Warum alles kontrollieren „müssen“?

Wenn die gesunde, natürliche Selbstkontrolle ausufert…

Den Kontrollzwang erleben wir nicht nur oft in innerfamiliären Beziehungskonstellationen, sondern auch deutlich im gesellschaftspolitischen Beziehungsgeflecht. Der Text ist angereichert durch Aphorismen eines Albert Einsteins (unter A.E.).

Eine Kontrolle in Maßen über das eigene Tun ist unerlässlich für eine Kultur des Zusammenlebens und der Arbeitsteilung, es ist die friedfertige, vernunftbetonte Kraft für das soziale Gefüge. Die „Abkehr“ vom Raubtier. Die Eigenkontrolle steht ebenso für die Bereitschaft, sich im kulturellen Umfeld orientieren und anpassen zu wollen. Darüber hinaus aber, die Kontrolle über sein Umfeld zu gewinnen, mutiert die „gesunde Beherrschung“ zum Zwang und Drang und somit zum krankhaften Machtbedürfnis. Eine Manie. Ein Getrieben sein, der Sucht zur Allmacht verfallen. Dahinter stehen jedoch Angst und Misstrauen. Angst, nicht nur die Kontrolle, sondern auch sich selbst und seine Position zu verlieren.

„Schon immer beruhten die meisten menschlichen Handlungen auf Angst oder Unwissenheit.“ (A.E.)

Sich selbst verlieren? Moment mal! Von welchem Selbst bzw. Ich rede ich da? Viele verwechseln die Fremdidentität (Gehorsam gegenüber einer äußeren Autorität) mit der wahren eigenen. Wenn durch äußere „Gewalt“ das Ich über längere Zeit unterdrückt und verleugnet werden muss, wird an seiner Statt ein, im System überlebensfähiger „Ersatz installiert“. Wir können im weiteren Sinn ruhig von Existenz erhaltender Ersatzbefriedigung reden, die klarerweise auf Ersatzbedürfnissen fußt. Machtstreben ist ein Ersatzbedürfnis mit erfahrungsgemäß oft fürchterlichen Auswirkungen auf die Allgemeinheit. Tja, sie werden doch schon öfter vom „Doppelleben“ mancher Personen gehört haben und man derart überrascht ist…

Setzt sich das „Original“ (wünschenswert) durch, die wirkliche Identität, die individuelle, unersetzbare Persönlichkeit, dann orientiert sich diese in seinem Umfeld ohne es kontrollieren zu wollen… Das ureigene Ich genügt vorweg mal sich selbst und sucht das Du, um sich selbst wieder zu erkennen, wie der Blick in den Spiegel. Es ist das „Fremde Ich“ in uns, das nach Kontrolle sucht! Was wir von vielen naturverbunden lebenden Völkern wissen, dass dieses bedenkliche Bedürfnis, das Umfeld kontrollieren, gestalten und beherrschen zu müssen, nie zur Disposition stand und steht; hingegen in den sich industrialisierenden Kulturen da regelrecht eine Obsession entwickelt wurde, ein Zwang. Die zwanghafte Vorstellung, der Wahn, alles und alle an sich binden zu müssen und das „Loslassen“ so unendlich schwierig scheint.

Dieses künstlich geschaffene Abhängigkeitsverhältnis wird vom Individuum auf beiden Seiten mit unterschiedlichen Auswirkungen als bedrückend, belastend und beängstigend empfunden; wenn dieses Gefühl auch meistens nach außen hin verdrängt oder aus rigidem Selbstschutz nicht mal sich selbst eingestanden werden „darf“. Dieses „ungesunde Bonding“ lässt kaum noch das natürliche Geborgenheitsgefühl zu und wenn einmal der Einzelne seinen emotionalen Zustand beschreibt, dann als Ausgeliefertsein und Ohnmacht. Dies ist ein markantes, psychisches Symptom unserer modernen Gesellschaft und produziert laufend psychosomatische Erkrankungen aller Arten und Nuancen. Siehe weiter unten Äußerungen des Psychiaters David Cooper.

Einzelwesen in den elitären Kreisen betrifft es schlussendlich ebenso, auch wenn sie sich eines luxuriösen, feudalen Lebens erfreuen dürfen. Denn auch diese Personen wissen insgeheim um ihre fragile Abhängigkeit im System. So wandelt sich das ursprünglich gesunde Vertrauen in die eigene „kleine Gruppe“ (heute Familie, Freundeskreis) in Bezug auf die unüberschaubar „große Gruppe“ (Gemeinde, Land, Staat, Kultur) in Misstrauen. Konrad Lorenz schrieb darüber, dass der Mensch eben noch immer und ebenso in nächster Zukunft ein „Kleingruppentier“ bleiben wird. Genau darum wäre es so wichtig, wenn wir schon zwangsläufig in „Großen Verbänden“ leben müssen, sehr vorsichtig, behutsam und respektvoll miteinander umzugehen, uns gegenseitig ernst zu nehmen, damit gemeinschaftliches Leben nicht in Diktatur ausartet!

„Eine gesunde Gesellschaft ist also ebenso an Selbständigkeit der Individuen geknüpft wie an deren innige soziale Verbundenheit.“ (A.E.)

Es ist dies somit die größte evolutionäre Herausforderung, vor der wir stehen und wir müssen verdammt Acht geben, dass wir die Überwindung dieser Hürde uns nicht weiterhin von einer verantwortungslosen, wie respektlosen Elite verhindern lassen. (Werte „Elite“! Eigentlich macht ihr euch nur unnötigen Stress und ist das feudale Leben es wirklich wert??? Ist nicht wahrer Reichtum der, der kostenlos, der unbezahlbar ist, weil er ein Wohlfühlen in der „Großen Familie“ sicherstellt?) „Vollkommenheit der Mittel und Verworrenheit der Ziele scheinen mir unsere Zeit zu charakterisieren. Wenn wir Sicherheit, Wohlergehen und freie Entfaltung der Fähigkeiten aller Menschen ehrlich und leidenschaftlich wünschen, so wird es uns an Mitteln nicht mangeln, uns einem solchen Zustand zu nähern. Wenn auch nur ein kleiner Teil der Menschheit von solchen Zielen erfüllt ist, wird er für die Dauer sich als überlegen erweisen.“ (A.E.)

Ich hoffe dennoch nicht, dass sich diese, seine Erkenntnis für alle Ewigkeiten bewahrheitet, wenngleich mit geringem Trost:

„Die Majorität der Dummen ist unüberwindbar und für alle Zeiten gesichert. Der Schrecken ihrer Tyrannei ist indessen gemildert durch Mangel an Konsequenz.“ (A.E.)

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