Jeder zweite Deutsche vertraut den Nachrichten! Wirklich?

Wenn Begriffe wie „Fake News“ und „Lügenpresse“ die Runde machen, entsteht schnell der Eindruck: Die meisten Menschen in Deutschland glauben nicht mehr, was Journalisten berichten, und verzichten deshalb ganz darauf, Nachrichten zu hören oder zu lesen. Aber so ist es nicht, zeigt die Studie „Reuters Institute Digital News Survey 2017″. Hierzulande ist das Interesse am Weltgeschehen demnach höher als in vielen anderen Ländern und das Vertrauen in eine korrekte Berichterstattung auch.

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Jeder Zweite in Deutschland vertraut der Studie zufolge Nachrichten „eher“ oder „voll und ganz“. Damit ist die Glaubwürdigkeit der Medien im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken – um zwei Prozentpunkte. Jeder Fünfte sagt explizit, dass man den Nachrichten nicht vertrauen könne, heißt es in einer Teilstudie für Deutschland, die das Hans-Bredow-Institut am Donnerstag vorstellte.

Aus Sicht der Autoren ist das eher ein beruhigendes Ergebnis: „Ich würde mir mehr Sorgen machen, wenn 100 Prozent sagten, sie vertrauen all den Sachen, die sie innerhalb des gesamten Medienspektrums zu hören bekommen“, meinte Sascha Hölig vom Bredow-Institut.

Deutschland liegt mit 50 Prozent bei der Vertrauensfrage auf Platz 7 der 36 untersuchten Länder. In den USA halten insgesamt 38 Prozent der Befragten die Nachrichten für glaubwürdig. Am geringsten ist das Vertrauen in Südkorea und Griechenland mit 23, am höchsten in Finnland mit 62 Prozent.

Für die Studie erhob das Reuters Institute for the Study of Journalism Daten in 36 Ländern. Befragt wurden 71.805 Erwachsene mit Internetzugang, darunter 2062 Menschen in Deutschland. Dabei ging es um verschiedene Aspekte zur Nutzung von Nachrichten. Die Ergebnisse:

  • In Deutschland ist das Interesse an Nachrichten überdurchschnittlich hoch.

Von den Erwachsenen in Deutschland mit Internetzugang lesen, hören und sehen 94 Prozent „mindestens mehrmals“ in der Woche Nachrichten, 87 Prozent sogar täglich. 70 Prozent der Befragten gaben demnach an, „äußerst“ oder „sehr“ an Nachrichten interessiert zu sein.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland mit diesen Werten auf Platz 9 der 36 Länder, in denen die Daten erhoben wurden. Die Werte bewegen sich damit etwa auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr. Bei den 18- bis 24-Jährigen und den 45- bis 54-Jährigen sei der Anteil derjenigen, die „mindestens mehrmals“ in der Woche Nachrichten verfolgen, sogar jeweils um einen Prozentpunkt gestiegen.

  • Es gibt jedoch auch eine gewisse Nachrichtenmüdigkeit.

Fast jeder Zweite der Befragten in Deutschland meidet Nachrichten manchmal bewusst, jeder Zwanzigste macht das häufig. Hauptbegründung: Sorge, dass sich die Inhalte negativ auf ihre Stimmung auswirken, dass zum Beispiel brutale Bilder traurig machen könnten. In anderen Ländern ist die Nachrichtenverdrossenheit Hölig zufolge stärker ausgeprägt.

  • Hauptnachrichtenquelle bleibt für die große Mehrheit das Fernsehen.

77 Prozent der befragten Internetnutzer gaben an, mindestens einmal pro Woche Nachrichten im Fernsehen zu verfolgen. Mehr als die Hälfte der Befragten nannte das Fernsehen als Hauptnachrichtenquelle, bei den 18- bis 24-Jährigen waren es 33 Prozent – deutlich mehr als im Jahr davor mit 24 Prozent.

Im internationalen Vergleich gehört Deutschland zu den Ländern, deren Nutzer im Nachrichtenkontext am stärksten auf das Fernsehen setzen, heißt es in der Studie. Mit 52 Prozent der Befragten, für die das Fernsehen ihre wichtigste Nachrichtenquelle ist, befindet sich Deutschland auf Rang vier.

Das Internet dagegen nutzen 60 Prozent der befragten Onliner mindestens einmal in der Woche, um sich übers Weltgeschehen zu informieren. 28 Prozent gaben an, es sei ihre wichtigste Nachrichtenquelle. Auffällig dabei: In keinem anderen der 36 untersuchten Länder sind diese Werte so niedrig.

„Wir haben in Deutschland vergleichsweise wenige Probleme mit Einschränkungen der Pressefreiheit, der Unabhängigkeit, Zensur“, sagt Hölig. „Es gibt deshalb gar nicht so sehr das Bedürfnis, nach alternativen Quellen zu suchen wie in anderen Ländern.“

  • Fast niemand verlässt sich bei Nachrichten nur auf soziale Medien.

Bei den 18- bis 24-Jährigen in Deutschland nutzt fast jeder Vierte Blogs und soziale Medien als Hauptquelle für Nachrichten. Insgesamt verlässt sich allerdings fast niemand ausschließlich auf soziale Medien für Nachrichten. Nur 2,8 Prozent der 18- bis 24-Jährigen nutzen sie als einzige Nachrichtenquelle, insgesamt sind es nur 1,6 Prozent. Als wichtigste Ressource für nachrichtenbezogene Informationen werden sie von lediglich 7 Prozent beurteilt.

„Man darf die Nutzer nicht unterschätzen“, findet Hölig. „Sie bekommen mit, dass zahlreiche Akteure mit interessengeleiteten oder schlecht recherchierten Informationen aufwarten. Deswegen halten sich die Nutzer eher an journalistische Angebote, auch wenn da nicht immer alles perfekt ist.“

  • Nur eine Minderheit teilt und kommentiert Nachrichten im Netz.

Außerdem würden nur zehn Prozent der Nutzer von sozialen Medien Nachrichten teilen und nur acht Prozent der Nutzer diese kommentieren. „Es ist ein verbreitetes Zerrbild, dass die Menschen alles diskutieren und teilen möchten. Das Interesse daran besteht gar nicht“, sagt der Experte. „Man sollte nicht unterschätzen, wie viele die klassische Lean-Back-Situation vor dem Fernseher vorziehen, wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen.“


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Update: 24.06.2017 23:30 – Fake-News-Vorwurf im Netz Wirbel um CNN-Dreh in London
Sehr gute Analyse auf Youtube: CNN + ARD Fake: London Moslem Anti Terror Demo

Quelle: Der Spiegel, Reuters
http://faktenfinder.tagesschau.de/ausland/london-389.html

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