Führung in Grün? Partei im Irrgarten

Die ORF-Bühne „Im Zentrum“ diente einem inquisitorischen Schauprozess. Wo bin ich da gelandet? Mir geht es ganz bewusst nicht um Diskussionsinhalte, sondern primär um das Setting, das keine faire Diskussion zuließ. Da schossen sich alle, einschließlich der Moderatorin, auf die junge Grüne Obfrau ein – geht’s noch? Da wurde alle Register gezogen, wie man eine Diskussionsrunde eben nicht gestaltet, nicht moderiert!

Die Gesprächsdynamik verlief so, als säße Flora Petrik vor Gericht.   Alle gegen Eine – der neue Sinn für Gerechtigkeit??? Die öffentlich-verbale Hinrichtung!

Zeugnisse und Wünsche

Redaktion: Durchgefallen, solch eine Gesprächsrunde zu inszenieren!

Claudia Reiterer, Moderatorin: Durchgefallen als Diskussionsleiterin; sie hätte zumindest ein wenig die Bundessprecherin der Jungen Grünen Schützenhilfe leisten können, allein schon aus Fairnessgründen! Sie „leitete“ eine ziemlich „miese Partie“!

Eva Glawischnig, Bundessprecherin der Grünen: Sie sollte sich in Acht nehmen, denn solche Rochaden können das Ende einer Partei bewirken. So nicht, ehrenwerte Grün-Chefin; jede Kritik hat ihre berechtigten Ursachen. Genau hinhören ist angesagt. Zuerst mobbt man das „Linke Urgestein“ in der Partei, dann kämpft man gegen den eigenen Nachwuchs???

Anton Pelinka, Politikwissenschaftler: Tja, als solcher hätte ich mir von ihm, gemäß seines Alters, etwas Altersweisheit erwartet, doch die hat ihn scheinbar noch immer nicht gepackt. Seiner Ansicht nach, seien Mitgliederparteien obsolet, veraltet, also vorgestrig, überholt, etc. Nur, lieber, alter Herr, Parteien ohne entsprechender Mitgliederzahl sind verzichtbar! Da eliminieren wir gleich die gesamte Parteienlandschaft. Denkt er nicht weiter? Da, nämlich, hat die Junge Grünsprecherin vollkommen Recht, mit der geplanten Steigerung der Mitgliederzahl!

Rudolf Fußi, PR-Berater: Als solcher trägt er ja niemals Verantwortung für sein Gelaber und „weisen Ratschläge“. Das ist die bequeme Seite in der Politik, die Beraterbranche. Für mich ohnehin vollkommen verzichtbar! Er wirft Petrik Plattitüden-Rhetorik vor und möchte darüber hinwegtäuschen, dass er selbst der stärkste Phrasendrescher, Gewäschwascher und „Polit-Trivialist“ ist. Diesem, erwiesenermaßen „Windigen Typ“ würde ich nicht trauen; PR für ÖVP-Lugner-SPÖ-Stronach-Elektrolux. In welches lukrative Lager tingelt er als nächstes? Hier haben sie den Prototypen des Opportunisten! Goschert bis untergriffig fuhr er ungebremst seine Nachbarin an. Toller Hecht! Nein, im Grunde genommen feige, weil er sich im Jägerrudel wähnte, worin ihm die „Grüne Eva“ immer wohlwollend zunickte!

Flora Petrik, Bundessprecherin Junge Grüne: Meine Hochachtung! Natürlich war auch für mich ihre gelieferte Argumentation schwach, sie schien nicht gut vorbereitet. Aber sie hat Recht, die Grünen vollziehen als „Noch-immer-bürgerliche-Partei“ einen postenbezogenen Schlingerkurs mit nur mehr marginalem „Naturschutzflair“. Auch sie wollen in allen Lagern fischen. Meine Hochachtung Petrik gegenüber deshalb, weil sie sich vor der Diskussion nicht drückte, sich öffentlich anprangern ließ und im Kreuzverhör gegen die vier Kontrahenten, aller schadenfreudigen  Erwartungen zum Trotz, eine gute Figur machte, sich ohne primitiver Rhetorik behauptete. Sie ist, wie viele der übrigen Jugendorganisationen, vor allem die der SPÖ, gegen das herrschende System, gegen den liberalen, kapitalismus-sympathisierenden Wischiwaschi-Kurs ihrer Parteien, an dem die „Alten“ krampfhaft festhalten. Das Standard-Interview beeindruckt:

http://derstandard.at/2000055635529/Flora-Petrik-Kaempferin-gegen-Glawischnig-und-Kapitalismus

Die „Alten Kollegen“: Wer gegen die Jugend kämpft, richtet sich selbst! (RJS) Ihr alten Esel/innen, ihr konkurriert mit den Jungen? Geht es noch??? Unsere Aufgabe wäre die Vorbildhaltung und dahingehend sind die Jungen unser Spiegel! Mein emotionaler Bezug zur Jugend ist immer ein väterlicher, dagegen kann und will ich gar nichts tun! Meine Devise wäre, im Falle eines überschäumenden Protests, sie „liebevoll zur Brust nehmen“; ich meine das genauso, wie ich es schreibe. Dahinter steht Aufmerksamkeit und Respekt gegenüber denen, die nach uns kommen, die nach uns auf diesem Planeten leben müssen, den wir, wir Alten nämlich, ihnen beschert haben. Ihr „alten Narren“, vergesst ihr das??? Ich Alter möchte eine kritische, eine aufmüpfige Jugend, damit ich auf meinem Sessel nicht verfette! Das heißt nicht, dass ich ihnen allein das Ruder überlasse, wenn auch nur für „Kurz“. Aber ich muss sie und ihr spontanes, intuitives, noch idealistisch gesteuertes Wesen einbeziehen! Es ernst nehmen, nicht nur auf verbaler Ebene, sozusagen „Pro-Forma-Diskussionen“ führen, und dann trotzdem so weitermachen wie bisher! Ihr werft hier Grundprinzipien übern Haufen! Ich wünsche mir, nein, ich fordere Besinnung!

Doch was erlebe ich tagtäglich? Da sitzen die alt gewordenen auf ihrer bereits verkrusteten Opportunität, oder sie baden sich in Resignation mit der gern gebräuchlichen, doch so niederschmetternden Phrase: „Wir werden’s nimmer ändern!“. Auch sie waren mal jung, doch sie haben im System brav und schnell gelernt, sich nach kurzer Zeit des „kontrollierten Ungehorsams“ gut zu betten und so liegen sie nun denn… Wir Alten haben keine zukunftsfähigen Konzepte mehr, keine Antworten auf essenzielle, soziale wie ökologische Fragen! Wir erwecken in unserer Jugend das Gefühl, dass es uns scheißegal ist, wie die Welt nach uns aussieht! Gleichzeitig tun wir gerade so, als hätten wir eine gute, faire Welt geschaffen, die es gilt zu bewahren, auch vor der bösen, aufsässigen Jugend! Wie abwegig, wie absurd, wie egoistisch! Sehen wir uns doch um, wie mit Menschen Politik gemacht wird…

Epilog: Glawischnig hat „ihr GRAS“ gemäht, oder hofft, dass bald „GRAS über die Sache wächst“ und… tja, und was? Wie auch immer, schlechter kann es nicht mehr werden, mit engagierten Jungen nur noch besser! Es gibt zwei Möglichkeiten für die Alten, die Jungen loszuwerden, die „bessere“, sie zu kaufen, die „schlechtere“, sie als Gegner zu haben. Apropos Gegner, da möchte ich hier etwas erzählen: Als mein Sohn so um die 14 Jahre alt war und wir durch den Wald wanderten, fragte er mich plötzlich gerade heraus: „Du Vati, tust du’s auch noch?“ Ich ahnte, was gemeint war und sagte es ihm mitten ins Gesicht: „Hm. Der einzige Unterschied zwischen uns ist, du bist ein junger und ich ein alter Wichser!“ Daraufhin schritten wir eine Zeit lang schweigend einher, mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht, weil wir uns im selbigen Club wussten.

 

 

Video: Sendung vom 9. April 2017

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