Geldsystem: Attac – große Ahnungslosigkeit!

Geld, Macht, Banken „Es genügt nicht, keine Ahnung zu haben, man muss auch anderer Meinung sein.“ (Klaus Klages, deutscher Gebrauchsphilosoph und Abreißkalenderverleger)

Als promovierter Nationalökonom und Co-Autor des Bestsellers „Das Ende des Geldes“ (März 2011 – 12 Stück sind bei Amazon um 45 – 149,- Euro gebraucht erhältlich) freut es mich, dass unsere Thesen vollinhaltlich durch die Bank of England (Quarterly Bulletin 1/2014), die Bundesbank/Dr. Jens Weidmann und kürzlich durch Prof. Dr. Werner bestätigt wurden.

Ungeachtet dieser Studien/Befunde habe ich nie an unseren Theorien und Schlussfolgerungen gezweifelt, weil wir uns als „echte Wissenschafter“ dem akademischen Eid (bei der Suche nach der Wahrheit auch die Objektivität nie aus den Augen zu verlieren und keine „interessensgeleitenden Schlüsse“ zu ziehen usw.) verpflichtet haben.

Und ehrlich gesagt:

wir haben weder das Rad neu erfunden … noch fühlten wir uns als Revolutionäre … sondern wir lernten aus der vwl. Dogmengeschichte, wo das Thema der Geldschöpfung x-fach thematisiert wurde (s. Irving Fisher, 100% Money, 1936 / wissenschaftliche Beiträge von Hyman Minsky u.v.a.m.) und analysierten die bilanzielle Darstellung, wie das Geld in unserem Schuldgeldsystem „geschöpft“ (erfunden) wird. Das wir auch die Gesetze studierten, ist eine Selbstverständlichkeit, die man auch nicht oft findet.

Sie fragen: wieso?

Ich sage: wieso fragen Sie nicht den Wirtschaftsweisen Bofinger, der öffentlich die Abschaffung des Bargeldes forderte o h n e zu wissen, dass er damit das gesetzliche Zahlungsmittel verbieten wollte?! Ja – ich stimme Ihnen zu: dazu gehört Mut und Zivilcourage und beide Charaktermerkmale sind so selten wie das Vorkommen von Erdgas in Berlin – Alexanderplatz . . .

Wir taten das, was alle „echten“ Ökonomen tun: nicht mehr – nicht weniger.

Mittlerweile – 5 Jahre danach – gibt es viele „Trittbrettfahrer“ (Soziologen, Journalisten usw.), die mit hektisch herbei gezauberten Büchern auf die Welle der Geldaufklärer und -reformer aufspringen. Amüsant finde ich ehem. Bankmanager, Chefökonomen von … welcher Institution auch immer … und Hedgefondsspekulanten, die – sobald in wohl verdienter Rente wie vom Blitz nach 30jähriger Tätigkeit im Finanzsektor getroffen – drauf kommen, dass da irgendetwas mit dem Geld nicht sooo stimmen kann ?! Man will es ja eh … schon immer gewusst haben … und Geld hat kein „Mascherl“ usw. etc.

– – –

Also, ich hab`s mit Sir KARL RAIMUND POPPER – und Sie?

Nicht nur die Wirtschaftswissenschaften sind durchzogen mit Theorien, die ein möglichst getreues Abbild der Wirklichkeit da draußen zu liefern versprechen. Zumeist scheitern sie jedoch an simplen Kriterien, wie jenem von Korrelation und Kausalität.

Ein Zusammenhang zwischen Variablen ist schnell errechnet (Korrelation) – aber das heißt noch lange nicht, dass dieser auch kausal ist, d.h. die Wirkung sich durch genau diese (einzige?) Ursache bestimmen und erklären lässt.

Das beste Beispiel liefert seit Jahren der IWF mit seinen völlig falsch berechneten Fiskalindikatoren, auf denen die Austerity Politik aufbaut.

Obwohl dies alle mit freiem Auge anhand der Wirklichkeit seit Jahren erfahren müssen . . . wird aus politischer Opportunität und einer irren Angst, dass man öffentlich zugeben müsste, sich über Jahre fundamental geirrt und total verrannt zu haben, daran festgehalten. Mühsam herbei gerechnete, monokausale Zusammenhänge sagen oft nichts über die Realität aus, weil die Ursachen ungleich vielschichtiger (multikausaler) sind, als in den Rechen –und/oder Gedankenmodellen angenommen.

Die meisten (Wirtschafts-)Wissenschafter halten sich nicht an die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie von Sir KARL POPPER (1902 – Wien / 1994 – London).

Er lehnte alle „wissenschaftliche Verallgemeinerungen von Beobachtungen als Theoriegebäude“ genau so wie „populistischen Meinungen und Spekulationen“ ab.

Er ersetzte diese vagen, nicht validen „Spekulationen“ durch sein empirisches Falsifikationsprinzip!

Seit damals ist die empirische Evidenz als Falsifikation (Widerlegung) zuvor aufgestellter Theorien die Basis der Erkenntnis(gewinnung)überprüfung. Dies gilt vor allem für die Wirtschaftswissenschaft.

– – –

Schuldgeldsystem – und die Anwendung der empirischen Falsifikation.

Wie hier x-mal erwähnt und daher längst allseits bekannt, lässt sich die herrschende IRRlehre zum Geld anhand von zwei wesentlichen Kriterien leicht falsifizieren:

1.) Ausgehend von den gesetzlichen Grundlagen direkt zur Geldzerzeugung, also den Nationalbankgesetzen und –statuten, den Kreditwesen- und Bankwesengesetzen, gelangt man rasch

2.) zu der bilanziellen Analyse der Querverbindungen zwischen Zentral- und Geschäftsbanken.

(Die Unternehmen buchen die Geldzusammenhänge genau spiegelverkehrt zum Sektor Banken – daher braucht man diese, so wie den Staat und den Sektor-Haushalte, nicht berücksichtigen). Hier stösst man rasch auf die Rechnungslegungsgesetze, Vorschriften zur Bewertung von Vermögen und Schulden (Basel II + III etc.). Das Aktiengesetz (das detailliert über die Gliederung der Bankbilanzen Aufschluß gibt) rundet das Bild dann ab.

Dazu ein kleines Beispiel: Für die spekulative und „volksverdummende“ Behauptung:

die Banken geben nur das Geld der Sparer als Kredit an die Unternehmen weiter,

müssen wir nicht mal Sir Karl Popper strapazieren, der Hausverstand alleine tut`s auch.

Träfe dies in der Realität zu, dann würde dies bedeuten, dass a l l e Sparer das Geld dieser Welt erzeugen . . . und nicht die Banken! Die Kreditinstitute fungieren nach dieser spekulativen Behauptung nur als „Transformatoren“, die das eingesammelte Geld weiterreichen. Ich habe auch noch keinen Menschen getroffen, der zu Hause in der Küche oder im Garten eine Gelddruckmaschine aufgestellt hat – und dann jeden Tag seine Scheine auf die Bank trägt, damit diese es gleich wieder an den Bäcker des Ortes weitergibt, der sich einen neuen Backofen anschaffen will . . .

Was sagt ein schneller Bilanzcheck?

Nehmen wir den Monatsbericht der Bundesbank und gucken wir uns mal an, wieviel an Spareinlagen dort ausgewiesen werden (statistitscher Teil, S. 24,25)

https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Monatsberichte/2015/2015_12_monatsbericht.pdf?__blob=publicationFile

– Die Bilanzsumme beträgt per OKT-2015… 7.903,9 Mrd.

– und die Spareinlagen (S.25, Z.4.)) nur . . . . . . . . 603,6 Mrd.

Ein 3. Versuch: Was sagt das Gesetz?

In jedem Zentralbankgesetz ist klipp & klar geregelt, dass ausschließlich die Zentralbank das Recht und die Pflicht hat, Münzen und Scheine zu drucken. Dazu dient meist ein Tochterunternehmen, dass die hierzu notwendige technische Kapazität aufbaut und für einen steten Geldfluss zu sorgen hat. Weder Sparern, also Konsumenten, noch den privaten Unternehmen und auch nicht dem Staat ist es erlaubt, sich als „Gelddruckmaschine“ zu betätigen: es ist strafrechtlich verboten.

Gleichwohl nach kurzer Prüfung jedem vernunftbegabten Bürger sonnenklar ist, dass die o.a. Behauptung (die von vielen ÖkonomInnen sowie Bank-Gurus noch immer vehementest öffentlich vertreten wird) nicht den Tatsachen entspricht, wird sie uns wie eine übel stinkende Lüge tagtäglich um die Ohren geprügelt. Dass dieser längst „falsifizierte Unfug“ noch immer als gängige Theorie gelehrt wird, lässt nicht nur mich mit blassem Staunen zurück.

—–

Was ist die Position von Attac?

Wir alle kennen Attac als eine eher kritische Organisation zu vielen Lebensbereichen – vor allem aber was die Auswüchse der Globalisierung und des Kapitalismus betrifft. Man kann – tue ich auch öfter – die Standpunkte teilen, wie u.a. auch jene zu TTIP, CETA und TiSA.

Aber – mit Verlaub:

Das machen andere Organisationen mittlerweile professioneller und gründlicher, sowohl in der Analyse als auch beim „Kampagnerisieren“. Was TTIP betrifft ist sicher CAMPACT schneller am Thema dran und sie haben ungleich mehr an Mobilisierungsstärke. Andere, wie Food-Watch, OXFAM, Umweltinstitute, neue Gruppen und Organisationen für eine solidarische Ökonomie – nicht zu vergessen die Gewerkschaften als auch Parteien wie die LINKE mit ihrem Frontpaar Sahra Wagenknecht und Oskar La Fontaine und Wirtschaftsinstitute wie das IMK z.B. u.v.a.m. – haben Attac längst als „Themenbesetzer“ in brisanten wirtschafts- und sozialpolitischen Bereichen ersetzt.

Nicht nur in Österreich dient Attac als Sprungbrett für eine Karriere, die oft in politischen Parteien mit guter Aussicht auf ein Mandat in den Parlamenten beginnt und auch dort endet.

Kommt 2016 die nächste Finanzkrise?

… lautet ein Beitrag von Dominique Plihon.

Er ist emeritierter Professor für Volkswirtschaft und Sprecher von Attac Frankreich. Gut – es geht um die Auswüchse des Neoliberalismus und zum Risiko des Ausbruchs einer neuen Finanzkrise nennt er 3 Gründe:

“1.) Die Finanzwelt ist mittlerweile völlig globalisiert, wie die Gleichzeitigkeit der Börsenkrisen Anfang des Jahres gezeigt hat.

2.) Die Regierungen sind noch von der Krise 2007-08 durch höhere Budgetdefizite belastet und haben geringere Handlungsspielräume als früher.

3.) In den wichtigsten Ländern wurden keine bedeutsamen Reformen verwirklicht, um die Finanzmarktakteure in die Schranken zu weisen. Im Gegensatz zur Krise der 1930er Jahre hatte heute keine Regierung den Mut, die großen systemrelevanten Banken, die die Hauptakteurinnen der Finanz und der weltweiten Spekulation sind, zu zerteilen.“ (verkürzt zitiert).

http://mosaik-blog.at/kommt-2016-die-naechste-finanzkrise/

Hmhm – das Geldsystem selbst, oder gar eine Analyse welchen Umverteilungsturbo von unten nach oben der Zinseszins bewirkt, liest man nicht.

Die Attac-Welt scheint ganz ohne „Geld“ auszukommen? Sie wissen eh, wie ich es meinte … 😉

Begriffe: Geldsystem – Zins – Zinseszins?

Starten wir einen simplen Versuch und geben wir diese Wörter in das Suchfeld auf der Homepage von Attac-Suisse ein – wir finden . . . n i c h t s.

– Kein Hinweis, keine Stellungnahme, keine Analyse,

– keine Recherche zu den von mir anfangs zitierten Gesetzen,

– nichts zu den Positionen von anerkannten ÖkonomInnen, – null zu den umfangreichen Berichten in den Medien seit dem Ausbruch der größten Finanzkrise der Menschheit seit 2007 … ?

Keine eigene Meinung – keine Position – totale Funkstille!

Ich suche weiter bei Attac.org …

und gebe den Begriff „Monetary System“ ein. Es erscheinen Kommentare über die Fiskalunion, das Finanzsystem (Banken ?) und der aktuelleste stammt aus dem Jahr 2013… ?

https://www.attac.org/en/search/node/monetary%20system

Und wie siehts bei Attac.de aus?

Ich gebe mal Geldsystem ein und – siehe da – da tut sich was. Es gibt hier unterschiedlich Quellen zu You tube Videos, die mehr oder weniger bekannt sind. Auch sind die Beiträge über Jahre gestreut und bunt durcheinander gemischt.

http://www.attac.de/attac-suche/?tx_yacy_search%5Baction%5D=search&tx_yacy_search%5Bcontroller%5D=Search&cHash=dcb26aafa302adcb9bb6d9a59bd28cff

Auch unter dem Begriff Zinseszins erscheinen mehrere Links zu Videoclips – wieder ein großes Durcheinander.

Nicht gut.

Ich versuch es über die Homepage und „Themen“ – nichts … und auch unter „Kampagnen“ gibt es keine Information darüber, welche Position und Meinung Attac selbst hat.

Leider.

Und was tut sich bei der österreichischen Filiale?

http://community.attac.at/

Auch hier springt mir keines der Schlüsselwörter – Geldsystem + Zinseszins – direkt ins Gesicht. Ich gehe mal zu Kritische Wissenschaft . . . auch n i c h t s. Nach einigen Versuchen lande ich doch einen Treffer – bitteschön.

http://community.attac.at/index.php?id=10086

Es gab also 2012 einige Debatten, die man nachlesen kann. Für mich war das sehr erhellend, weil dies 1 Jahr nach dem Erscheinen unseres Buches stattfand. In einigen öffentlichen Debatten und Gruppen habe auch ich die „Klingen mit den Attacis gekreuzt“ … und mich gewundert, dass sie in ihrer ureigensten Kernkompetenz so unsicher und desinteressiert agierten.

So liest man im „Bildungsraum Geldsystem vom März 2012″, dass Fragen wie z.B.

– Kann Geld aus dem Nichts geschöpft werden und ist die private Geldschöpfung ein zentrales Problem?

– Wie hängen Eigentumsrecht und Geldsystem zusammen?

Debattiert wurden. Damals.

Die Zinsgruppe ist interessant, weil dort meiner Meinung nach, das sehr restriktive Verhalten und die totale Abstinenz von der Gelddebatte als systemimmanentes und grosses Problem, weg_negiert wurde.

Man hatte ungleich mehr Angst in die „rechte Ecke“ gestellt zu werden (wie man nachlesen kann) als dass man sich einer an den Tatsachen orientieren, internen Diskussion stellen und/oder eigenen Positionen entwickeln wollte.

Uns wenn sie nicht gestorben sind, dann . . . ja.

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