Die Amerika-Kritik hat immer auch etwas Infantiles

JAN FLEISCHHAUER  – Infantilität als Lebensinhalt. Seine Fans attestieren ihm, er schreibe humorvolle, süffissante Texte. Jan Fleischhauer ist Redakteur beim Spiegel und Autor des Buches „Unter Linken: Von einem, der aus Versehen konservativ wurde“. Nach dem Mauerfall ging er für den Spiegel nach Leipzig, dann nach Berlin und New York, wo er vier Jahre als Wirtschafts-korrespondent arbeitete; seit 2005 ist er wieder in Berlin. Seit 2011 erscheint im Spiegel seine Kolumne „Der Schwarze Kanal“. Kostproben gefällig? Ja? Gut – dann lassen wir uns kurz in die „burlesquen“ *.) Untiefen seiner „Stimme aus dem Jahresbericht 2014/15 der  Atlantik-Brücke fallen.

–    „Wahrscheinlich ist der Antiamerikanismus so alt wie Amerika“ … ä h m, da dürfte er Recht haben, den ohne Amerika gäbe es auch keine Kritik über Amerika, schätzen wir mal.

–    „Neu ist die Dreistigkeit, mit der der Antiamerikanismus auch von Leuten geäußert wird, die es besser wissen müssten, weil sie das Privileg hatten, in einer von den USA gesicherten Welt aufzuwachsen“. . . nun, wir möchten uns nicht als pedantischer I-Tüpflerlreiter aufspielen, aber wenn wir nur an die letzten Jahre und die durch die US-Regierung angezettelten Kriege in Libyen, Irak, Syrien und Afghanistan z.B. denken, dann haben sich die dort lebenden Menschen und heutigen Asylsuchenden wohl kaum in einer „von den USA gesicherten Welt“  geborgen gefühlt.

–    „Manche haben sogar an einer amerikanischen Hochschule studiert, was sie allerdings nicht daran hindert, bizarren Verschwörungstheorien anzuhängen“. . . JA, wir geben es zu, wir tun uns mit solch einem – an den Haaren einer schottischen Schafherde herbeigezupften – Zusammenhang sehr schwer, zumal sich Fleischhauer damit als solider und seriöser Verschwörungspraktiker outet.

–    „Bei kaum einem Thema sind sich die Deutschen so einig wie in ihrem Wunsch, die USA auf den Knien zu sehen – das verbindet ausnahmsweise Links wie Rechts.“Da ist zu Abwechslung sogar mal ein wahrer Kern dahinter: in den USA gibt es 48 Mio. Menschen, dass sind 15% der US-Bürger, die von Lebensmittelmarken (Food-Stamps) leben – also auf den Knien angekommen sind. Wir unterstellen Fleischhauer höflich, dass er dies wusste.

–    „Ein Land, das seine Stromkabel über die Straße hängt, statt sie ordentlich zu verbuddeln, kann man nicht wirklich ernst nehmen.“ . . . Da stimmen wir ihm vollinhaltlich zu! Aus der Sicht der Deutschen – und Fleischhauer ist einer … – kann man dies nur so sehen.

–    „Die Amerika-Kritik hat immer auch etwas Infantiles. Man kennt den Vorgang aus der Psychoanalyse:..Da spricht man von Übertragung, wenn unterdrückte Gefühle oder Affekte durch Projektion auf andere bewältigt werden sollen“ . . . Völlig d`accord: Der Autor ist das lebendigste Beispiel dafür.

–    „Für eine Zeit lang mag es sogar funktionieren, das eigene Selbstwertgefühl durch Abwertung eines imaginierten Gegenübers zu steigern, aber es bleibt immer ein unerledigter Rest. Auch deshalb muss das Ritual ständig neu vollzogen werden.“ . . . Niemand weiß dies besser als Jan Fleischhauer. Realitätsverlust ist „behandelbar“ – sagt man.

*.)  „Burlesque“ beschrieb ursprünglich eine humorvolle, grotesk-parodierende Darstellung. Das Wort burla (italienisch – Schabernack) und burra (lateinisch – Lappalie) ergänzen den Begriffsinhalt.

Anders gesagt: der Humor, die grotesk-verniedlichende Parodie, bedürfen der Intelligenz. Letztere sucht man in den Kommentaren von Fleischhauer wie die berühmte Nadel im Heuhaufen.


Hier der ORIGINALKOMMENTAR von JAN FLEISCHHAUER 

jahresbericht-webversion_neu(1)_Seite_06
maxresdefaultDer moderne Antiamerikanismus sieht aus wie ein netter Physiklehrer. Er trägt am liebsten schwarzes T-Shirt zu schwarzem Sakko und hört auf Vornamen wie Hagen, Urban oder Volker. Der moderne Antiamerikanismus zeigt sich auch gern von seiner lustigen Seite. Man trifft ihn bei Lesungen, auf Kabarettbühnen und im deutschen Fernsehen, wo er eigene Sendungen unterhält, die „Die Anstalt“ oder „Mitternachtsspitzen“ heißen und in denen er sein Publikum mit Witzen über die tumben Amis erheitert, die sich gegenseitig über den Haufen schießen, wenn sie nicht gerade Krieg gegen ein armes Wüsten- beziehungsweise Dschungelvolk führen.

Wahrscheinlich ist der Antiamerikanismus so alt wie Amerika. Schon die ersten Siedler galten als Brut engstirniger Philister, die vor allem auf den eigenen Vorteil bedacht waren. Bis heute haben die Amerika-Verächter nicht entschieden, was sie schlimmer finden sollen: die angebliche Oberflächlichkeit der Ausgewanderten oder aber deren religiöse Inbrunst. Im Zweifel halten sie beides für unausstehlich.

Neu ist die Dreistigkeit, mit der der Antiamerikanismus auch von Leuten geäußert wird, die es besser wissen müssten, weil sie das Privileg hatten, in einer von den USA gesicherten Welt aufzuwachsen. Manche haben sogar an einer amerikanischen Hochschule studiert, was sie allerdings nicht daran hindert, bizarren Verschwörungstheorien anzuhängen. Wer glaubt, dass nur in den obskuren Ecken des Internets der Glaube verbreitet wird, die amerikanische Finanzelite ziehe über die CIA im Hintergrund alle Fäden, war lange nicht mehr im sogenannten Bildungsbürgertum unterwegs.

Bei kaum einem Thema sind sich die Deutschen so einig wie in ihrem Wunsch, die USA auf den Knien zu sehen – das verbindet ausnahmsweise Links wie Rechts. Wohin sie blicken, sehen sie Verfall, Kulturlosigkeit und Ignoranz, „eine perverse Mischung aus Verantwortungslosigkeit, Profitgier und religiösem Eiferertum“, wie es mein kolumnistischer Gegenspieler Jakob Augstein einmal auf den Punkt gebracht hat.

Für den aufmerksamen Zeitgenossen sind die Zeichen des Untergangs unübersehbar. Man muss sich ja nur den Zustand der Straßen angucken (jede vierte Brücke morsch!) oder das völlig veraltete Energiesystem, um zu dem Schluss zu kommen, dass diese Nation ihre Zukunft hinter sich hat. Ein Land, das seine Stromkabel über die Straße hängt, statt sie ordentlich zu verbuddeln, kann man nicht wirklich ernst nehmen.

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atum.media

Mit ein wenig Glück müsste sich der Spuk eigentlich bald von selbst erledigt haben. Wenn sie sich nicht gegenseitig bei irgendwelchen Massakern umbringen oder von herabhängenden Stromkabeln gegrillt werden, dann werden die Amerikaner irgendwann platzen. Zwei von drei US-Bürgern sind übergewichtig oder sogar fettleibig! Diese Zahlen kennt hierzulande jedes Kind. Was für ein Segen, dass wir in einem Land leben, in dem man Bürgerinitiativen gegen McDonald’s gründet, den „Tatort“ für die Spitze der Fernsehkultur hält und die Waschmaschinen trotz ergiebigen Niederschlags so wenig Wasser verbrauchen, dass man mit dem Gesparten die gesamte Sahara bewässern könnte.

Die Amerika-Kritik hat immer auch etwas Infantiles. Man kennt den Vorgang aus der Psychoanalyse: Da spricht man von Übertragung, wenn unterdrückte Gefühle oder Affekte durch Projektion auf andere bewältigt werden sollen. Für eine Zeit lang mag es sogar funktionieren, das eigene Selbstwertgefühl durch Abwertung eines imaginierten Gegenübers zu steigern, aber es bleibt immer ein unerledigter Rest. Auch deshalb muss das Ritual ständig neu vollzogen werden.

Die ironische Volte an der übersteigerten Amerika-Kritik ist, dass die Deutschen gerade in die Rolle des Schurken geraten, der eigentlich für die USA reserviert war. Wir sind es gewohnt, dass man uns für unsere Effizienz und unseren Fleiß bewundert, nicht, dass man uns dafür hasst. Nun sehen wir fassungslos, wie sie in den Hauptstädten des Südens deutsche Flaggen verbrennen und deutsche Politikerpuppen schänden. Vielleicht gibt die Rollenumkehr ja dem einen oder anderen Amerika-Feind zu denken, dann hätte der Deutschenhass wenigstens einen Lerneffekt.

Die Infantilität der Amerika-Kritik

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Historiker und „Verschwörungstheoretiker“ Wolgang Eggert erläutert die Atlantik-Brücke

Wer sich so bei der Atlantik-Brücke herumtreibt kann man sehr gut auch an den Jahresberichten erkennen.

Atlantik-Brücke Jahresbericht 2013 / 14

Müller Verlag TEMPUS CORPORATE GmbH – Ein Unternehmen des ZEIT Verlags, Askanischer Platz 3, 10963 Berlin

Atlantik-Brücke Jahresbericht 2014 / 15

Müller Verlag TEMPUS CORPORATE GmbH – Ein Unternehmen des ZEIT Verlags, Askanischer Platz 3, 10963 Berlin

Video: Deutschland ist eine „US-kolonie“ und wir beweisen es

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