf Soldaten vom Sonnenstich befallen und mehrere andere krank nach der Kaserne geschafft wurden In Laon mußten die Manöver der Hitze wegen abgebrochen werden; die Soldaten rücken in Nachtmärschen in ihre Garnisonen wieder ein.

Infolge des Ergebnisses der Untersuchung über die Fälle von Sonnenstich während der Manöver sollen zwei Brigade -Generäle in Disponibilität, ein Oberst in den nichtaktiven Stand versetzt und den Armeekorps-Kommandanten ein schriftlicher Tadel ertheilt werden.

Unter Reserve bringt der „Mattino“ eine ihm aus Adelsberg zukommende Nachricht, wonach unter den im Karstgebiete bei Senosek manövrierenden Truppen in den letzten Tagen etwa 200 Fälle von Sonnenstich vorgekommen sein sollen. Samstag seien sechs, Freitag fünf Soldaten an Sonnenstich gestorben. — Auch in Trieft herrscht seit einigen Tagen tropische Hitze bei 34 Grad im Schatten. Das Meerwasser hat die seltene Temperatur von 22 ‘/2 Grad Reaumur erreicht. Aus Italien, namentlich aus Venedig, Mailand, Turin, Rom und Florenz, liegen Klagen über die exzessive Hitze vor. Die Temperatur bewegt sich zwischen 33 und 36 Grad Celsius. Ueberall herrscht absolute Windstille.

Aus Deutschland wird berichtet: Kaiser Wilhelm ließ dem Berliner-Magistrat ersuchen, wegen der großen Hitze bis auf weiteres den Nachmittags-Schulunterricht auszusetzen. Der Magistrat hat in diesem Sinne beschlossen. — Die kgl. Munitions-Fabrik in Span bau hat wegen der Hitze den Betrieb eingestellt. Hier herrscht eine fast unerträgliche Hitze. Nachmittags 5 Uhr zeigte das Thermometer zweiunddreißig Grad Celsius im Schatten. Das in Halle einquartierte 93. Infanterie-Regiment hat auf dem Marsche von der Hitze furchtbar gelitten. Ein hier wohnender Reservist, von Profession Brauer, stürzte in Folge von Hitzschlag todt zu Boden. Gegen 40 Soldaten fielen um, erholten sich aber größtentheils wieder.

In Wien wurde am 23. August Nachmittags in der Rembrandtstraße ein Mann, anscheinend ein Arbeiter, infolge Hitzschlages ohnmächtig. Man trug ihn in das Kinderspital in der Augartenstraße und rief die Rettungsgesellschaft. Nach Verlauf von einer Stunde war der Mann, dessen Identität noch nicht festgestellt ist, todt. – Der Taglöhner Franz Borde wurde in einem Magazine der Unionbank auf dem Prater=Quai in Folge der großen Hitze von Krämpfen befallen und stürzte bewußtlos zusammen. Borde wurde in das Spital der barmherzigen Brüder gebracht und ist dort nach kurzer Zeit gestorben. – Der Straßenkehrer Josef Leitner  welcher gestern vom Sonnenstich getroffen wurde, ist heute gestorben, ohne das Bewußtsein erlangt zu haben. Die tropische Hitze dauert an.

Wegen der furchtbaren Hitze wurden die Uebungen der Wiener Garnison eingestellt. — Ebenso befahl der Kaiser die Einstellung der Schlußmanöver des 10. u. 11. Corps in Galizien. Das Programm der Kaiserreise nach Lemberg bleibt unverändert. Das Lemberger Corpskommando sagte der Hitze halber auch die Divisionsmanöver ab. Es finden nur noch Uebungen kleinerer Abtheilungen längstens bis 11 Uhr vormittags statt.

Aus Ungarn wird gemeldet. Vom 24. Jnfanterie- Regimente stürzten während des Marsches 250 Mann infolge der Hitze zu Boden. Drei davon sind todt. Auch die Divisionsmanöver in Ried in Oberösterreich wurden wegen der herrschenden großen Hitze abgebrochen.

Das „Fremdenblatt“ hebt anläßlich der Einstellung der galizischen Manöver, welche der Kaiser mit Rücksicht auf die Cholera in Rußland, trotzdem der Gesundheitszustand in Galizien befriedigend sei, aus sanitären Rücksichten anordnete, hervor, die neuerlich bewährte, von den Völkern dankbar bewunderte Selbstlosigkeit und Großherzigkeit des Monarchen, welcher die Soldaten den Strapazen enthebend, selbst aber das Programm der Reise in Galizien unverändert aufrecht hält, um die freudige Erwartung der Bevölkerung nicht zu täuschen.

Hitzewellen – TEIL 2

Zum Teil 1

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