Terror soll wehtun und…

…uns aus unserem „heiligen Alltag“ reißen. So die Erklärung eines Moderators im ORF. Der Sendungstitel bezieht sich auf den Refrain des Liedes „Fröhliche Weihnacht überall…“.

Der Thematisierungsanlass war die Todesfahrt eines Sattelschleppers in einen Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember. 12 Tage später gleich das todbringende „Silvesterfeuerwerk“ in Istanbul. Wahrscheinlich ist die Serie solcher Terroranschläge so bald nicht zu Ende. Aber endlich ist der Feind propagandistisch-rhetorisch festgemacht! Wir haben ihm einen Namen gegeben. Wir haben die Universalerklärung für den Terror in Europa gefunden: Der radikalisierte Islam und seine überall schlummernden, autoanimierten Einzeltäter. So ein fiktives Feindbild ist ein Dankbares. Damit lässt sich jegliche politische Unfähigkeit bis Unwilligkeit rechfertigen, nämlich aktiv das Kriegstreiben fern außerhalb zu beenden, es ernsthaft beenden zu wollen…

„Damit müssen wir leben lernen!“ „Wir lassen uns unsere Lebensweise nicht nehmen!“ „Jetzt erst recht gehen wir hinaus auf den Adventmarkt feiern!“ „Hinschauen, nicht wegschauen!“, im Sinne von: „Lieber einmal mehr die Polizei verständigen, als einmal zu wenig!“ Dahingehende Aufrufe und Trostsprüche einer Merkel z.B. und unseres Innenministers. Ja, wir bekämpfen den Terror, indem wir ihn in den Alltag als unvermeidbar „integrieren“; indem wir einfach nur bisserl besser aufpassen, also wachsamer werden und, indem wir ab nun unsere Nachbarschaft argwöhnisch bespitzeln. Dieses Aufmuntern zum Denunzieren kann auch bedeuten, lieber einen Unschuldigen inhaftieren, als gar keinen Täter finden.

Apropos, fällt jemand auf, dass die Mörder, bzw. Attentäter auf ziviles Leben entweder für immer verschwinden oder sogleich zu Tode kommen? Widersprüchliche Berichterstattung über dubiose Schusswechsel in Berlin, bevor der Sattelschlepper auf seinen Todeskurs einschwenkte. Es wird sofort nach dem vermeintlich tunesischen Terroristen gesucht und… oh, schon wurde er in Italien erschossen. Man wird sich jetzt sein Umfeld genauer ansehen müssen…, so die Experten. Am 14. Juli, dem Nationalfeiertag Frankreichs – erinnern sie sich – gab es einen ähnlich fatalen Anschlag auf unschuldige Passanten durch einen Todes-Truck; der Täter an Ort und Stelle erschossen.

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-07/attentat-nizza-frankreich-anschlag-fakten-faq

Auch gegen Putin-Russland mehren sich auffallend Gewaltakte bis hinauf in höchste Ebenen – z.B. die Hinrichtung des türkischen Botschafters. Bis jetzt bewahrt der russische Staatschef einen kühlen, besonnen Kopf. Doch die Provokationen gehen langsam aber sicher an die Substanz der ehemaligen Sowjetrepublik. Als wolle jemand unbedingt einen massiven Weltkrieg heraufbeschwören…

Nach meinem Verständnis einer nachhaltigen Terrorbekämpfung wäre es doch wichtig, die Täter lebend zu bekommen, um deren Drahtzieher und das gesamte Netzwerk dahinter zu ermitteln, oder irre ich? Nach meiner weiteren Auffassung, nämlich in Richtung Terrorvermeidung, wäre es sogar vorrangig wichtig, die Ursachen des Terrors erkennen zu wollen. Denn Terror ist in der Regel die Handschrift einer Politik (egal ob religiös oder wirtschaftlich oder territorial motiviert, oder auch politisch fingiert), die auf friedlichem Weg nicht ihre Ziele erreichen will und kann. Weil die provozierten, sozialen Unruhen einen Machtfaktor für den darstellen, der sie „regiert“ (im Sinne von Regie führen).

In einer gerechten Welt mit respektvoll nachbarschaftlichem Umgang und mit dem ausdrücklichen Willen zum Frieden und existenzieller Versorgung für alle hätte Terror keinen Platz, oder? Der Neoliberalismus treibt die Gier und die Rücksichtslosigkeit in all ihrer Brutalität noch weiter an die Spitze. Ein paar helle Köpfe haben das schon vor langer Zeit erkannt und versucht, dahingehend Konzepte zu entwickeln.

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