Masern-Epidemien im 19. Jahrhundert. Kurzberichte

Die „Wiener Zeitung“ berichtet im Februar 1806 von 766 armen an Masern erkrankten Kindern welche im Zeitraum vom 1. November 1804 – Ende Oktober 1805 ins Kinderkrankeninstitut gebracht wurden. Davon starben 47 Kinder. Zur selben Zeit grassierte auch eine andere Krankheit.   Immer wieder kam es zu Sterbefällen,  doch wie die Berichte zeigen (diese Auswahl  aus knapp 100 Jahren ist natürlich nicht repräsentativ) waren die Verläufe meist gutartig und selten tödlich. Dass die Masern heute als ungemein gefährlich gelten liegt einzig daran, dass  sich das Alter an dem man an Masern erkrankt ins Säuglingsalter vor verlagerte. Der Grund: Impfen. Geimpfte Mütter geben keine Leihimmunität mehr an ihre Kinder weiter, die sie eigentlich vor der Erkrankung schützte. Daher geraten Politik, Medien und natürlich Eltern in schiere Panik wenn irgendwo nur ein Masernfall auftaucht. Durch impfen wurde der von der Natur gegebene natürliche Schutz im frühen Alter weggeimpft. Masern sind nach wie vor eine an sich harmlose Infektionskrankheit wenn auch sehr ansteckend. Aber ob der Verlauf tödlich ist, hängt vom in erster Linie vom Alter von den Umständen ab (Immunsystem, Umgebung, Hygiene und anderes).


Masern-Epidemien im 19. Jahrhundert. Kurzberichte

 

20. Jänner 1814 Grazer Zeitung – Seiten 2 und 3
Wohl aber herrscht hier eine gutartige Epidemie der Masern, welche man im Lande die Flecken nennt. Unter Tausend dieser Kranken ist noch kein Todesfall bekannt. Wenn daran, einige Kinder sterben, so waren es nur die bösen Folgen einer zu früh gewechselten Luft, oder grobe Diätfehler daran schuld.

Ganz anders war jene im Jahr 1806 im Lande herrschende Masern-Epidemie wo im Durchschnitte fast jedes dritte Kind schon in der ersten Periode dieses Exanthems starb: Aber eben jener Zeit herrschten böse Nervenfieber. Alles das gibt uns einen Beweis, daß der jetzige Genius der Krankheiten nicht böse sey, und daß er sich, wenn keine sehr ungünstige Veränderung der Athmosphäre und der Witterung erfolgt, nicht ändern werde.

Agramer Zeitung 31. März 1857 – Seite 2
Bei den Kindern sind Katthare schon seit Wochen ungemein häufig; sie waren die Vorboten der jetzt als ausgebreitete Epidemie auftretenden Masern,deren Verlauf übrigens im Ganzen ein ziemlich gutartiger ist.

Die Presse 22. September 1859 – Seite 4
In Bezug auf die epidemischen Krankheiten waren wesentliche Veränderungen eingetreten. Die Masern-Epidemie ist endlich als erloschen zu betrachten.Es kamen nur mehr 2 Todesfälle vor. Ebenso machten die Blattern, an welchen 5 Todesfälle erfolgten, einen erheblichen Rückschritt. Auch der Scharlach zeigte eine nicht unbeträchtliche Abnahme. Dagegen ist leider eine beträchtliche Zunahme des Typhus zu constatiren, welchem 75 Opfer (um 18 mehr, als im Juli) erlagen. An dieser Zunahme war das Militär stark betheiligt welches ein Drittel der Todesfälle lieferte. Der Lungentuberculose erlagen 271 Personen (um 12 weniger als im Juli), davon kommen 137 auf die erste und 134 auf die zweite Monatshälfte

Klagenfurter Zeitung 12. Juni 1860 – Seite 1
Der Krankenstand war im vorigen Monate ein erheblicher. Unter den Kindern herrschte eine Masern-Epidemie; und der Typhus, welcher zwar nicht epidemisch auftrat, befiel eine durchschnittlich größere Anzahl Individuen und verlangte vorzüglich unter den jüngeren Kranken mehr Opfer als gewöhnlich. Die Sterblichkeit war aber eine verhältnißmäßig noch größere, als der Krankenstand und erreichte im vorigen Monate eine Höhe, wie sie seit vielen Jahren nicht vorgekommen ist. Die Beerdigungen im Monate Mai überstiegen die Zahl von fünfhundert und fünfzig.

Fremdenblatt 24. Mai 1870 – Seite 26
In den Monaten April und Mai grassirte in Wien und der Umgebung unter der kindlichen Bevölkerung eine Masern-Epidemie. Trotz der bedeuten bedeutenden Extensität derselben hatte sie doch im Ganzen keinen bösartigen Charakter.Seit dem Eintritte der warmen Witterung beobachtet man eine bedeutende Abnahme der Erkrankungen.

Die Presse 5. Juni 1870 – Seite 17
Bezüglich der in der Theresianischen Akademie angeblich herrschenden Masern-Epidemie wird gemeldet, daß in der Akademie in diesem Studienjahre, daß ist seit 1. October 1869 bis 2. Juli 1870, im Ganzen allerdings 17 Zöglinge an den Masern erkrankt sind. Gegenwärtig aber befindet sich nur ein Masernkranker und auch dieser schon im Zustande der Reconvalescenz im Krankenzimmer der Anstalt.

Die Presse 2. August 1885 – Seite 15
Durch Selbstmord starben 1,in Folge von Verunglückung 2, an Magen- und Darmkatarrh und Brechdurchfall (kleiner Kinder) zusammen 63, an Tuberkulose der Lunge 81, an Blattern 12, Masern 1, Scharlach 1, Diphtheritis 2 Keuchhusten 4, Abdominaltyphus 6 und an anderen miasmatisch, contagiösm Krankheiten 3 Personen. Auf 1000 Bewohner kommen exclusive der in Wien verstorbenen Ortsfremden, 216 Todesfälle. Krankheitsanzeigen wurden erstattet über Abdominaltyphus 9, Blattern 55, Scharlach 9 und Diphtheritis 8.

Grazer Volksblatt 27. Jänner 1891 – Seite 5
Hier herrscht eine Masern-Epidemie, so dass von circa vierundvierzig Schulkindern in den letzten Tagen nur mehr fünf in der Schule erschienen. Jetzt endlich wurde die Schule gesperrt. Sterbefall ist jedoch noch keiner vorgekommen.

Das Vaterland 1. November  1904 – Seite 9
Gesundheitsverhältnisse WiensDie Zahl der Anzeige-Pflichtigen Infektionserkrankungen betrug 961 gegen 1116 im Vormonate, darunter an Scharlach 121, Diphtheritis und Kroup 303, Abdominalthphus 70 )darunter 21 ortsfremde Fälle),; Rotlauf 188, Masern 111, Keuchhusten 54, Varizellen 6, Mumps 9 Fälle; ein Blatternfall kam nicht vor. Die Sterblichkeit war die niedrigste im September seit der Einverleibung der Vororte.

Masern-Epidemien im 19. Jahrhundert. Kurzberichte
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