Am Anfang war das Matriarchat!

Sagen die Patriarchen mit Genugtuung, als wär’s eine Entschuldigung.

In einigen der sozialanthropologischen Expertisen kann man es lesen, dass die Frauen am Beginn der Sesshaftigkeit das Ruder schwangen. Wie sie das natürlich im Nachhinein feststellen können, tja, keine Ahnung! Es existieren ja heute nach paar Überbleibsel da und dort, wenn man sich „googlet“, also schlau machen möchte.

Aber auch die Hopi (spirituelles Zentrum der Indigenen) sprechen davon, dass sie das Matriarchat, die weibliche Machthierarchie, schon lange hinter sich gelassen haben. Und was war davor? Das Paradies vielleicht? Welcher Trottel war das jetzt, wegen dem alle aus Eden rausflogen? Was auch immer da Wahres oder Fabelhaftes dran sein mag. Böse Zungen behaupten, dass das „Wifedom“ – gut: „Das Reich der Weiber“ – auch die Zeit war, wo die Männer noch kein Rückgrat hatten, also kaum verteidigungsfähige Mollusken; die Evolution war offensichtlich bei ihnen noch nicht angekommen… in diese, meine Herren, nämlich die unsrige Entwicklungsstufe, die Phase des Stillstandes, blicken wir:

Am Anfang, als dieses Wort noch keinerlei Bedeutung hatte, weil man nicht die Muße hatte, darüber nachzugrübeln; weil jeder Morgen ein Anfang und ein erlebter Tag noch ein guter war; an jenem Anfang regierte das Weibsgeschlecht. Und da war alles noch idyllisch, sagt man, wenn man kein Mann ist. Nett, adrett, harmonisch, friedlich und alle waren so furchtbar lieb zueinander. Bitte, lasst uns dieses Bild mit aller Beharrlichkeit bewahren. Wir haben doch sonst nix anderes an Schönem, an das wir uns halten können,…

…denn dann kam die Zeit des Neides, des Konkurrenzkampfes! Die alles, bis in die Gegenwart überschattende Zeit der Keulen und der sinnlosen Schlachten, der noch sinnloseren Hexenmassaker, der Sklaventreiberei, die haufenweise Menschen in den Tod trieb und weite Landstriche entvölkerte, dazwischen mal ordentlich Pest und Cholera, in weiterer Folge noch größerer Abschlachten, denn die unsauberen wie sauberen Kriege wurden endlich möglich, weil unser famoser Erfindungsgeist bombastische Massenvernichtungswaffen schuf, auch immer mehr Elend, ethnische Auslöschungen, die Ausmerzung wurde populär, Börsenkrachereien und Silvesterpfade, atomare, nachhaltige Einschüchterungen, Massenhungertode und Herzstillstände durch Überfressen, der Tod marschiert geschäftig durch Aids und Diabetes, Depressionen durch Luxusverlust, Tod durch tägliches, berufsbedingtes Ausbrennen und freiwilligen Freizeitstress. Tja, es reicht bis zur täglich erdrückenden Flut der Apps, ohne denen der Alltag scheinbar nur mehr falsch laufen kann! Apropos, noch aber gibt’s keine Applikationssoftware gegen die Armut, aber auch keine für die Installierung von Intelligenz. Könnte sein, dass sich das Wort App nicht von Applikation, sondern von „apple“, Apfel, ableitet, also mit „veräppeln“ zu tun haben könnte oder so…

Gehen wir zurück in so ein Dorf am Beginn aller Tage. Wagen wir den Schritt hinein und schauen uns um. Liebe kleine Hütten, zwischen ihnen Blumen- und Kräuterbeete, rund ums Dorf Obsthaine mit saftigen Früchten aller Arten und Sorten, Beerenkulturen, dazwischen Bananenstauden, die ob ihrer prallen Last sich bereits neigen, all diese duftende, bunte Pracht inmitten liebliche Felder, wo Gemüse und Getreide nur so üppig sprießt. Eine vorbildliche Vielfaltkultur. Ein Bild für Götter und Göttinnen, nein, ein Gemälde, als wäre es von Waldmüller und Spitzweg gemeinsam gemalt!

Darin schuften gebückte Weiber inmitten kreischender Kinder, die Gott sei Dank auch mal schlafen, in Wickeltüchern oder in Wiegen, und, es sitzen jede Menge Buben und Männer blöde herum und treiben Unfug oder eben nix. Die Frauen schaffen Leben und sorgen dafür, dass es so lang als möglich am Leben bleibt. Ein romantisches Bild, ein wundersames und harmonisches Stillleben der vielfältigen Geschäftigkeiten und Tagträumereien. Man kann durchaus behaupten, ein frohes Leben durchströmt dieses Dorf und das dank ihrer fantastischen, bombastischen Frauen! Apropos:

Die Frauen waren damals generell viel stärker, weniger damenhaft, dafür umso grobschlächtiger und, sich ihrer Kraft durchaus bewusst, zeigten sie schon eine gewisse Neigung zur Tyrannei. Ihre Autorität strahlte weit übers Dorf hinaus, was sogar hungrige Säbelzahntiger veranlasste, sich dort nur in gebührendem Abstand und geräuschlos vorbeizuwagen. Übrigens, was die weibliche Physiognomie anbelangt, neigte man zu jener Zeit zum mesomorphen, zum muskulösen Typus, man könnte auch sagen, die gesunde Mischform zwischen Pykniker und Athletiker. Ja, da litt man halt noch nicht wie heute an diesem x-beinigen Watschelgang, offensichtlich aufgrund degenerativer Genetik mit Symptomen angeborener Hüftluxationen und zusammengewachsener Kniegelenke. Auch dieses unnatürliche, dekadente „Stöckelgetrippel“ bzw. „Taubengang“ war damals wirklich keine überlebensfähige Fortbewegungsoption. Hm, was ist da im Laufe der Evolution mit dem weiblichen Geschlecht passiert, dass es zu diesen Fehlhaltungsphänomen kam? Zurück in die ruhmreiche Frauenära.

Dieses imposante, Furcht einflößende und gnadenlose Selbstbewusstsein unserer weiblichen Vorfahren, bekamen bekanntlich etwas später die goscherten, orgienfesten, ununterbrochen aufgeregt plappernden Römer zu spüren. Sie rechneten bei ihren Eroberungszügen in den wilden, germanischen Norden nicht mit solchen Amazonen, mit Vorläuferinnen der nicht zimperlichen Flintenweiber und beängstigenden Rockerbräuten, oder wie auch immer. Von wegen, „auf Frauen schlägt man nicht“! Da wurden die kulturell und bildungsmäßig angeblich so hoch stehenden Legionäre – dank „Alma Mater“, steht für Uni, die ihre Sprösslinge mit Wissen überfüttert – regelrecht „genderartig“ verdroschen, so, dass jede Menge ihrer berühmten Schilde zu Bruch gingen. Diese Alemanninnen hatten wahrlich keine zwei zarten Linken, sondern teilten wuchtige, rechte Schwinger, echte „Le-Pein-Haken“, aus. Das war die geschichtlich leider nur kurze Zeit, wo Weiber und Männer nebeneinander fochten, weil man ein gemeinsames Ziel oder Gegner hat, und nicht, wie heute, gegeneinander…

Diese Römer! Im Bezug auf die geschlechtlichte Gleichbewertung waren sie ziemlich rückständig! Ihr Reich durchaus militärisch strukturiert. Ihre Weiber ließen sie zu Hause zwecks Vergnügen und Kindererziehung. So wurde die sich auf ewig unverwundbar geglaubte Schildkrötenarmee aus dem Ewigen Reich mit Ablaufdatum eines besseren belehrt! Nachhaltig! Die auserlesenen Soldaten Roms mussten bei ihren Eroberungszügen in den Norden oftmalig die Flucht ergreifen und wollten nur mehr zurück ins Heim zu „Mamma Roma“. Nicht aber der „Arnold-hätte(esse)-gern-fünf-verschiedne-Quitten“, sprich Varus, er wollte gleich an Ort und Stelle durch Selbsthandanlegung sterben, er hatte all seine gepanzerten Legionen verspielt und Spielschulden sind nun mal Ehrenschulden; die Chance auf ein allentlastendes Duell wollte er nicht ergreifen. Der letzte „Herr der Schildkröten“ hieß Gratian (vermutlich von „Kretin“) mit bisserl mehr Erfolg. Aber wir haben weit nach vorgeblickt, noch befinden wir uns forschend in der Urzeit diktatorischer Frauen, in der Zeit der Mammokratie, wo die jährliche Mammographie noch nicht spruchreif war.

Echte Weiber gab es da in Massen, so echt, dass sie den damals eher zart gebauten wie besaiteten Jungen und Männern – die wiesen nicht mal annähernd Merkmale von wüsten Kerlen auf – Respekt einflössten. Ja, unsere maskulinen Vorfahren hatten immense Angst vor den schlagfertigen Weibern, eingestandener Weise, ein durch und durch charismatisches Frauenzimmer, das im Dorf energisch herrschte – resolut, absolut! Die furchtlosen Kriegerinnen der Göttin Freya. Die unschlagbare Venushorde. Bist du deppert…

Und doch waren sie „uns“ gegenüber, zu unserer Verwunderung und Staunen, verhältnismäßig tolerant. Da bitten wir schon um Verständnis bei den Historikern mit vorwurfsvollem Unterton. Es muss aus verdienten Gründen der Nachsicht berücksichtigt werden: Wir sanften und zugegebenermaßen recht wehleidigen Burschen wollten und durften, nein, wir mussten den ganzen Tag nur Spaß haben und für Spaß sorgen! Ja, wir, also unsere „Ur-mal-unendlich-Opas“ waren auch jederzeit verfügbare Lustobjekte und zudem mussten wir uns nebenbei, in unserer kargen Freizeit, von den verschiedensten Musen küssen lassen; damit, klar, wir fabelhaft tanzen und singen und mimen konnten. Tja, Spaß? Glaubt ihr das wirklich?

Spaß war da relativ! Zu all den Erwartungen beschäftigte uns permanent und penetrant dieses schier unbeherrschbare, extrem launische Ding mit Eigenleben da unten, das „Zipferl“ oder „Zumpferl“, und wir mussten uns notgedrungen vice versa mit ihm beschäftigen. Versuche doch mal einen augenrollenden Vollbluthengst im Gatter zu bändigen! Da braucht es all dein Geschick und Aufmerksamkeit, diese Ausgeburt an Wildheit zu zähmen, zu zivilisieren, halbwegs zu kontrollieren! Manchmal musst du ihn dabei regelrecht packen und schütteln! Übrigens „Zumpf“, dieses missgebildete Wort, ist ein Pejorativ (Abwertung) der Zunft und Narrenzunft, also „Narrenzumpf“ im wahrsten Sinn! Bei aller qualvoll unterdrückten Scham über die erhaltene Narrenfreiheit, die eigentlich eine verschleierte Mehrfachbelastung war, ist es denn wirklich verwerflich, dass wir so waren wie wir halt waren? Und zugegebenermaßen waren wir von diesem Ding, das an uns hing, von diesem „Rabiatwurm“ auch irgendwie fasziniert… nicht nur wir! Dazu gleich später. Es ist somit die Ahnungslose, die verurteilt…

Kein Wunder, dass ein durchaus uns zustehendes Sozialverhalten – eine partielle, existenzielle Verpflichtung zum Gedeih der Kommune – bei solch Stress erst gar nicht aufkam, es uns eigentlich gar nicht zugemutet werden konnte. Wie denn, wann denn? Und, es blieb ja auch den damals schon extrem neugierigen Artgenossinnen nicht verborgen! Damit das Gegengeschlecht quasi diese oft mitten im Raum stehende Attraktion nicht andauernd interessiert anstarren musste, mussten wir damals, schon früh an Jahren, weite Röcke tragen. Auf Penisfutterale wie bei den Papuas sind sie noch nicht gekommen; verständlich, die hätten noch mehr Blicke auf sich gezogen und manche von uns veranlasst sich aus Angeberei oder Täuschung gigantische Röhren aufzustecken. Ehrlich, G-Genossen, die Männlichkeit übermannt uns ja heute noch tagtäglich, oder nicht mehr? Doch helfen kann uns da niemand und du kommst nicht gegen das hormongesteuerte, lendenverwachsene Zepter an, das führt ein reizgesteuertes Eigenleben und regiert förmlich im Untergrund seinen Wirten und Träger. Nur ein Betroffener kann das verstehen!

Wie auch immer man unser naturgegebenes Schicksal sehen und beurteilen will; ja damals herrschten vergleichsweise noch gute Zeiten für uns Männer. Die Mammi sorgte für alle und alles, vor allem für uns, bis sie gemeinsam mit uns, ewig hilfsbedürftigen Schützlingen, alt wurden und verschieden. Das ging lange so in der Art. Heute noch erleben wir rudimentär dieses sehr besondere Bonding zwischen Müttern und ihren Söhnen. Doch was nützt all die Macht, wenn die anderen, da reden wir von rund der Hälfte, den ganzen Tag nichts machen. Weil deren Individuen so fragil, so stressinresistent, so vulnerabel scheinen und für nichts zu gebrauchen sind, außer für so gewisse Dinge.

Für diese gewissen Dinge wurde mit uns ein wilder Handel mit anderen Dörfern betrieben, kaum, dass wir geschlechtsreif waren. Ja, es ging um Zuchterfolge, die Gewährleistung wie Steigerung der genetischen Qualität, da musste Inzest tunlichst vermieden werden. Nur leider bürgerte sich dabei eine Unart ein, ein Nebeneffekt, den man übersah oder nicht allzu ernst nahm. Nämlich die, dass alle Männer zu den Frauen Mamma sagten. Heute doch auch immer wieder, wo der Papa zur Frau Mamma oder Mamsch sagt, komisch, da sieht man, was so unbeachtete, eingenistete Gewohnheiten über tausende Jahre hindurch und noch mal tausend Jahre danach anrichten können! Egal, die Weiber verhielten sich partnerschaftlich promiskuitiv, okay, sie wechselten ständig ihre Bettgefährten, verständlich, es ging lediglich um die qualitative Arterhaltung!

Und doch zeichnete sich ein Dilemma ab, eine Krise, ein Konflikt, der sich mangels rechtzeitiger, konsequenter Maßnahmen immer mehr zuspitzte! In jener Zeit begann sich bei den Weibern schon eine tiefe Sorgenfalte zu bilden, die von der Stirn bis zur Brust reichen konnte, wo sie eine Aufwölbung zum begehrlich bestierten Dekollete anrichten konnte. Und die Schwänzer glaubten, es sei nur ihretwegen. „Wer den Schaden hat, musste damals nicht nur für den Trottel sorgen“, sondern auch noch umgekehrt als Lustobjekt hinhalten. Klar, wir Männer damals, als wir das Rivalisierende noch nicht in uns verspürten, genossen schon auch umgekehrt die unwiderstehliche weibliche Pracht! Also, die zuvor angedeutete Jammerei ist nicht mal halb so wild. Und doch muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich absolut davon überzeugt bin, dass zwischen Matriarchat und Marter ein etymologischer Zusammenhang besteht! In Hinsicht auf die Zeit, die dieser bald folgte.

Weil irgendwann einmal ist es auch der aller stärksten Frau zuviel. Dach überm Kopf schaffen, die Aufzucht über haben, Feuer machen und hüten, Sammeln, Feld bestellen, ernten und was noch bitte!!! Man muss sich mal in ihre Lage versetzten: Und zu all der tagtäglichen Überforderung kam die enervierende, zeitraubende Kopulationsarbeit hinzu, ein Muss, wobei wir Jung- und Altböcke nie genug kriegten und so verspielt dabei waren. Die Weiber fühlten sich nach langer Zeit der anscheinenden Idylle völlig ausgepowert, am Limit angelangt! Die stetig wachsenden Anforderungen waren nicht mehr zu bewältigen. Da nützten auch die Töchter nichts mehr, die ja schon von klein an fleißig mithelfen mussten.

Zudem kam es zwischen den Buben und Mädel immer öfter zu Zank und Streit. So passierte es auffallend vermehrt, dass Mädchen begannen, sich wie Jungens zu benehmen und sich als solche zu verkleiden, damit sie auch in den Genuss von „Life light“ kamen. Es reichte! Außerdem könnte ruhig mal der Speiseplan aufgefettet werden! Die weit blickenden Weiber ließen es aber nicht eskalieren und setzten eine kaum zu widerlegende Pädagogik ein. Überzeugen und konsequent bleiben!

Gib dem Affen Zucker, Spiele und die Jagd!

Eines Tages richtete sich die Leitkuh in voller Größe vor den spielenden Knaben und Männern auf, ihr mächtiger Busen warf einen Schatten übers ganze Dorf, was sehr bedrohlich wirkte, und sprach mit sonorer Stimme, die keinen Widerspruch duldete: „Die Zeit des Spielens ist vorbei! Tut was für Mammi. Geht raus in die Wildnis und holt Fleisch!“ Nau das saß! Die Semantik (Sprachinhalt) dieser Urweiber war damals noch klar, kurz und bündig, eben aufs Wesentliche beschränkt. Nicht wie heute, ewigliches Getratsche um nix, während die heutigen Männer über alles und mehr am Bier-Stammtisch quatschen – anderes Kapitel. So, als die Chefin dann noch die Arme in die Hüfte stemmte und in der einen Hand demonstrativ ein Kochlöffel lag… da trollte sich flugs die Brut der Schwanzlurche. Ach, wie gern wären sie noch tausende Jahre beider schützenden Mutti zuhause geblieben. Ja, das scheint grausam, liebe Leser; dazu kommt bisserl entlastend, dass die Weiber ja nicht ahnten, was in der finstren Wildnis so kreucht und fleucht. Egal, es wurde Zeit, dass die Männer erwachsen wurden. Entwicklung braucht halt seine Opfer…

Kaum hatten sie die „Todeszone“ – so sagte man zu Gegenden, die noch kein Menschenfuß betreten hatte – zitternd und bibbernd beschritten, drängten sie sich vollkommen verängstigt aneinander. Sie waren in solcher Todesangst, dass sie sich nicht mal trauten mit den Zähnen zu klappern; nur an der Gänsehaut konnte man ihren Zustand ablesen, oder an der sich plötzlich ausbreitenden Lacke zwischen den Beinen. Da standen sie jämmerlich inmitten der mörderischen Wildnis und hatten keinen blassen Schimmer von deren Gesetz: „Du mich nicht fressen, ich dich fressen.“ Nicht nur sie wagten es nicht zu atmen, es schien, dass auch die Wildnis regelrecht den Atem anhielt. Totenstille umfing sie. Die Ruhe vorm Sturm? Unzählige bernsteinfarbene Augen mit geschlitzten Pupillen fixierten sie gierig, sezierten sie förmlich und… evaluierten dieses Häufchen Elend aus seltsamen Zweibeinern in nur wenigen effizienten Momenten als leichte Beute. Und dann… dann brach die unbändige Gewalt über die armen Geschöpfe herein. Wir blenden geschockt und entsetzt ab!

Die Reihen der Geschlechtsgenossen lichteten sich dramatisch schnell. Jeden Tag wurden welche von den Säbelzahntigern in Fetzen gerissen und von wütenden Mammuts zu Brei gestampft. Auch manch toxische Beere landete in einem ahnungslosen Mund. Jeden Abend kehrten weniger zurück als auszogen. Manche holten sich in kühlen Nächten zudem einen starken Schnupfen. Doch es schien die dominanten Weiber nicht zu berühren und sie schickten sie nach jedem Morgenappell beinhart raus in die raue Realität, mit oder ohne rinnende Nase. Die Ernährungsfrage bei Futterknappheit löste sich von Tag zu Tag von ganz allein, wie die Selektionsfrage, die natürlich Auslese, die nur die Widerstandsfähigsten protegiert und Krankenkassen nicht mal Nanogedanken waren. Bei all der Opferbringung, die Ausbeute von frisch erlegtem Wildfleisch, blieb lange kärglich, ab und an mal ein, an Altersschwäche verstorbener Hase oder Fasan. Wie sollst du auch mit bloßen, zarten Händen, die nur fürs virtuose Spielen am Klavier, Cello und Harfe getaugt hätten, was da draußen reißen? Es fehlte den Männchen der Killerinstinkt, das Raubtierhafte. Wer hätte es ihnen gegeben?

Die Muttis daheim blieben mitleidlos! Trotzdem sehnten sich ihre Söhne immer noch nach ihrer Nähe und mancher rief in äußerster Not nach ihr. So geschah es auch bei den Buben, dass immer wieder welche versuchten, als Mädel durchzugehen, sich Hosen wie diese anzogen und sich alles Mögliche zur Busenimitation auf die Brust klebten. Meistens wurden sie von denjenigen, jungen Frauen verraten, die zuvor auf Knaben machten und jetzt und klarerweise partout keine Lust zum Sterben da draußen hatten. Ja, nichts blieb so wie’s war. Und der schon länger gehegte Hintergedanke – „Harmonie ist viel Weib und wenig Mann“ – verschaffte sich den Durchbruch. Doch jeder Anfang hat ein Ende und das Ende macht frei für einen neuen Anfang, wie immer auch dieser aussehen mag.

Die verbliebenen Männer in höchster Bedrängnis und aufkommender Hoffnungslosigkeit flüchteten sich mit paar noch schnell erhaschten Bananen in eine hohe, geschützte Baumkrone und sannen nach und nach und noch und nöcher. Sie konzentrierten sich dermaßen auf eine Lösung für ihre scheinbar ausweglose Lage, dass sie ihr bestes Stück für längere Zeit vergaßen. Ob sie auch nach Rache sannen und an den Bau einer Retourkutsche dachten? Das bleibt ungeklärt. Wie auch immer es im Detail in ihrem verfinsterten Inneren aussah, es musste so kommen, zum evolutionären Quantensprung. Da fiel es ihnen ein, wie Schuppen vor den Augen, oder wurde ihnen gegeben oder einfach nur in ihnen geweckt.

Voller Tatendrang sprangen sie vom Baum herab und machten sich ans Werk. Sie bauten eine Mauer. Emsig wie die Drohnen, nein wie die Arbeiterbienen. Im Schweiße ihres Angesichts floss ihr Testosteron jetzt durch sämtliche Poren und verdampfte unter der glühenden Sonne. Rund ums Dorf und den Gärten entstanden mannshohe Wälle, in die sie beidseitig zugespitzte Pflöcke hineinrammten. Klar, da begann das leidliche Roden der Wälder. Das aber wiederum gewährte einen endlosen Blick in die Ferne. Egal, innerhalb des wehrhaften Schutzringes hatten die Mütter und Kinder noch genügend Freiraum für alles Mögliche und so schöpften sie vorerst mal keinen Verdacht, obwohl ihre Männer von nun an ihrem scharfen Weiberblick entgingen. Um die erste Mauer bauten die erstarkten und mutig gewordenen Mannsbilder provisorisch gleich eine zweite, eine für ihren eigenen Schutz. Davor noch einen tiefen Graben. So, jetzt hieß es täglich zu Weib und Kind: „Papa muss raus zum Arbeiten!“ Tja, da wurde ordentlich zur Sache gegangen.

Zwischen den Mauern konnten sie, doppelt geschützt, tun und lassen und heimkommen wann sie wollten. Völlig unbeobachtet gingen sie konsequent nach Plan vor. Zuerst begannen sie Bier zu brauen, Wein zu keltern und ordentlich zu saufen, was bekanntlich zu übersteigertem Mut, also Übermut, und sonderbarer Kreativität führt. Daneben gleich ein paar Mucki-Buden und eine Speer- und Keulenmanufaktur. Dann gingen sie ans Blutwerk, eine Art kompensatorischer Rachefeldzug. Sie hatten ihre getöteten Artgenossen nicht vergessen. Folglich rotteten sie vorsorglich mal alle Säbelzahntiger, Bären, Löwen und Wölfe aus! Außer paar Welpen für die Frauen zum Streicheln und äußerln führen und als Kinderspielzeug.

Dann begannen sie die Mammut abzuschlachten und gruben dafür riesige Fallgruben. Ein paar dieser noch nicht wirtschaftlich bedeutenden, gigantischen Elfenbeinlieferanten setzten sich fluchtartig in den Süden ab und ließen Wolle um unerkannt zu bleiben. Fleisch lieferten sie jetzt in Hülle und Fülle ab, vieles davon vergammelte jedoch in den Ebenen. Sie spürten, dass sie von den Frauen jetzt anders geachtet wurden. Dass sie stolz auf sie waren, sie, die zu echten Kerlen herangereift waren. Von Raubtieren nun verschont, zogen sie dann kurz mal in die nahen Berge und holten sich paar Wildschafe und Wildziegen runter, die sie mit aller Härte domestizierten. Wildrinder, das Ur, holten sie erst später aus den fernen Sümpfen zur Zähmung.

Der Frieden in der Wildnis war hergestellt. Feinde bzw. Konkurrenten gab’s nur weiter weg als Nachbarn. Die zwei Mauerringe ließen sie stehen, dazwischen konnten die Kinder jetzt geschützt spielen. Der Prototyp des heutigen Kinderspielplatzes war geboren, rundum hoher Zaun, dazwischen ziemlich nix, also nix an abenteuerlicher Kreativität. Okay, wertloses Klumpert von den Vätern lag vereinzelt noch herum. Die Väter selbst aber hatten wenig Zeit, mit ihrem Nachwuchs zu spielen. Sie wollten endlich hoch, vor allem weit hinaus, schauen, was es außer ihnen und ihren Familien noch so gibt. Im vorhin erwähnten Nachbardorf da wimmelte es von neckischen, koketten und so ganz anderen Mädels. Die musste man haben. Aber wie? Wer nicht wagt, gewinnt nicht, auch wenn es immer anders kommt als erhofft… Das kollektive Unterbewusstsein für gleichartige, unabhängig voneinander passierende Evolutionsschübe funktionierte damals schon, nicht nur bei manchen Affen heute; oder bei faschistischen Gruppierungen, die unabhängig voneinander idiotische Ansichten haben…

Als die „Zielgruppe“ unserer Studie „Männer-im-Matriarchat“ mal so ganz zufällig einen Ausflug in die Nähe dieser fremden, so exotisch wirkenden Siedlung machten, sich dort in ihrer ganzen Schönheit brüsteten, balzten und mächtig angaben, waren plötzlich die bis dato hemmungslos lockenden Weiber weg, aber andere da, mit bauschigen Bärten, und von denen bekamen sie ordentlich eins auf die Fresse. Und, wie es heute immer noch da und dort gebräuchlich ist, gingen die schwer gedemütigten, aber dadurch nicht minder aggressiven Männer nach Hause zu ihren Frauen um sie zu verhauen. Da die Frauen damals noch recht stark waren, schenkten sich beide nichts und großzügig ein. Diese Zeit der egalisierten Körperkräfte beider Geschlechter erwähnte ich bereits oben schon. Doch irgendwas blieb bei den Weibern ab da an kortikal haften, es schlich sich allmählich Angst ein, dass sie eines Tages ihre Männer nicht mehr im Griff haben würden. Wie berechtigt ihre Angst war, sollte sich bald erweisen. Die Männer begannen sukzessive den Machtspieß umzudrehen.

Da wurde der Krieg erfunden oder nur neu entdeckt?

Es blieb nicht beim Spieß oder Speer oder Stein. Die Keule war längst Auslaufmodell geworden. Die erstarkten Männer begannen Waffen und damit auch gleich Ränke zu schmieden. Diese Weiber von nebenan, die wollten unbedingt gekidnappt werden, die schrieen ja förmlich danach. Auch die Apfelbäume in deren Obstgärten wären eine zusätzliche Bereicherung. Und sie machten sich erneut auf den Weg. Diesmal würde es krachen, man war für vieles gerüstet und zu allem bereit. Ab nun begann die Zeit des wütenden Patriarchats.

Die begehrten und doch verhassten Weiber erklärte man nicht viel später und praktischerweise als Hexe (bedeutet, die sich in der Hecke versteckt oder durch diese schlüpft oder auf ihr reitet), auch Hagazussa genannt, und weil sie ja mit dem Teufel im Bunde standen, konnte man mit ihnen machen was man wollte, vergewaltigen, töten, alles ohne Strafe, da half das Evangelium genial mit! Endlich konnten auch die klerikalen, komplexbeladenen, abartigen Weicheier – eine Schande für uns, ehrlich – sich unverschämt den Weibern nähern und sie anfassen und nannten die sadistische Quälerei apostolische Notwendigkeit.

Und trotz aller unverzeihlichen Bösartigkeiten gegen sie, geht es heute immer noch, du kannst es drehen und wenden wie du willst… Es dreht und windet sich alles ewig um die „gottverdammten“, ewig geliebten Weiber! In diesem undurchschaubaren Tumult, im Kampf der „Genitanten“, ist nur eine der beiden Rollen für die Macht entscheidend: Wer leitet und wer leidet…

So ganz unschuldig seid ihr an dieser Entwicklung nicht! Das hat man davon, wenn man Sprösslinge mit Wurmfortsatz aus dem warmen Schoss brutal in die erbarmungslose Wildnis wirft. Es heißt doch, alles kommt irgendwie, irgendwann mal wieder zurück, ja, ja, aber niemals so wie vorher… So hat alles stets ein Ende. Nichts ist für ewig. Alles unterliegt dem Prozess der Veränderung. Was kommt nach dem Patriarchat? Oder, weil greifbarer, vor seinem Ende? Was wären da so die finalen Zeichen? Man siehe doch bitte in die nächsten Kapitel.

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