EU-Bankrun: „Das Geld gehört Dir, aber ich geb es Dir nicht“

Wie oft erwähnt, verstehen nur ca. 10-20% unser Geldsystem, wobei ich der festen Überzeugung bin, dass von den 183 Abgeordneten zum Nationalrat 184 … nicht imstande sind, es den 8.2 Mio Österreichern zu erklären. Beim Begriff „Bankrun“ schwappt die Unkenntnis sogar bei Lexika nach oben: sehr seltsam.

 

Laut Gablers Wirtschaftslexikon ist darunter „ein Ansturm der Einleger auf die Kassen einer Bank“ zu verstehen…“um bei wirklichen oder vermeintlichen Zahlungsschwierigkeiten der Bank die Guthaben abzuziehen“.

Nun – halbrichtig/-falsch ist auch daneben, denn:

  •  es ist k e i n Bankrun, wenn Kunden einer Bank ihre Guthaben „abziehen“, indem sie dieses auf eine andere Bank überweisen z.B.und aus diesem Grund gibt es keine Menschenschlangen vor einer Bank;
  •  THE WAR ON CASH – also die Mächtigen, die ein Bargeldverbot den Menschen diktieren wollen – würde als letzte Konsequenz gerade jeden Bankrun obsolet machen!
  •  Von einem Bankrun spricht man dann, wenn Kunden das Vertrauen in unser 100%iges Schuldgeldsystem verloren haben … sie deshalb zu ihrer Bank pilgern … und ihr Vermögen in Bargeld abheben wollen … aber die Banken nicht soviel an Cash physisch vorrätig haben.

Die Banken sind also nicht imstande, ihren Kunden deren angespartes Vermögen mit dem einzig gesetzlichen Zahlungsmittel – BARGELD – auszuzahlen!

Droht Griechenland ein Bankrun?

fragte das Handelsblatt im Juni 2015, am Höhepunkt der Krise der EU mit der neuen Regierung Tsipras. Korrekt beschreiben sie vorerst, dass die Griechen – noch – über Bankomaten Euroscheine ziehen können und das bereits Mrd. Euro – die Reichen! – längst ins Ausland geschafft haben. Weiters ist korrekt, dass aufgrund der unsicheren Lage, viele Kunden versuchen werden, ihre Konten „leer zu räumen“.

Nicht den Fakten entspricht aber die spekulative Behauptung, dass „die Banken ausbluten würden … und sie den Firmen kein Geld mehr leihen könnten“ – und daher die Wirtschaft zusammenbrechen würde.

Korrektur: die Banken bluten nicht aus, sie haben nur ihre Pflicht, immer genug Bargeld vorzuhalten, nicht eingehalten. Die Wirtschaft bricht aber deshalb nicht zusammen, weil

  1. 97% des Geldes, das in der Wirtschaft zirkuliert, aus Buchgeld – und nicht aus BARGELD – besteht und
  2. es daher mit einer Kreditvergabe an Unternehmen und einem herbeifantasierten Einbruch der Wirtschaft nichts zu tun hat, denn Banken geben Kredite ja kaum in Bargeld – sondern dann, wenn sie einen kreditwürdigen Kunden gefunden haben indem sie das Geld aus dem Nichts erfinden (Buchgeldschöpfung), d.h.einfach die Kreditsumme in ihren Computer eingeben. Und schon wurde das Geld erschaffen, das zuvor nicht als Vermögen in den Büchern der privaten Banken existierte!

Was sind Kapitalsverkehrskontrollen?

Damit ließen sich alle Auslandsüberweisungen kontrollieren und sogar verhindern – nur: dies widerspricht diametral einer der vier Freiheiten der EU: dem freien Kapitalverkehr!

Dies hätte die griechische Regierung – gemäß dem Artikel 65 des Lissabonvertrages, der dies für den Fall, dass die öffentliche Sicherheit in Gefahr ist, erlaubt – auch tun können. Aber, Tsipras tat dies nicht, wobei (wie wir alle auch schon damals wußten) die reichen Milliardärsfamilien schon lange bevor Syrizia an die Macht kam, ihr Geld ins Ausland transferierten. Kapitalsverkehrskontrollen sind eben nur dann wirksam, wenn sie quasi über Nacht eingeführt werden und auch die großen Milliarden – Beträge treffen.

Auch – und hier irrt das Handelsblatt wiederum – hat dies nichts mit einem Bankrun zu tun, weil wohl kaum Mrd.Beträge an BARGELD ins Ausland transportiert werden.

Was plant die EU also?

Wie Reuters am 28. Juli berichtete, plant die EU, dass pleitegefährdete Banken dadurch gerettet werden sollen, indem man die Bankkonten „einfriert“ – d.h. Abhebungen in Bargeld verbietet – damit es zu keinen Bankruns mehr kommt!

Damit Banken, deren Bankrott droht und wo auch das Geld der kleinen Sparer sohin „futsch“ wäre, noch mit Notmassnahmen am Leben erhalten werden, diskutieren einige Repräsentanten der EU (Anmerkung: das kann wohl nur im ECOFIN, dem Gremium der Finanzminister, stattfinden) seit Jahresbeginn, in einem solchen Fall einen mehrtägigen Auszahlungsstopp zu veranlassen.

Vorerst denkt man an eine Woche – aber wenn es „aussergewöhnliche Umstände“ erfordern, könnte dies bis auf 20 Tage, also einem normalen Monat (!), ausgedehnt werden, schreibt REUTERS mit Bezug auf einen Brief der estnischen Regierung?!

Die deutsche Bundesregierung würde einen solchen Schritt „begrüßen“, heisst es weiters. Schon bei der verheerenden Austerity-Politik – die ganz Südeuropa auf ein Wirtschaftsniveau vor ca. 30 Jahren und mehr zurckbombte – war Schäuble an vorderster Front mit seinen fatalen Entscheidungen dabei. Es wundert daher nicht, dass Deutschland federführend die Stossrichtung bestimmt, gleichwohl der Finanzminister „zu Hause“ stets betont, dass er gegen die Einschränkung des Bargeldes sei“.

Kurz erinnert:

  1.  Bankruns gab es zuletzt in Spanien im Zuge der Abwicklung der Banco Popular und auch
  2.  in Griechenland sowie Zypern wurde die Bargeldabhebung mehrmals über Nacht drastisch eingeschränkt. Den Menschen wurde einfach so…, ihr Zugang zu ihrem Vermögen verwehrt: das kommt sonst nur in Diktaturen vor !
  3. Northern Rock: Lange Schlangen, abstürzende Kurse

Im September 2007 bildeten sich lange Schlangen vor der britischen Bank Northern Rock. In kürzester Zeit wurden 3 Mrd Euro an Einlagen behoben, weil die Kunden berechtigterweise um ihre Ersparnisse fürchteten. Appelle der Finanzaufsicht halfen nichts.

Der britische Premierminister Gordon Brown versuchte zu beruhigen (er hatte wohl kein Geld dort deponiert?) und auch der Finanzminister, Alistair Darling, sagte …„die Kunden müssten sich keine Sorgen um ihr Geld machen“.

Die Gründe mögen viele Väter haben, aber ein Bericht von The Economist bringt es auf den Punkt: „To say that nobody could have envisaged what happened doesn’t wash at all.”

Northern Rock – die Manager hatten sich bei den Subprimes verspekuliert, sodass zuerst die Bank of England mit Zuschüssen aushalf – wurde am 22. Februar 2008 vom Staat übernommen.

Der Bankrun allerdings war der sehr berechtigten Angst der kleinen Sparer geschuldet, die eben sofort und in BAR ihre kleinen Vermögen abhoben. Die Verluste kamen nicht durch die kleinen Sparer – sondern durch die Gier und die Unfähigkeit des Managements zustande!

Zurück zur EU:

Obwohl noch keine Einigkeit herrscht, zitiert Reuters eine namentlich nicht genannte Quelle aus dem Umfeld der Bundesregierung: „Der Wunsch besteht darin, einen Bank-Run zu verhindern, damit eine Bank, die sich in einer kritischen Phase befindet, nicht zusammenbricht.

Derzeit obliegt der estnischen Regierung die Ratspräsidentschaft und sie sieht „Auszahlungsblockaden als eine machbare Option“, wobei man den Bürgern die Möglichkeit „zumindest einen Minimalbetrag“ abheben zu können, geben solle.

Die derzeitigen EU-weiten Regelungen sehen Auszahlungsstopps für bis zu 2 Tage vor – sie betreffen allerdings nicht Spar- und Girokonten, sondern nur andere Formen von Konten und Auszahlungen.

Bankenvertreter jedoch befürchten, dass die Einführung von Auszahlungsstopps einen Bankrun nur beschleunigen würden, weil Bankkunden – wen wunderts? – schon bei den kleinsten Anzeichen von „Banken in Schieflage“ ihr Geld sofort abheben. „Wir glauben fest daran, dass dies dazu führen würde, dass Kunden schon sehr früh den Banken mit ihrem Geld den Rücken kehren werden“, sagt Charlie Bannister von der Lobbygruppe Association for Financial Markets in Europe.

Teile die andere Seite der Medaille:
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Verwandte Beiträge

Hinterlasse einen Kommentar