Die „finanzialisierte“ Gesellschaft

Mammon Society. Ein höchstriskantes „Abenteuer“ kranker Gehirne.  Fernand Braudel: Die Analyse kapitalistischer Strukturen mit ihrem zyklischen Aufschwung-Niedergang, sein Begriff „Finanzherbst“ und die Voraussetzung einer Harmonisierung des Triadischen Wirtschaftssystems, und zwar:

Wirtschaft kann nur dann „gesund“ funktionieren, wenn folgende drei Ebenen sinnvoll arbeiten können: Regionale Ökonomie (Tauschen, lokale Märkte), ausgleichende überregionale Marktwirtschaft unter „normalen“ (sagen wir fairen) Wettbewerbsbedingungen und antiökonomische Weltwirtschaft. Mit anderen Worten die ausgewogene Ökonomie zwischen Binnenmarkt- und internationalem Handel. Paul Mason, Schöpfer des Begriffs Finanzialisierung, schreibt in seinem Werk Postkapitalismus dazu:

>> (…) Der Historiker F. Braudel stellte die These auf, der Niedergang aller großen Wirtschaftsmächte beginne mit einem spektakulären Aufstieg des Finanzsektors. Nach einer Analyse des Zusammenbruchs des niederländischen Handelsimperiums im 17. JH. erklärte er: „Schließlich scheint sich bei Evolutionen dieser Art mit der Phase des finanziellen Aufblühens ein Stadium der Reife, gewissermaßen der Herbst, anzukündigen.“ Die Anhänger der Theorie des Finanziellen Herbstes sehen dasselbe Muster in der Geschichte der Republik Genua, im Spätmittelalter das wichtigste Finanzzentrum der Welt, der Niederlande des 17. JH’s und Londons in der Spätzeit des britischen Empire. In diesen Fällen war jedoch jeweils die beherrschende Großmacht der Kreditgeber der Welt. Der Neoliberalismus hat das Muster auf den Kopf gestellt. Heute sind die Vereinigten Staaten – und der dominierende Westen im Allgemeinen – die Kreditnehmer.

Auch die Stagnation der Arbeitseinkommen weicht vom langfristigen Muster ab. Die großen Finanzimperien der vergangenen fünf Jahrhunderte erzielten Gewinne mit ungleichem Handel, Sklaverei und Wucherkrediten, und finanzierten mit diesen Einnahmen den heimischen Wohlstand. Die USA hingegen haben mittels des neoliberalen Systems die Gewinne erhöht, indem sie ihre eigenen Bürger in die Armut trieben.

Die Wahrheit ist, dass wir mit dem Vordringen des Finanzsektors in unser Alltagsleben nicht länger nur Sklaven der Maschine und des Acht-Stunden-Tags sind, sondern uns obendrein in Sklaven der Zinszahlungen verwandelt haben. Abgesehen davon, dass unsere Arbeitgeber mit unserem Arbeitseinsatz Profit machen, erzielen die finanziellen Mittelsmänner Profit mit unseren Schulden. Eine Mutter, die von Sozialhilfe leben muss und gezwungen ist, sich mit Überbrückungskrediten über Wasser zu halten und Haushaltsgüter auf Kredit zu kaufen, kann eine sehr viel höhere Rendite auf das investierte Kapital abwerfen als ein fest angestellter Arbeiter in der Automobilindustrie.

Sobald jeder Mensch einfach dadurch einen finanziellen Profit abwerfen kann, dass er konsumiert – die Ärmsten können da den höchsten Profit abwerfen – beginnt sich die Haltung des Kapitalismus gegenüber der Arbeit grundlegend zu wandeln. (…) Für den Augenblick wollen wir lediglich festhalten, dass die Finanzialisierung ein fester Bestandteil des Neoliberalismus ist. Wie das Fiatgeld (Anm. RJS: Geld aus dem Nichts geschöpft, Geld erzeugt Geld, aus dem Biblischen transferiert: „Es werde Geld“) führt sie zum Zusammenbruch, doch das System kann ohne sie nicht funktionieren!

Die Finanzialisierte Gesellschaft hat längst alle regierungspolitischen Funktionen erfasst; fassungslos bleiben hingegen die Volksmassen.

Ein System, dass eigentlich zum Scheitern verurteilt ist, wird mit allen Mitteln aufrechterhalten. Es ist, als würden sie den Motor ihres fahrgestellbezogen maroden, desolaten und korrodierten, also vollkommen fahruntauglichen KFZ’s ständig tunen, reparieren und immer wieder, fast schon bewundernswert fehl-ambitioniert, versuchen, die Kraxe in Gang zu bringen.

Und dort versucht man krampfhaft, den Völkern das erkrankte System als unveränderbar zu erklären. „Der Markt ist Schuld. Die Globalität ist Schuld oder umgekehrt, nationale Befindlichkeiten sind Schuld.“, usw. usf. Die Gesellschaftsmanager/innen halten uns allesamt für blöde. Nein, ich denke, es ist noch weit schlimmer und der Höhepunkt an Respektlosigkeit. Sie wissen, dass wir wissen und dennoch haben sie die antrainierte Unverfrorenheit, uns ihre, durch Korruption verfetteten Ärsche ins Gesicht zu halten, als würden sie uns damit sagen wollen: „Versucht doch, etwas gegen uns zu unternehmen und ihr verliert auch gleich eure ohnehin miesen Einkommen!“ Das ist die unausgesprochene Botschaft und der springende Punkt, warum wir, die Völkermassen, unsere Goschen halten.

Und ich schreibe es noch tausende male: Wir Menschen sind eine außergewöhnliche Spezies, neben den anderen Lebewesen mit einem triadischen Gehirn wie Wale, Elefanten, Oktopusse, Schimpansen, Orang-Utans, Gorillas und andere, mir unbekannte. Und der Ironie geschuldet, beherrschen und schützen scheint’s paar Idioten unser Lebenssystem. Wie lange werden sie es noch schaffen, wie lange wollen wir noch zusehen?

Da fällt mir ein imaginierter Dialog ein:

„Du Darling, bist du fertig? Weißt du, es ist schon irgendwie spannend, kribbelig, eigentlich aufregend unser voll geiles und abgefahrenes Leben. Ich danke Gott für den Luxus. Warum spannend, Schatz? Weil wir nicht wissen, wie lange uns die brave, dumme Masse da draußen – wie sagst du immer, ah, Stimmviehherde – noch herum wurschteln und uns knallig trendige Partys reinziehen lässt. Das ist ja fast schon erregend, kann jeden Tag vorbei sein, oder, Schatz? Was? Die Antoinette lebte auch vorher so aufregend? Das ist jetzt schon bisserl bös’ und gruslig, Schatz! Was? Finde ich nicht! Auch sie wurde hineingeboren, so wie wir, unschuldig, in eine arme, reiche Welt. Gott Lob, da können wir wirklich nichts dafür! Außerdem, wir tun doch unser Bestes! Hey, Schatz, bist du schon fertig für den Benefiz-Galaabend? Wie bitte? Ah, zu welchem Anlass, meinst du? Charity-Irgendwas, ich glaub, so ‚against global hunger’ oder so, du weißt schon, es ist wieder so ne Art Rateessen im Beisein von berühmten Haubenköchen und vorher Wetttanzen. Es ist eine gute Sache, man tut alles gegen Hunger und überhaupt Armut allgemein. Mein Gott, wie scheußlich. Ich mag nicht mehr daran denken! Lass uns endlich gehen, Schatz!“   

Wir Menschen sind Teil der Weltkommune, jede und jeder von uns ist ein Weltbürger.

Die einzige akzeptable Globalität – weil immer so viel kritisch dagegen gehalten wird – ist eine weltweite Föderation von kompensatorisch kooperierenden Volksdemokratien. Sie gewährt Weltfrieden! Sie gewährt die behutsame, Natur erhaltende Nutzung der irdischen Ressourcen zum Leben. Eine Welt, die von einer pathologisch symptomatischen Elite, die sich sichtlich aus Egomanen zusammensetzt, gesteuert wird, kann nur im Desaster, im Chaos, in der Katastrophe, im Krieg landen. Und dennoch habe ich Hoffnung trotz des Wermutstropfens: Von den derzeit agierenden, politischen Akquisiteuren „im Auftrag ihrer Finanzmacht“ und in deren Sold stehend, brauchen wir uns einen positiven Wandel nicht erwarten. Sie sind bereits fixer Bestandteil des bis heute aufrechterhaltenen „Alten Systems“.

Schnell mal durchgewinkt:

++ China und ihr Inselkonflikt vor der Haustüre und die Kriegstrommeln ertönen; blicken wir bisserl zurück: der fast 1,5 Milliarden starke asiatische Mehrvölkerbund China braucht Energie und Raum, was heißt Nahrung, und, klar doch, Territorium; das holen sie sich jetzt zuhauf aus Afrika; das wissen die Amis und stören das chinesisch-afrikanische Vorhaben, eine Art sanfter Invasion mit kooperativem Effekt, indem sie die Infrastruktur ein weiten Teilen auf- und ausbauen, vorwiegend mit eigenen Leuten; gestört wird mit provokativ gepuschten Inselkonflikten; Nordkorea als verdeckter Verbündeter der Gelben Macht reagiert sogleich mit weiteren Tests ihrer Interkontinentalraketen und ist mit den USA diplomatisch im Vorkriegszustand; die USA wollen um jeden Preis ihre Vormachtstellung und somit auch die wirtschaftliche Kontrolle im Stillen Ozean halten und riskieren ungeniert noch mehrere „Vietnams“, nur um China nicht große Teile Afrikas zu überlassen und es überhaupt zu schwächen; was Afrika selbst betrifft, es prallen hier somit unterschiedliche Weltmachtinteressen aufeinander und die Afrikaner bleiben seit der ersten Kolonialisierungswelle noch immer außen vor, um zu vermeiden: „bleiben die Dummen“ bzw. „die ewigen Verlierer“, als wären sie dazu immer schon verurteilt worden, zuzusehen, wie andere ihren wunderschönen Kontinent plündern und auch ruinieren ++ apropos ruinieren: TTIP muss nach CETA durch; unsere Industriellenvereinigung wie auch schon zunehmend die WKO drängen dazu; wie ich schon schrieb, er wird kommen und ich erkenne keine groß angelegten Widerstände in Europa, die auch vehement vor einem Austrittsreferendum in Österreich warnen, eh klar ++ Brexit: England ist draußen und doch nicht, ätsch ++ Anschläge in Europa nehmen zu, von wem auch immer inszeniert; eines zeigt es, dass dieses herrschende Weltsystem konkurrierende Kräfte nicht Gutes mit uns vor hat, sonst wäre alles anders und vor allem friedlich, logisch oder?


Mit herzlichen Grüßen

von einen „besessenen“ Analytiker, der alles und auch das Nichts analysiert, wie z.B. mich, dem voll und ganz bewusst ist, dass er als sein eigener Lektor den Fehlerteufel nicht völlig isolieren kann und hin- und wieder der Kobold der Ironie, Zynismus und Wortverspieltheit seinen Schabernack mit ihm treibt, oder ist er gar von Heyoka, dem Donnerträumer heimgesucht worden, also regelrecht besessen? Am Ende oder zu Beginn dieser Aussendung legt er, quasi ich, euch/Ihnen immer wieder mal Links ans Herz, die für eine gerechte, friedvolle Welt eintreten, eine Welt, in der Lebensfreude höchste Priorität hat!

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