Rothschild: Wie eine Familie die globale Industrie beherrscht

 

Wie die Billionärs-Familie die Welt erobert. Die deutschstämmige Bankiers-Familie steht weltweit an der Spitze der Superreichen. Über unzählige vielfach vernetzte Beteiligungen an Banken, Investmentgesellschaften und Versicherungen kontrolliert sie bereits einen beträchtlichen Teil der Weltwirtschaft.

 

Mayer Amschel RothschildDer Name Rothschild steht seit 200 Jahren für Ruhm und Geld, Prunk und Macht, Gold, Staatsfinanzierung und Notenbanken. Ja sogar für Krieg und Frieden. Denn Rothschilds haben in so manchen Auseinandersetzungen beide Kriegsparteien finanziert. Ein Ur-Ur-Ur-Enkel von Meyer Amschel Rothschild, dem Gründer der Bankiers-Dynastie, erhielt am 19. November in Frankfurt die Auszeichnung „European Banker of the Year 2012“: Baron David René James de Rothschild, 70, vom französischen Familienzweig. Sein Verdienst ist es, dass er seit 2003 die familieneigenen Privatbanken zu jener schlagkräftigen Finanzgruppe formierte, die heute keine Weltmacht mehr fürchten muss, sondern eine solche selbst verkörpert. Er fügt der Geschichte von Kapitalismus und Reichtum ein neues Kapitel hinzu.

Die mächtigste und wohlhabendste Bankiers-Familie der Welt

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts legte vor allem Nathan Mayer Rothschild den Grundstein zu dem späteren Reichtum. Er spekulierte in London erfolgreich mit einem teilweise unterschlagenen Vermögen des vor Napoleon geflüchteten Erbprinzen Wilhelm IX von Hessen-Hanau im Umfang von kolportierten drei Millionen Pfund, die durch Vater Mayer Amschel Rothschild und die vier Brüder heimlich nach London transferiert wurden – und sie profitierten enorm vom Krieg gegen Napoleon. Der Adelstitel „Baron“ war den fünf Brüdern Rothschild übrigens 1822 vom österreichischen Kaiser Franz I verliehen worden. Nathan Rothschild in London verzichtete. Sein Sohn Anthony erhielt 1847 den erblichen Titel Baronet of Tring in der Grafschaft Hertfordshire und erst sein Enkel Nathan Mayer Rothschild II im Jahr 1885 den erblichen Adelstitel Baron Rothschild in der Peerage des Vereinigten Königreichs.

Der Bankiers-Clan galt bereits Mitte des 19. Jahrhunderts als reichste Familie der Welt mit dem weltweit ersten Milliarden-Vermögen in Pfund wie in Dollar. Erst 1910 folgte der amerikanische Öl-Tycoon John D. Rockefeller als erster US-Milliardär. Da waren die europäischen Rivalen, die gleichzeitig auch Verbündete waren, bereits doppelt so reich. Laut einer Rangliste des US-Wirtschaftsmagazins Forbes rangiert die Familie Rothschild unter den reichsten historischen Persönlichkeiten weltweit als unangefochtener Spitzenreiter. Unter Berücksichtigung der alljährlich wiederveranlagten Gewinne ihrer zahlreichen Bank- und Industriebeteiligungen ist das Vermögen der Familie heute im zweistelligen Billionen-Euro-Bereich anzusiedeln.

Dieses Vermögen verteilt sich auf zahlreiche Familienmitglieder, wobei vier Clan-Chefs eine bedeutende Rolle spielen: Der Franzose Baron David de Rothschild ist seit 2008 Vorstandsvorsitzender der mächtigen englischen Privatbank NM Rothschild & Sons (London), Vorstandsvorsitzender der Rothschild Continuation Holdings AG, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Rothschild Bank AG, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Paris Orléans, Mitinhaber der Bank Rothschild & Cie, Aufsichtsrat der Compagnie Financiere Saint-Honoré, der Compagnie Financiere Martin Maurel, der De Beers Group und der Groupe Casino. Er besitzt außerdem Anteile an dem prominenten Weingut Château Lafite Rothschild. Der englische Sir Evelyn de Rothschild war lange Zeit Vorstandsvorsitzender von NM Rothschild. Davor war dies Lord Jacob Rothschild, der wegen Differenzen über das Wachstumstempo 1980 die Führung an seinen Cousin abgab und seither eigene Geschäfte verfolgt. Der Schweizer Familienzweig unter Führung des Bankiers Edmond de Rothschild ist eine Abspaltung des französischen. Daneben gibt es Familienzweige in den USA und in Österreich.

Vom unbeschriebenen Blatt zum „Banker of the Year“

Als David de Rothschild 1986 die Investmentbank Rothschild & Cie startete, war er in der Branche ein unbeschriebenes Blatt. Auch die Londoner Bank NM Rothschild & Sons von Sir Evelyn agierte eher öffentlichkeitsscheu in einer diskreten Marktnische. Das darf allerdings nicht verwundern. Denn die Rothschilds spielen in einer eigenen Liga. Ohne Privatkunden, ohne große Firmenschilder oder auffallende Filialen. Erfolgs-Garant ist ihr Adressbuch und ihr Name. Denn ihre Klientel besteht ausschließlich aus reichen bis superreichen Personen, Unternehmen, Banken, Regierungen und internationalen Organisationen.

 

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Quelle: Geld-Magazin Ausgabe 12/2012-01/2013 (Autor Wolfgang Freisleben) Fotos Wikipedia

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