Klimaschutz mit zweierlei Maß

Der Aufschrei war groß als sich jetzt der amerikanische Präsident Trump vom Pariser Klimaabkommen verabschiedete. Der ORF hat in diesem Jahr den Themenschwerpunkt „Mutter Erde“ wo in diversen Sendungen u.a. auch die Probleme und Ursachen des Klimawandels angesprochen werden.  Auch sonst wird überall darüber diskutiert und es werden Maßnahmen getroffen bzw. beschlossen um die Erderwärmung zu stoppen.

Gut und schön, nur werden da einige Punkte überhaupt nicht angesprochen. Da wäre erstens der rasant wachsende Flugverkehr und zweitens,  wovon überhaupt keiner spricht, dass ist der Schiffsverkehr.  Dass diese beiden erheblich zur Umweltverschmutzung beitragen,  hört man selten bis fast gar nicht. Macht man sich nur ein bisschen schlau, dann findet man im Netz genügend Material und Studien, die diese gravierenden Probleme ansprechen.

Da wäre erstens der Tourismus

Ein Flug in den Urlaub nach Teneriffa ist genauso schädlich, wie ein ganzes Jahr lang Auto zu fahren.

Laut dem Paper „The Future of Tourism“ aus dem Jahr 2010 verursacht die Tourismusbranche ungefähr 5% der weltweiten Treibhausgase. Darunter fallen Flüge (ca. 40%), Autos (ca. 32%), Unterkünfte (21%) und Aktivitäten (ca. 4%).  Durch die stärkeren Auswirkungen von Kohlendioxid in großer Höhe wird davon ausgegangen, dass Flüge realistisch gesehen eher für 75% des gesamten Treibhauseffektes durch Tourismus verantwortlich sind.  Durch den angenommenen jährlichen Zuwachs des Luftverkehrs um ca. 5% kann selbst ein Anstieg der Treibstoffeffizienz von 2% pro Jahr den Treibhauseffekt nicht vermindern. Bis zum Jahr 2050 wird damit gerechnet, dass die Tourismusbranche für 40% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist. Ein Treiber dafür sind vor allem die zunehmenden Langstreckenflüge.  Sieht man sich live das „Flight Radar“ an, dann weiß man,  wovon hier gesprochen wird. Da wimmelt es nur so von Flugzeugen.

Schiffe sind mit die größten Klimasünder

Auch dazu findet man viel im Netz. Durch die Globalisierung und das immer wieder gewünschte weitere Wirtschaftswachstum, werden immer mehr Güter auf Schiffen transportiert.

Nahezu 90 Prozent des globalen Güter- und Warentransports läuft über Seewege.

Der Bedarf an zusätzlichen Containerschiffen und Tankern ist groß. Die durch sie ausgestoßenen umweltschädlichen Treibhausgase werden im Jahr 2020 voraussichtlich mehr als zweimal so hoch sein, wie gedacht. Ursprünglich Berechnungen aus dem Jahr 2001 gingen von einer CO2-Belastung von etwa 600 Millionen Tonnen pro Jahr aus. Durch den starken Zuwachs der letzten Jahre ist die Verkehrsbelastung um mehr als 4,5 Prozent gewachsen. Mittlerweile gehen Experten von einer Treibhausgas-Emission von mehr als eine Milliarde Tonnen pro Jahr aus, wie aus einem internen Bericht des Internationalen Verbands unabhängiger Tankereigner (Intertanko) hervorgeht.“ Dieses Zitat stammt aus einem Bericht der Zeitung Welt aus dem Jahr 2007.

In einem aktuellen Bericht der ARD, hier wird nur auf Kreuzfahrtschiffe eingegangen,  heißt es dazu

Die beliebten Kreuzfahrtschiffe haben einen immensen Schadstoffausstoß, aufgrund der verwendeten Kraftstoffe.

– Passagiere und Personal auf Schiffen sind einer großen Mengen von ultrafeinen Russpartikeln ausgesetzt, die krebserregend sein können.
– Grenzwerte, wie es sie für Autofahrer gibt, sind für die Schifffahrt nicht geplant.

Auch die Experten des Naturschutzbundes NABU schreiben hierzu

Luftverschmutzung durch Schiffe:  NABU-Hintergrundpapiere verdeutlichten Umwelt- und Gesundheitsbelastung durch Schifffahrt.
Die Schifffahrt ist einer der Hauptverursacher von Luftverschmutzung in Europa. Ohne Gegenmaßnahmen werden die klima- und gesundheitsschädlichen Abgase von Kreuzfahrt- und Frachtschiffen im Jahr 2020 die Emissionen aller anderen Quellen in der EU übertreffen.

Weiters sprechen sie  auch die zunehmende Zahl der Schiffe an, die in der Arktis unterwegs sind und eine zunehmende Gefahr für das dortige Ökosystem darstellen.  Es entstehen bei der Verbrennung in den riesigen Schiffsmotoren neben dem Treibhausgas CO2 gigantische Mengen an umwelt- und gesundheitsschädlichen Luftschadstoffen wie Schwefeloxide (SOx), Stickoxide (NOx), Feinstaub und Ruß. Die schwarzen Rußpartikel wirken dabei auch noch als Verstärker des Schmelzprozesses. Sie lagern sich auf der weißen Eisoberfläche ab, vermindern dadurch die Reflexion von Sonnenlicht und erhöhen gleichzeitig die Absorbtion der Sonnenenergie.

Jetzt stellt sich für mich die Frage, wie ernst meinen es die Unterzeichner des Klimaschutzabkommens wirklich? Wenn einerseits solche massiv Umwelt schädigenden Ursachen fast tot geschwiegen werden und andererseits eine Menge Freihandelsabkommen verhandelt werden. Neben CETA mit Kanada und TTIP mit Amerika, dass nun doch eventuell wieder neu verhandelt werden könnte, werden  aktuell von der EU  weitere 20 Freihandelsabkommen verhandelt.  Wir transportieren also lustig weiterhin Waren rund um den Globus genau mit jenen  o.a. geführten Klima schädigenden Transportmitteln und dass obwohl wir vieles selbst herstellen bzw. aus nicht so weit entfernten, benachbarten Ländern beziehen könnten.  Auch der Tourismus muss boomen und daher werden weiterhin unzählige Flüge in die Urlaubsdestinationen stattfinden und wie man letztens immer wieder hörte, werden  auch die Kreuzfahrten immer beliebter.

Es wird also beim Klimaschutz mit zweierlei Maß gemessen und darüber sollte jeder einmal gründlich nachdenken!

„PS: dieser Kommentar wurde am 3.6. auch an die Kronenzeitung als Lesermeinung geschickt, wurde jedoch bis heute nicht abgedruckt. Warum auch immer!“

http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/schadstoffe-kreuzfahrschiffe-100.html

https://www.welt.de/wissenschaft/article1256471/Schiffe-sind-mit-die-groessten-Klimasuender.html

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/verkehr/schifffahrt/

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/verkehr/luftverkehr/kerosinsteuer.html 

 

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